Die Bibel – ihre Entstehung und Überlieferung (22) - Der Kanon der Bibel (4)

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Der Kanon des Neuen Testaments – innerbiblische Hinweise

Im Neuen Testament finden sich ebenfalls Zeugnisse, in denen gläubige Menschen inspirierte Schriften als Gottes Wort anerkannten.

Das Beispiel Paulus im Timotheusbrief

Paulus schreibt an Timotheus: „Denn die Schrift sagt: „Du sollst dem Ochsen, der drischt, nicht das Maul verbinden“, und: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert“ (1. Tim 5,18). An dieser Stelle zitiert Paulus einen Vers aus dem 5. Buch Mose (5. Mo 25,4) und einen Vers aus dem Lukasevangelium (Lk 10,7). Dabei fällt auf, dass er im Hinblick auf zwei unterschiedliche Bücher aus zwei Testamenten nicht sagt: „die Schriften“ sondern „die Schrift“ (Singular). Damit macht er deutlich, dass das Alte Testament auf derselben Stufe steht wie das Neue Testament und als eine wunderbare Einheit ansieht. Beide Testamente sind inspiriertes Wort Gottes.

Zugleich wird deutlich, dass Paulus das vor nicht allzu langer Zeit entstandene Lukasevangelium bereits zur „Schrift“, also zum Wort Gottes zählte. Das war zweifellos ein Ergebnis des Wirkens des Heiligen Geistes. Denn der Geist wirkte nicht nur in den Schreibern der Bibel, sondern auch in den Empfängern, von denen einige Schreiber waren, und führte sie dahin, das geschriebene Wort als Wort Gottes sofort anzuerkennen und zur Sammlung inspirierter Bibelbücher dazuzuzählen. Bücher, die nicht inspiriert waren, wurden nicht anerkannt.

Das Beispiel Petrus im Petrusbrief

Einen weiteren Hinweis liefert der Neutestamentliche Schreiber Petrus in seinem zweiten Brief. Dort schreibt er: „Und erachtet die Langmut unseres Herrn für Errettung, so wie auch unser geliebter Bruder Paulus nach der ihm gegebenen Weisheit euch geschrieben hat, wie auch in allen Briefen, wenn er in ihnen von diesen Dingen redet, von denen einige schwer zu verstehen sind, die die Unwissenden und Unbefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften, zu ihrem eigenen Verderben“ (2. Pet 3,15.16).

An dieser Stelle spricht Petrus von den Briefen des Apostels Paulus und stellt sie auf dieselbe Stufe mit „den übrigen Schriften“. Petrus erkannte sofort an, dass die Briefe des Paulus zur Schrift gehören, inspiriertes Wort Gottes sind und zur Sammlung der Schriften dazuzählen.

Natürlich kann es sich wie im Fall des Briefes „aus Laodizea“ (Kol 4,16) um einen Brief handeln, der womöglich von Aposteln geschrieben wurde, aber nicht zu Gottes Wort gezählt wird, da es sich nicht um inspiriertes Wortes Gottes handelt. Nicht jeder Brief, den die Apostel schrieben, war automatisch Gottes Wort (vgl. 3. Joh 9). Doch die inspirierten Briefe wurden von gottesfürchtigen Empfängern, wie Petrus deutlich macht, unmittelbar als Gottes Wort anerkannt und aufgenommen. 

Resümee

Das Neue Testament zeigt ebenfalls, wie der Heilige Geist in den Gläubigen wirkte. Eine inspirierte Schrift wurde sofort als Wort Gottes anerkannt. Wir brauchen somit keinen Zweifel zu haben: Die Schriften, die wir in der Bibel vor uns haben, sind tatsächlich Gottes Worte, die Autorität in sich selbst besitzen, weil sie von Gott eingehaucht wurden.

 

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