11.06.2021 Persönlicher Glaube

Die Bibel – ihre Entstehung und Überlieferung (9) - Das Neue Testament entsteht und verbreitet sich

Das Neue Testament entsteht

Während das Alte Testament über einen Zeitraum von etwa 1100 Jahren entstand (ca. 1500 v. Chr. - 400 v. Chr.), entstand das Neue Testament in einer deutlich kürzen Zeitspanne (ca. 45 n. Chr. - 100 n. Chr.). In diesen ca. 55 Jahren schrieben verschiedene Schreiber diesen Teil der Bibel mit seinen 27 Büchern bzw. Schriften nieder. Sie alle schrieben unter der Leitung des Heiligen Geistes Wort für Wort auf. Die Sprache des Neuen Testaments ist ausschließlich Griechisch. 1 Zur Zeit der Bibel war das sogenannte Koine-Griechisch die Umgangs- und Handelssprache in weiten Gebieten des Mittelmeerraums („Koine" bedeutet: „die Allgemeine"). Während die einzelnen Wörter inspiriert sind, sind sowohl Kapitel- und Verszahl als auch die Reihenfolge der Bücher nicht inspiriert.

 

Im Zentrum steht die Person Jesus Christus, der ewige Sohn Gottes, der im Alten Testament angekündigt und im Neuen Testament offenbart wird.

 

Die Schreiber des Neuen Testaments

Wie das Alte Testament, so wurde auch das Neue Testament durch „heilige Menschen Gottes" geschrieben, die Gott dafür gebrauchte (2. Pet 1,21; 1. Kor 2,13). Dazu gehörten beispielsweise die Fischerleute Johannes und Petrus (Mk 1,16-20), der Zöllner Matthäus (Mt 9,9), der Arzt Lukas (Kol 4,14), der Zeltmacher Paulus (Apg 18,3) usw.

 

Daraus lässt sich schließen, dass Gott Schreiber gebrauchte, die von ihrer Herkunft und Bildung sehr unterschiedlich waren. Eine geringere Bildung schränkte sie aber weder ein, noch brachte eine höhere Bildung Vorteile mit sich, wenn es um das Schreiben des Neuen Testaments ging. So benutzte Gott beispielsweise Johannes, einen „einfachen" Fischer, um die Herrlichkeiten des Herrn Jesus als ewiger Sohn Gottes mit einfachen aber tiefgehenden Worten auszudrücken (Johannes-Evangelium).

 

Unterschiedliche Entstehungsorte

Die Bibelbücher wurden von unterschiedlichen Orten aus geschrieben. Jakobus schrieb (wahrscheinlich) in Jerusalem, Johannes in Kleinasien oder auf Patmos, Paulus sowohl in Süd-Ost-Europa als auch in Rom aus der Gefangenschaft heraus usw. Waren die jeweiligen Bücher fertiggestellt, wurden sie dem Empfänger überbracht.

 

Die neutestamentlichen Bibelbücher kommen in Umlauf

Wenn Paulus Briefe an Versammlungen (Gemeinden) schrieb, wurden sie dort nach Erhalt vorgelesen und verwahrt. Darüber hinaus wurden vom jeweiligen Brief Abschriften gemacht, die mit den Nachbarversammlungen (-gemeinden) ausgetauscht wurden. Die authentischen Schriften fasste man dann an den jeweiligen Orten in Sammlungen zusammen. 2

 

In Kolosser 4,16 heißt es: „Und wenn der Brief bei euch gelesen ist, so macht, dass er auch in der Versammlung der Laodizeer gelesen werde und dass auch ihr den aus Laodizea lest." 3 Auch den Thessalonichern teilte Paulus mit, dass der Brief „allen Heiligen" vorgelesen werden soll (1. Thess 5,27; vgl. Off 1,3).

 

Daraus können wir schließen, dass alle inspirierten Briefe, die an bestimmte Versammlungen (Gemeinden) gerichtet waren, letztendlich für alle Autorität hatten und in den Besitz aller Versammlungen (Gemeinden) gelangen sollten. Das gilt genau so für alle anderen Briefe des Neuen Testaments, die vier Evangelien und die Offenbarung des Johannes. Denn sie alle stellen das inspirierte Wort Gottes dar.

 

Dass der Austausch der biblischen Schriften damals mehr Zeit benötigte als heute, ist zweifelsfrei der Fall. So dauerte es, bis eine Handschrift allen vorlag. Der Grund dafür liegt erstens darin, dass die Versammlungen teilweise weit voneinander entfernt lagen. Zweitens gab es keine modernen Kommunikationsmittel, mit denen wir heute Dokumente über mehrere tausend Kilometer in sekundenschnelle austauschen können. Und drittens muss hierbei berücksichtig werden, dass die generelle Entstehungszeit des Neuen Testaments etwa 55 Jahre dauerte. Auch aus diesem Grund konnten nicht alle Handschriften zur selben Zeit allen vorliegen.

 

Beispiele

Vom Bischof Klemens von Rom wird berichtet, dass er schon im Jahr 95 n. Chr. nicht nur den Römerbrief kannte, sondern auch einen der Briefe an die Korinther und vermutlich noch weitere. Demnach besaß die Versammlung in Rom anscheinend eine Sammlung von Kopien neutestamentlicher Schriften schon Ende des 1. Jahrhunderts (siehe 1. Klemens 47,1-3).

 

Auch die Bibel nennt Beispiele, aus denen wir schließen können, dass sich neutestamentliche Schriften unter Gläubigen verbreitet hatten. So kannte Petrus die Schriften des Paulus (2. Pet 3,15.16). Und Paulus zitiert selbst im ersten Timotheusbrief (63/64 n. Chr.) einen Vers aus dem Lukas-Evangelium (1. Tim 5,18; Lk 10,7). Das zeigt, dass er bis zu diesem Zeitpunkt neutestamentliche Bibelbücher, wie das Lukas-Evangelium, das in Umlauf gekommen waren, bereits gelesen hatte.

 

Die ursprünglichen Bücher wurden kopiert

Die ursprünglichen Handschriften besitzen wir heute nicht mehr. Gott hat aber dafür gesorgt, dass bis heute etwa 5700 alte Abschriften - zum Teil nur fragmentarisch - vom Neuen Testaments  entdeckt worden sind. Das älteste ist ein Teil des Johannesevangeliums und wurde etwa 25 Jahre nach dem Original verfasst.

 

Die Methode des Kopierens durch Abschreiben wurde bis ins 16. Jahrhundert angewandt. Von da an gab es den maschinellen Buchdruck. Aus diesem Grund haben die Handschriften auch teilweise unterschiedliche Qualitäten, worauf wir noch eingehen werden.

 

Dennoch dürfen wir jetzt schon sagen, dass wir mit dem Neuen Testament die Gedanken Gottes vollständig übermittelt und bis heute auch überliefert bekommen haben. Dafür dürfen wir Gott danken. Denn durch dieses Wort haben viele Menschen über Jahrhunderte hinweg den Weg zu Gott gefunden und erkannt, dass Jesus Christus der ewige Sohn Gottes ist und der Heiland der Welt (1. Joh 4,14), aber zugleich auch der, der den Mittelpunkt dieses wunderbaren Buches darstellt!


Fußnoten:

|1] Zur Zeit der Bibel war das sogenannte Koine-Griechisch die Umgangs- und Handelssprache in weiten Gebieten des Mittelmeerraums („Koine" bedeutet: „die Allgemeine"). [2] Ob es sich bei den Briefen um einen „inspirierten Brief" handelte oder nicht, war den Empfängern klar. So, wie der Heilige Geist bei den Schreibern wirkte, so wirkte Er auch bei den Empfängern und Lesern. Was die einen unter göttlicher Leitung schrieben, erkannten die anderen unter göttlichem Einfluss an. [3] Über den Brief „aus Laodizea" ist schon viel nachgedacht worden. Allerdings gibt es keine absolute Antwort, um was für ein Brief es sich hierbei handelt. Manche haben bei dem Brief aus Laodizea an den Epheserbrief gedacht, da dort in wichtigen Handschriften die Ortsangabe fehlt. Daher wird er oft als eine Art Rundbrief eingestuft. Wenn es sich um einen anderen Brief handelt, war er jedenfalls nicht inspiriert. Sonst wäre er heute im Wort Gottes wiederzufinden.