Henoch – ein erfülltes Glaubensleben (FMN)

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Das Geschlechtsregister in 1. Mose 5 könnte man fast „monoton“ nennen. Jemand wurde gezeugt, lebte eine Zeit, heiratete, bekam Söhne und Töchter und starb irgendwann. Die meisten lebten gut 900 Jahre, bevor sie starben. Dieses Kapitel nennt viele Personen nacheinander, die ein so hohes Alter erreicht haben.

Zwischendurch aber wird auf einmal ein Mann genannt, der viel früher „von der Bildfläche“ verschwand. Aus dem Neuen Testament wissen wir: Er wurde entrückt. Im Bibeltext heißt es hier: „Er war nicht mehr.“ Ganze 365 Jahre wurden ihm „gegeben“. Für uns ist das unglaublich viel, für die damaligen Verhältnisse war das jedoch wenig mehr als ein Drittel der durchschnittlichen Lebensdauer. In heutigen Zahlen umgerechnet könnte man sagen: Er wurde sozusagen nicht einmal 36 Jahre alt. Auf den ersten Blick ein kurzes, nicht sehr ertragreiches Leben.

Ein sinnvolles Leben!

Aber das Gegenteil ist wahr. Henoch führte ein erfülltes Leben. Vor allem: Er ist der Einzige in dieser Liste des fünften Kapitels, über den überhaupt etwas Besonderes gesagt wird. Es wird zwar am Ende von Kapitel 4 in Verbindung mit Enos, dem Enkelsohn Adams gesagt, dass man damals anfing, den Namen des Herrn anzurufen, und bei Noah lesen wir in Kapitel 6, dass er gerecht war und Glauben zeigte. Bei Lamech in Kapitel 5 sehen wir, dass er Gottvertrauen hatte und daher seinem Sohn den Namen Noah gab („Trost“, „Ruhe“), und bei Noah sehen wir ebenfalls viel Glaubensenergie.

Zu Henoch aber fügt Gott in der Reihe der Generationen plötzlich besondere Feststellungen hinzu. Von Adam, Seth und den weiteren Personen wird nur erwähnt, dass sie lebten, Kinder bekamen und starben. Henochs Leben auf der Erde hatte natürlich auch ein Ende, aber von ihm wird nicht einfach geschrieben: „und er starb“, sondern: „Gott nahm ihn weg“.

Genauso beeindruckend: Er ist der einzige, dessen Leben besonders kommentiert wird. Vielleicht ist in der Namensgebung der anderen Personen, die in diesem Kapitel genannt werden, ein gewisser Glaube sichtbar. Mehr aber nicht. Ganz anders bei Henoch: Zweimal schreibt Mose, dass Henoch mit Gott wandelte. Die Zahl 2 bedeutet in der Bibel immer wieder, dass etwas ausdrücklich bezeugt werden soll, also die Wahrheit einer Aussage besonders bestätigt wird (5. Mo 19,15). Natürlich reicht es eigentlich aus, wenn Gott etwas nur einmal sagt. Aber hier wiederholt Er es ausdrücklich: „Und Henoch wandelte mit Gott, nachdem er Methusalah gezeugt hatte, 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter. Und alle Tage Henochs waren 365 Jahre. Und Henoch wandelte mit Gott“ (1. Mo 5,22-24).

Diese Auszeichnung wird später noch einem zweiten Mann zuteil, der offensichtlich „genauso gläubig“ war wie Henoch: Das ist Noah. „Dies ist die Geschichte Noahs: Noah war ein gerechter, vollkommener Mann unter seinen Zeitgenossen; Noah wandelte mit Gott“ (1. Mo 6,9). Beide Männer waren außergewöhnlich in ihrer Zeit. Und Gott zeichnet beide mit diesem großartigen Zeugnis aus.

Was heißt „mit Gott wandeln“?

Was heißt das eigentlich, mit Gott wandeln? Es bedeutet, für das eigene Leben nach Gottes Willen zu fragen – und ihn zu tun. Jemand, der das verwirklicht, sucht die Gemeinschaft mit Gott. Er bestimmt sein Leben nicht selbst, sondern übergibt Gott die Herrschaft.

Wenn du das in dein Leben übertragen möchtest, bedeutet das: Du fragst nach Gottes Willen für dein Leben. Du betest regelmäßig und intensiv zu Gott, deinem Vater, und zum Herrn Jesus. Du liest Gottes Wort, um seinen Willen zu erfahren. Du startest in den Tag mit dem Herrn und beendest ihn auch so. Und alles, was zwischendurch stattfindet, stellst du aktiv unter Gottes Führung. Auch im Verlauf des Tages suchst du daher immer wieder die Gelegenheit für kurze Gebete. Du möchtest nicht in eigener Kraft und Weisheit dein Leben führen. Daher betest du gerne zu Ihm.

Hier ein paar Bibelstellen, die uns zeigen, wie ein solcher Lebenswandel konkret aussieht:

Kennzeichen eines Lebenswandels mit Gott

  • Echtes Glaubensvertrauen: Man lebt nicht in eigener Kraft und Selbstvertrauen, sondern indem man Gottes Wort annimmt und auf sich anwendet. „… für die, die in den Fußstapfen des Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham hatte“ (Röm 4,12).
  • Das Bewusstsein der Gnade Gottes, den Blick auf Gott und den Herrn Jesus gerichtet: Man weiß, dass man selbst kraftlos ist und keine Energie hat, dem Herrn Jesus nachzufolgen. Aber Gott schenkt uns in seiner Liebe die Freude und Motivation, mit Ihm zu leben. Wenn wir nicht auf die Welt, sondern auf Ihn sehen, werden wir zu seiner Ehre leben. „Denn dies ist unser Rühmen: das Zeugnis unseres Gewissens, dass wir in Einfalt und Lauterkeit Gottes und nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes gewandelt sind in der Welt“ (2. Kor 1,12).
  • Ein Leben in Übereinstimmung mit dem Licht Gottes: Wir wissen, dass wir als Ungläubige unser Leben ohne Gott und ohne Beziehung zu Gott geführt haben. Aber als Kinder Gottes führen wir ein Leben, das der Heiligkeit und dem Licht Gottes entspricht. Wir leben für Ihn. „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn; wandelt als Kinder des Lichts“ (Eph 5,8).
  • Ein würdiges Leben: Wer mit Gott wandelt, ehrt Ihn und lebt in Übereinstimmung mit Gottes Wesen: Licht und Liebe. An einem solchen Leben erfreut sich Gott. Es ist ein Lebenswandel, der Frucht für Gott hervorbringt und der durch geistlichen Fortschritt in der Erkenntnis der Person des Herrn und seiner Gnade geprägt ist. Da ist Kraft vorhanden, um in schwierigen Lebensumständen auszuharren. Zudem ist eine tiefe Dankbarkeit Gott, dem Vater, gegenüber zu sehen, zu spüren und zu hören. „Um würdig des Herrn zu wandeln zu allem Wohlgefallen, in jedem guten Werk Frucht bringend und wachsend durch die Erkenntnis Gottes, gekräftigt mit aller Kraft nach der Macht seiner Herrlichkeit, zu allem Ausharren und aller Langmut mit Freuden; danksagend dem Vater“ (Kol 1,10-12).
  • Ein „guter“ Lebenswandel: Menschen erkennen, dass das Leben eines Christen wirklich anders und besser ist als ihres. Dann ist es nicht ungewöhnlich, dass sie darauf neidisch und eifersüchtig sind oder sogar einen solchen Christen verleumden. Seine Lebensführung ist nützlich und wertvoll für Gott, aber auch für Menschen. Vor allem ist sie mit dem Herrn Jesus selbst verbunden. „Indem ihr ein gutes Gewissen habt, damit, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, die zuschanden werden, die euren guten Wandel in Christus verleumden“ (1. Pet 3,16).

Licht in moralischer Finsternis

Vielleicht denkst du: „Naja, Henoch hatte es viel leichter als wir! Er lebte am Anfang der Menschheitsgeschichte, als die Welt noch nicht so schlimm war und es einfacher war, seinen Glauben auszuleben!“ Stimmt das wirklich? Sieh dir einmal die Hinweise im Judasbrief an!

Gott benutzte Henoch als Propheten. Dieser musste viermal von seinen Mitmenschen als Gottlosen sprechen bzw. ihre Gottlosigkeit hervorheben. Nicht genug damit. Henoch musste sagen, dass Gott im Begriff stand, das Gericht über die Gottlosen auszuführen. Und wen musste er als Gottlose bezeichnen? „Alle“ (Jud 14.15)! Er war also umgeben von furchtbarer Gottlosigkeit und lauter Gottlosen. Genau in einem solchen Lebensumfeld hat er sich als gottesfürchtig erwiesen. In dieser Dunkelheit strahlte das Licht seines praktischen Glaubenslebens in Gemeinschaft mit Gott umso heller. Darin gleicht er Daniel inmitten des gottlosen Babel (Dan 1).

Diese Vorbilder sind eine gute Motivation auch für heute. Deine Klassenkameraden, Kommilitonen oder Kollegen können dich verleiten, genauso wie sie in Unmoral und in Sünde zu leben. Tu das nicht! Folge nicht ihrem, sondern dem Beispiel Henochs. Du siehst an den biblischen Berichten, wie sehr Gott ihn belohnte. Genau das wünsche ich auch dir! Dafür aber ist es nötig, konsequent und kompromisslos für deinen Herrn zu leben. Es lohnt sich, denn solch ein Leben ist sinnerfüllt und wirklich reich.

Der Name „Henoch“

Der Name „Henoch“ bedeutet übrigens: einweihen, der Geweihte; jemand, der einweiht; den ersten Schritt in einer Sache tun; die Initiative ergreifen1. Und das Leben Henochs zeigte genau das: Er weihte sein Leben Gott von seiner Bekehrung an. Dass Gott ihm dann das Vorrecht gab, als erster Mensch den Weg in den Himmel „einzuweihen“, ohne durch den Tod gehen zu müssen, war ein Gnadengeschenk für ihn und zugleich eine echte Belohnung.

Henoch verwirklichte das, was uns als Ermahnung geschrieben worden ist: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, was euer vernünftiger Dienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist“ (Röm 12,1.2). Er weihte Gott sein Leben und unterschied sich von seinen gottlosen Mitmenschen. Es ging ihm nicht darum, anders als andere Menschen zu sein, sondern er wollte Gott ehren. Das sollte auch uns antreiben!

365 Tage – Jahre

Eine letzte Sache noch: 365 Jahre lebte Henoch. Ein Jahr hat normalerweise 365 Tage. Gott hat diesem Mann für jeden Tag im Jahr ein ganzes Lebensjahr geschenkt. Die ersten 65 lebte er ohne Gott. Sie waren somit nutzlos und verloren. Denk bitte daran, dass nutzlose Tage und Jahre nie wieder aufgeholt werden können. Sie sind ein- für allemal verloren für Gott. Und für dich!

Aber dann gab Gott Henoch noch weitere 300 Lebensjahre (für uns umgerechnet knapp 30 Jahre). Und die nutzte dieser Mann Gottes. Er benutzte sie, um Gott zu ehren und zugleich, um seine Mitmenschen zu warnen (Jud 14.15).

Du weißt nicht, wie viele Tage und Jahre dir Gott noch schenkt. Ich wünsche dir sehr, dass du sie alle nutzt – für Gott und für deine Mitmenschen. Es gibt genug zu tun und ausreichend Möglichkeiten. Es liegt an dir, was du daraus zur Ehre Gottes machst.

Fußnoten

  • 1 Manche übersetzen auch mit: der Eingeweihte, der Belehrte.
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Artikelreihe: Henoch - der Mann Gottes

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