Henoch – einer, der Gott naht (FMN)

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Wir lesen nicht, dass Henoch einen Altar gebaut hätte. Von Seth, dem Sohn Adams, wird gesagt: „Und Seth, auch ihm wurde ein Sohn geboren, und er gab ihm den Namen Enos. Damals fing man an, den Namen des Herrn anzurufen“ (1. Mo 4,26). Später heißt es von Noah: „Und Noah baute dem Herrn einen Altar; und er nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der Herr roch den lieblichen Geruch“ (1. Mo 8,20.21).

Wie gesagt, bei Henoch ist von keinem Altar die Rede. Und doch lesen wir im Hebräerbrief in Verbindung mit dem Glauben und der damit verbundenen Entrückung Henochs: „Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner ist“ (Heb 11,6). Man ist zunächst einmal überrascht über diesen ergänzenden Hinweis des Schreibers des Hebräerbriefs. Dass der Glaube und ein Lebenswandel in Gemeinschaft mit Gott zu Gottes Freude ist, verstehen wir. Warum aber ist plötzlich davon gesprochen, dass man Gott naht? Anscheinend war das Glaubensleben Henochs unter anderem dadurch geprägt, dass er „Gott nahte“.

Es kommt noch eine weitere Auszeichnung hinzu. Ausdrücklich sagt Gott von Henoch, dass er das Zeugnis besaß, Gott wohlgefallen zu haben. Was heißt das? Der Geist Gottes drückt das sehr allgemein aus und man fragt sich: Wem gegenüber und wodurch und auf welche Weise wurde dieses Zeugnis gegeben? Die Zeitform (Perfekt) scheint anzudeuten, dass es ein Zeugnis der Wertschätzung Gottes in der damaligen Zeit war, die nicht aufgehört hat. Wir haben es im Wort Gottes verankert – und Henoch kannte dieses Zeugnis. Wir können davon ausgehen, dass der Glaube Henochs und Gottes Wohlgefallen an ihm auch in seinem Umfeld bekannt wurde. 

Henochs Lebenswandel bewies, dass er zur Freude Gottes lebte, ohne das Gott selbst dies öffentlich vor der Welt bezeugen musste. Aber Gott wird einmal vor der Welt sein Wohlgefallen an Henoch deutlich machen, wenn dieser Glaubensmann mit dem Herrn auf diese Erde zurückkommen wird (Jud 14; 2. Thes 1,10). Wir lesen nicht, dass sich Henoch darum bemühte, dass man seinen Glauben und Gehorsam vor anderen lobte. Gott wird sich zu seiner Zeit zu den Seinen bekennen, wie Er das bei Henoch getan hat und tun wird.

Zum Wohlgefallen Gottes kann nur jemand leben, der durch Glauben geprägt ist. Zugleich wird nur jemand Gott ehren können, der in Gemeinschaft mit Ihm lebt. Das ist ein wesentlicher Inhalt von „Gott nahen“. Über dieses Thema hat der Schreiber des Hebräerbriefes viel zu sagen.

Kühn mit Gott sprechen

  • „Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe“ (Heb 4,16).

Ein Christ hat keine Angst vor Gott und seiner Regierung (seinem Thron). Er weiß, dass Gottes Regierung durch Gnade geprägt ist. Am Thron trifft er auf Christus, den barmherzigen Hohenpriester. Das heißt, hier steht der Gläubige vor dem, der selbst auf der Erde in vergleichbaren Umständen gelebt hat. Daher kann Er Mitempfinden haben mit uns in diesen Prüfungen. Nicht allein das, Er hilft uns auch in den Herausforderungen, nicht zu sündigen, sondern die Gemeinschaft mit Gott zu suchen. Wir beten zu Gott und bekommen jede Hilfe von Ihm durch den Dienst des Herrn Jesus.

  • „Daher vermag er diejenigen auch völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen, indem er allezeit lebt, um sich für sie zu verwenden“ (Heb 7,25).

Als wahrer Melchisedek ist der Herr Jesus der Hoherpriester, der die Seinen segnet. Sein Priesterdienst endet nie. Er verbindet die Erlösten, die Gott im Gebet nahen, mit dem Allmächtigen. Er gibt ihnen während des Lebens alles, was sie nötig haben, um in schwierigen Lebensumständen bestehen zu können. Durch seinen Dienst werden sie das Ende der Wüstenreise, ihres Glaubenslebens, sicher erreichen. Das nennt der Schreiber hier „Errettung“.

  • „So lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und so gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser“ (Heb 10,22).

Es gibt kein Hindernis mehr zwischen uns und Gott. Das Werk des Herrn Jesus hat alle Hürden überwunden und eine gerechte Basis für unsere Gemeinschaft mit Gott bewirkt. Wir sind innerlich gereinigt. Und der Stellung nach stehen wir auf einer gerechten, mit Gott übereinstimmenden Grundlage. So treten wir in die unmittelbare Gegenwart des großen Gottes als Anbeter Gottes. Zugleich sind wir dort Fürbittende für andere.

Das Vorbild Henochs

Henoch kannte weder den Herrn Jesus noch ein vollbrachtes Erlösungswerk. Er hatte auch nicht wie wir das vollendete Wort Gottes in Händen. Aber er nahte Gott, in seiner Gegenwart hielt er sich auf. Es wird nicht ausdrücklich gesagt, dass er dort als Anbeter weilte. Aber durch die ähnliche Ausdrucksweise an anderen Stellen im Hebräerbrief können wir bei „nahen“ und „suchen“ vielleicht an die Anbetung als auch an das Gebet und die Fürbitte denken. Das ist in jedem Fall unser Platz, indem wir Gott, unserem Vater, als Anbeter und Beter nahen können.

Zu Beginn seines Glaubenslebens suchte Henoch Gott (vgl. 2. Chr 34,2) und fand Vergebung. Dann nahte er Gott auch während seines Glaubenslebens. Wird das nicht mit Dank verbunden gewesen sein für das, was Er von sich offenbart hatte? Durch die Weissagung, die Henoch mitgeteilt worden war (Jud 14.15), hatte er eine Offenbarung Gottes. Auf die stützte er sich, wenn er mit Gott sprach. So kennzeichnete diesen Mann Gottes eine aktive und lebendige Beziehung mit Gott. Und das führte ihn gewiss zur Anbetung.

Gott zu nahen beschränkt sich nicht auf Gebet und Dank. Schon in der Zeit Seths fing man an, den Namen Jahwes anzurufen (1. Mo 4,26). Das hörte nicht auf, schon gar nicht bei Henoch. Und als ein Mann Gottes, der Gott gefiel, war er jemand, der Gott die Ehre gab, auch in seinen Gebeten. Das ist sicherlich ein zentraler Bestandteil des Wohlgefallens Gottes.

Wir besitzen heute viel mehr: Wir kennen den Herrn Jesus, stützen uns auf das vollendete Wort Gottes. Zudem wohnt der Geist Gottes in uns. Wir wissen, dass der Herr alle Ansprüche Gottes im Blick auf die Sünde erfüllt hat. So können wir im vollen Bewusstsein der Liebe Gottes in Geist und Wahrheit anbeten (Joh 4,23). Zugleich haben wir das Vorrecht, Gott zu nahen als Gläubige, die für andere Fürbitte äußern. Gott freut sich über beides.

Die Herausforderung

Die große Frage ist: Praktizieren wir das? Henoch tat dies mit Hingabe, obwohl er weitaus weniger Offenbarungen besaß als wir. Darin ist er uns ein Vorbild, obwohl unsere Anbetung und Fürbitte viel weiter gehen können und sollten. Dafür hast du zwar keine 300 Jahre mehr, wie Henoch sie genutzt hat. Aber fang heute damit an! Du wirst den Segen Gottes erleben und diese Lebensausrichtung ist wie ein Lebensprogramm!

Folge mir nach – Heft 11/2023

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Artikelreihe: Henoch - der Mann Gottes

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