Henoch – Gott ist ein Belohner für den Glauben (FMN)

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Das Prinzip von „Saat und Ernte“ ist eng mit dem Thema „Belohnung“ verwandt, über das wir im vorherigen Heft nachgedacht haben. „Was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal 6,7) gilt aber sowohl dann, wenn wir Gutes tun als auch bei dem, was wir in Unabhängigkeit vom dem Herrn machen.

Saat und Ernte haben mit den unmittelbaren Folgen des Handelns zu tun, während die Belohnung eine aktive Antwort (in diesem Fall vonseiten Gottes) für unser Tun ist. Natürlich ist auch wahr, dass die Ernte, die Gott einem Gläubigen als Antwort auf seinen Gehorsam schenkt, grundsätzlich schon Teil (s)einer Belohnung ist. Aber die Tatsache, dass Gott belohnt, ist für sich gesehen schon bemerkenswert. Während Saat und Ernte stärker unsere Verantwortung als Christen betonen, zeigt uns der Gedanke des Belohners etwas von der Güte und Größe Gottes, der uns belohnt.

„Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner ist“ (Heb 11,5.6). Diese Aussage ist erstaunlich.  Glaube ist per Definition das Eingeständnis, dass ich selbst keine Kraft und Fähigkeit habe, das zu tun, was Gott tut. Denn durch den Glauben vertraue ich darauf, dass Gott das bewirkt, was ich selbst nicht tun kann. Ich habe somit die Überzeugung, dass der unsichtbare Gott in sichtbarer Weise eingreift, wobei ich selbst nicht imstande, das selbst zu tun.

Glaube in Gottes Wort

Das zeigt schon das erste Vorkommen von „Glaube“ in Gottes Wort: „Und er glaubte dem Herrn; und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit“ (1. Mo 15,6). Abraham konnte Nachkommen nicht selbst „schaffen“. In seinem Glauben aber vertraute er darauf, dass Gott das tun würde, obwohl menschlich alles dagegensprach.

Diese Bedeutung von Glauben wird auch im Neuen Testament bestätigt. Das erste Vorkommen dort bezieht sich bemerkenswerterweise nicht auf einen Israeliten, sondern auf einen Heiden. Es handelte sich um einen römischen Hauptmann. Dieser hatte einen kranken Knecht, der im Sterben lag. -Der Hauptmann war sich bewusst, dass er keine Macht besaß, den Kranken zu heilen. Daher bat er den Herrn Jesus, ihn gesund zu machen. Weil er dem Herrn zutraute, den Sterbenskranken aus der Ferne zu heilen, sagte Jesus über ihn: „Selbst nicht in Israel habe ich so großen Glauben gefunden“ (Mt 8,10.13).

Eine weitere interessante Bemerkung zum Glauben, der natürlich auch an vielen anderen Stellen in Gottes Wort erwähnt wird, findet sich am Anfang von Hebräer 11: „Der Glaube aber ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft, eine Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht“ (V. 1). Dieser Vers zeigt die Merkmale des Glaubens.

Glaube ist das Verwirklichen von dem, was sich unseren Sinnen (Augen) und unserer Kraft entzieht. Es ist damit zugleich das Eingeständnis persönlicher Unfähigkeit. Warum aber verbindet der Geist Gottes in Hebräer 11 dann diesen Glauben mit einer Belohnung?

Das Vertrauen auf Belohnung

Ein Gläubiger, der in seinem täglichen Leben Glaubensvertrauen hat, ist sich bewusst, dass er selbst nicht in der Lage ist, Gott zu ehren und Ihm zu gefallen. Der Glaube nimmt daher Gottes Kraft und Wegweisung ganz bewusst und aktiv in Anspruch. Er stützt sich auf Gott und seine Zusagen und lebt in bewusster Abhängigkeit von Ihm. Das ist „unsere“ Seite. Für ein Leben mit Gott ist es nötig, dass man glaubt, dass Er wirklich ist, also ein lebendiger, aktiver, handelnder Gott, auch wenn man Ihn nicht sehen kann.

Aber der Schreiber fügt hinzu, dass man auch glauben muss, dass Er ein Belohner ist für diejenigen, die Ihn suchen. Das heißt, wir glauben, dass Gott uns Gutes tun möchte (Jes 41,13; Ps 119,65.68). Wir suchen als Erlöste die Gemeinschaft mit dem Gott, der alle Dinge zum Guten mitwirken lässt (Röm 8,28). Wir vertrauen Ihm, dass Er uns belohnen möchte. Er wird das auch mit jedem tun, der für Ihn und mit Ihm leben möchte. Genau das hält der Glaube fest. Denn dieses Vertrauen wird belohnt werden.

Gott beschützt seinen Knecht

Noch ein abschließendes Wort zur Belohnung. Dieses Geschenk Gottes könnte im ganz besonderen Fall von Henoch auch seine Entrückung bedeuten. Denn in Hebräer 11,5 heißt es: „Durch Glauben wurde Henoch entrückt, damit er den Tod nicht sehe, und er wurde nicht gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte.“

Man kann zunächst daran denken, dass die ungläubigen Menschen Henoch gesucht hatten, weil er plötzlich nicht mehr da war. Womöglich wollten sie seine sterblichen Überreste finden. Sie haben diesen Glaubensmann aber nicht mehr gesehen. So wird es unseren ungläubigen Mitmenschen gehen, wenn wir entrückt worden sind: Sie werden uns nicht finden, wenn sie nach uns suchen sollten, sofern das der Geist bzw. die Kraft des Irrwahns, die Gott senden wird, nicht von Anfang an verhindern sollte (2. Thes 2,11).

Es ist angesichts der Gottlosigkeit seiner Zeitgenossen aber genauso gut möglich, im Blick auf das „Suchen“ an etwas ganz anderes zu denken. Wollten seine Mitmenschen ihn vielleicht umbringen? Henoch hatte treu das Gericht Gottes über sie angekündigt. Es reichte ihnen nun und sie wollten diesen Quälgeist endlich loswerden. Vielleicht suchten sie ihn, um ihn umzubringen.

Vielleicht stand der entscheidende und endgültige Angriff der Gottlosen bevor. Aber Gott entrückte ihn zuvor, „damit er den Tod nicht sehe“. Gott wollte jetzt eine eindrückliche Antwort auf seine Hingabe und seinen Glauben geben. Dazu war es nötig, „seinen Henoch“ vor den Angriffen der Menschen zu schützen. Das war Gottes Belohnung für ein Leben in Treue, in Hingabe für Ihn und im Glaubensvertrauen.

Herrliche Antwort und einzigartiges Schweigen Gottes

Gott beantwortete also Henochs Glauben einzigartig und zeigt uns damit die Größe der Belohnung: Er entrückte ihn, bevor die Menschen ihn, wie Jeremia oder Johannes den Täufer später, durch Gewalt beseitigen konnten.

Wir denken dabei unwillkürlich an unseren Herrn. Wenn jemand eine solche „Belohnung“ verdient hatte, dann Er. In seiner Treue hatte Er nichts anderes getan, als Gott zu verherrlichen. Aber Gott verschonte Ihn nicht. Er sorgte nicht dafür, dass Christus vor der Kreuzigung entrückt wurde. Er ließ es zu, dass Sünder Ihn ans Kreuz brachten und, was ihre Verantwortung betrifft, Ihn ermordeten (Apg 5,30). Wie zeigt uns das die Einzigartigkeit unseres Retters! Er sollte und wollte das Erlösungswerk für uns ausführen. Die Belohnung musste einen kurzen Moment warten (Heb 12,2) – aber Er hat sie erhalten: Gott hat den Sohn des Menschen „sogleich“, nämlich 40 Tage nach dessen Auferstehung, verherrlicht (vgl. Joh 13,31.32).

Folge mir nach – Heft 8/2023

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Artikelreihe: Henoch - der Mann Gottes

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