Die Bibel – ihre Entstehung und Überlieferung (11) Griechische Handschriftenfunde des Neuen Testaments (2)

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Die Majuskeln

Neben den wichtigen Papyrushandschriften gibt es die Majuskeln. Majuskeln sind Handschriften, in denen der Text ausschließlich in Großbuchstaben (Majuskeln) geschrieben wurde. Aktuell kennen wir etwa 323 solcher Handschriften, die aus der Zeit zwischen dem 3. und dem 11. Jahrhundert nach Christus stammen. Der Text dieser Handschriften wurde in griechischer Sprache meist auf Pergament geschrieben.

Drei solcher Handschriften stechen dabei besonders hervor: der Codex Sinaiticus (ca. 350 n. Chr.), der Codex Vaticanus (ca. 340 n. Chr.) und der Codex Alexandrinus (ca. 450 n. Chr.). In ihnen ist das Alte und Neue Testament fast vollständig erhalten. Daher sind sie für die Textforschung von großem Interesse. Geschrieben wurden die Codizes in der Zeit des vierten und fünften Jahrhunderts.

Der Codex Sinaiticus

Der Codex Sinaiticus gehört mit zu den bekanntesten und bedeutendsten Handschriftenfunden. Konstantin von Tischendorf, ein junger Theologe und Wissenschaftler, fand nach mehrmaligem Suchen in der Zeit zwischen 1844-1860 n. Chr. im Katharinenkloster im Sinaigebirge in Ägypten diesen großartigen Codex. Er stammt aus der Zeit um etwa 350 n. Chr. und enthält sowohl das Alte (etwa ein Drittel) als auch das komplette Neue Testament in griechischer Sprache.

Ursprünglich bestand der Codex aus etwa 730 Pergament-Blättern, von denen heute noch ca. 405 vorhanden sind. 347 Blätter befinden sich aktuell in London, in der British Library, 43 in der Universitätsbibliothek in Leipzig, 12 Blätter und 40 Fragmente im Katharinenkloster in Ägypten und Teile von 6 Blättern in Sankt Petersburg in Russland. Trotz seines hohen Alters weist er eine sehr gute Qualität auf.

Der Codex Vaticanus

Der Codex Vaticanus ist eine weitere Handschrift aus dem 4. Jahrhundert (etwa 340 n. Chr.). Dieser enthält fast vollständig das Alte Testament und das Neuen Testament bis Hebräer 9,13. Daher stellt dieser Codex wohl die bedeutendste Majuskel dar.

Die Großbuchstaben sind alle dicht nebeneinandergereiht. Wie bei den beiden anderen Codices gibt es weder einen Zwischenraum noch Satzzeichen. Im 10. Jahrhundert wurden die schon verblichenen Schriftzeichen von einem Mönch nachgezogen, um so wieder eine bessere Lesbarkeit herzustellen. Ebenfalls fügte man die Betonung hinzu.

Geschrieben wurde dieser Codex entweder in Ägypten oder in Cäsarea (Israel). Erst 1475 wurde der Codex zum ersten Mal in einem Inventar in der Bibliothek des Vatikans erwähnt, in der er sich bis heute befindet. Im 19. Jahrhundert wurde er schließlich veröffentlicht.

Der Codex Alexandrinus

Der dritte bedeutende Codex ist der Codex Alexandrinus. Er stammt aus dem 5. Jahrhundert und ist damit geringfügig jünger als die Codices Sinaiticus und Vaticanus. Er enthält nahezu die ganze Bibel (Altes und Neues Testament) ebenfalls wie die anderen beiden Codizes in griechischer Sprache. Wo dieser Codex geschrieben wurde ist unsicher. Aber seit dem 11. Jh. findet sich diese Majuskel in der Bibliothek des Patriarchen von Alexandria (daher der Name). 1627 wurde der Codex Alexandrinus König Karl I. geschenkt. Heute befindet er sich in der British Library in London.

Fazit

Es ist beeindruckend, dass Gott über 1500 Jahre alte Handschriften ans Licht bringen ließ, bei denen es sich um Vollbibeln handelte. Durch ihr hohes Alter waren sie für die Wissenschaft von Interesse und trugen mit dazu bei, den Grundtext systematisch zu erforschen.

Bis heute wurden von keinem anderen antiken Buch dieser Welt so viele Funde gemacht wie von der Bibel. Immer wieder bestätigt sich die Einzigartigkeit dieses Buches.

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Artikelreihe: Die Bibel – ihre Entstehung und Überlieferung

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