Der leidende Knecht (10) - Jesaja 53,7

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Mit Vers 7 beginnt die vierte Strophe dieser großen Messias-Weissagung. In diesem Vers spricht Gott über die reine Gesinnung seines Sohnes, die darin offenbar wurde, dass Er sich ohne jede Klage und Rebellion, wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern, unter die Misshandlungen der Menschen beugte, nach Golgatha führen ließ, um sich Gott dort völlig hinzugeben.

In dieser vierten Strophe (Vers 7-9) muss zwischen den Leiden von Seiten der Menschen und den Leiden von Seiten Gottes unterschieden werden. In Vers sieben stehen zunächst die Leiden vor uns, die Er unter der Hand der Menschen erduldete. Danach erst spricht Jesaja von den Leiden, die Er unter der Hand Gottes erlitt.

Der Messias wird misshandelt

Schon während der Herr Jesus seinen öffentlichen Dienst tat, versuchten Menschen, Ihn zu töten (Lk 4,29; Joh 8,37). Doch seine Stunde war noch nicht gekommen. Noch erlaubte Gott es den Feinden nicht, Hand an seinen Sohn zu legen. Als aber die Stunde und die Gewalt der Finsternis gekommen war, gestattete es Gott (Lk 22,53). Jetzt wurde die ganze Bosheit und der Hass der Menschen Ihm gegenüber offenbar, vor allem der jener Führer des Volkes Israels.

Denn nachdem Judas Ihn überliefert hatte, spien sie den Messias an, schlugen Ihn mit Fäusten ins Gesicht, geißelten Ihn, flochten Ihm eine Krone aus Dornen, setzten diese auf sein Haupt und schlugen mit einem Rohrstab drauf. Dann kreuzigten sie Ihn (Mt 26,67; 27,26; Joh 19,1.2; Mt 27,26).

Neben diesen unvorstellbar schlimmen körperlichen Misshandlungen trafen den Messias zudem Hohn und Spott, Verachtung und Schmähung (Mt 27,29.31.39.40.44). Wie sehr muss seine reine und heilige Seele in jenen Augenblicken gelitten haben. In Psalm 69 lesen wir prophetisch, dass der Hohn sein Herz gebrochen hatte (Ps 69,21). Kein anderer Mensch wird diese verbalen Schläge wohl so sehr empfunden haben, wie der Herr Jesus.

Er beugte sich und schwieg

Während Er zu unrecht unter den Misshandlungen jener Menschen litt, beugte Er sich und schwieg. Er rebellierte und klagte nicht. Er schmähte und drohte nicht (1. Pet 2,23). Dieses Schweigen wird uns besonders in den Evangelien vorgestellt (Mt 26,63; 27,12.14; Lk 23,8.9; Joh 19,9). Und wenn Er seinen Mund in den ungerechten Gerichtsverhandlungen doch einmal auftat, dann nur um der Ehre Gottes willen (Mt 26,64; Mt 27,11).

Wie ein Lamm und wie ein Schaf

Wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern, schwieg Er in jenen Augenblicken juristischer Ungerechtigkeit und den Leiden, die Menschen Ihm angetan hatten.

Gerade jetzt wurde die reine Gesinnung des Herrn Jesus sichtbar, des Lammes ohne Fehl und ohne Flecken. In völliger Hingabe und Ergebenheit ließ Er sich still und stumm nach Golgatha führen, wo Er sich seinem Gott und Vater in göttlicher Liebe hingab.

Während die Menschen nach Vers 6 im Eigenwillen ihren eignen Weg gingen, ließ sich der Messias führen, der Schöpfer Himmels und der Erde, um am Kreuz den ewigen Ratschluss Gottes zur Ausführung zu bringen.

Dabei nutzt Gott den Vergleich eines Lammes und eines Schafes, um die Ergebenheit des Messias aufzuzeigen und seine Haltung gegenüber den Menschen, die Ihn körperliches und seelisches Leid zufügten. Dort, wo jeder Mensch sich aufgelehnt hätte, schwieg der, der „das Wort“ ist (Joh 1,1.2.14).

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