17.05.2021 Jesaja

Der leidende Knecht (3) - Jesaja 52,14.15

Ein entsetztes Volk in der Vergangenheit

Als der Herr Jesus auf der Erde lebte, waren viele aus dem Volk Israel über Ihn entsetzt. Ein Grund wird wohl darin gelegen haben, dass sie einen großen und mächtigen Herrscher erwarteten, der sie von dem Joch der Römer erlösen würde.

 

Doch hier stand nun jemand vor ihnen, der in Niedrigkeit und Demut gekommen war. Einer, der ihnen nicht wie ein Held erschien und der sie zudem in das göttliche Licht stellte (Joh 1,9). Einen solchen Messias hatten sie sich nicht vorgestellt, erst recht keinen, der durch Leiden, Verachtung vonseiten der Führer und demütiges Erleiden von Misshandeln gekennzeichnet war. Das löste Entsetzen unter dem Volk aus.

 

Sein entstelltes Aussehen

Auch das Aussehen des Herrn Jesus war nicht durch Glanz gekennzeichnet. Ganz im Gegenteil: „Er hatte keine Gestalt und keine Pracht" (Jes 53,2). Sein Aussehen war sogar mehr entstellt als irgendeines Mannes (Jes 52,14). Was genau die Ursache dazu war, wissen wir nicht. Denn auch das Neue Testament schweigt darüber.

 

Dennoch dürfen wir annehmen, dass die Folgen seines unermüdlichen Dienstes hier auf der Erde als auch die Folgen der Sünde, die Er bei den Menschen täglich wahrnahm, Leidensspuren an Ihm hinterließen. Aber auch der Tod als Lohn der Sünde, den Er bei den Menschen wahrnahm, wird Ihn berührt haben. Wie sehr er unter dessen Anblick litt, sehen wir bei Lazarus. Als dieser gestorben war, seufzte Er tief im Geist, erschütterte sich und vergoss Tränen (Joh 11,33).

 

Einmal sprachen die Juden zu Ihm: „Du bist noch nicht 50 Jahre alt und hast Abraham gesehen?" (Joh 8,57). Aus Lukas drei wissen wir, dass der Herr Jesus mit etwa 30 Jahren seinen öffentlichen Dienst begann und zum Zeitpunkt der Fragestellung nicht viel älter gewesen sein kann (Lk 3,23). Dennoch könnte man dieser Äußerung der Juden entnehmen, dass das Aussehen Jesu einem Fünfzigjährigen glich.

 

In einer kaum vorzustellenden Weise wurde sein Aussehen allerdings entstellt, als Er unter den skrupellosen Händen der Menschen litt, die Ihn geißelten, Ihm eine Dornenkrone auf das Haupt setzten, mit einem Rohrstab darauf schlugen, und Ihn am Ende seines Leidensweges an das Kreuz nagelten (Mt 27,26.31.35). Alles das wird wohl dazu beigetragen haben, dass sein Aussehen mehr entstellt war, als irgend eines Mannes und seine Gestalt mehr als der Menschenkinder.

 

Eine staunende Nation in der Zukunft

„... ebenso wird er viele Nationen in Staunen versetzen, über ihn werden Könige ihren Mund verschließen. Denn sie werden sehen, was ihnen nicht erzählt worden war; und was sie nicht gehört hatten, werden sie wahrnehmen" (Jes 52,14).

 

Das erste Kommen des Messias war durch Niedrigkeit und Demut gekennzeichnet (Phil 2,5-8). Wenn Er allerdings ein zweites Mal auf diese Erde kommen wird, wird Er in Macht und großer Herrlichkeit erscheinen (Mt 24,30; 2. Thess 1,10; 2,8). Dann werden viele Nationen in Staunen versetzt werden und sich wundern. Selbst die großen Regenten dieser Erde, die Könige, werden dann vor Ehrfurcht ihren Mund vor dem verschließen, der damals so entstellt war und über den sich viele entsetzten. Denn dann wird Er als der König der Könige und Herr der Herren seinen Anspruch auf dieser Erde geltend machen (Off 19,16). Seine Herrlichkeit wird dann alles übertreffen und jeden in den Schatten stellen.

 

Die zukünftigen Nationen und Könige werden wohl solche sein, die beim Gericht der Lebendigen nicht verurteilt, sondern mit dem in der Zukunft zum Glauben kommenden jüdischen Überrest in das Tausendjährige Friedensreich eingehen werden. Alle jene werden den Sohn Gottes dann aufgrund seiner ungeahnten Herrlichkeit ehren (vgl. 1. Kön 10,7). Sie werden sehen, was ihnen nicht erzählt worden war; und was sie nicht gehört hatten, werden sie  dann wahrnehmen.

 

Ein Gegensatz - Vergangenheit und Zukunft

Der damals entstellte Jesus von Nazareth, über den sich viele entsetzten, wird in der Zukunft einmal der Gegenstand der Verherrlichung sein! Welch ein Gegensatz! Dann wird Er die Ehre und Verherrlichung empfangen, die Ihm damals schon zugestanden hätte.