09.12.2019 Versammlung / Gemeinde

Gedankensplitter (7) zum Anfang der Versammlung auf der Erde (Apg 2)

In Apostelgeschichte 2,5-13 liest man nun, dass das gewaltige Ereignis in Jerusalem, dass der Geist Gottes auf die Erde gekommen war, nicht verborgen blieb in dieser Stadt. Lukas sagt uns, dass dort zu dieser Zeit gottesfürchtige Männer aus jeder Nation unter dem Himmel lebten. So verbreitete sich die Kunde, dass hier Menschen in den verschiedenen Sprachen redeten, und viele kamen zu den Aposteln und Jüngern, um sich anzuschauen, was dort passierte.

 

Die erste christliche Predigt

Das nimmt der Apostel Petrus zum Anlass, seine erste christliche Predigt zu halten. Diese lesen wir in den Versen Apostelgeschichte 2,14-36. Da die Predigt sich an die dort versammelten Juden richtete, ist sie für das Thema, das uns beschäftigt, nicht zentral. Daher gebe ich in dieser Folge nur die wesentlichen Inhalte dieser Rede wider.

Die Rede umfasst drei Abschnitte:

  1. Apostelgeschichte 2,14-21
  2. Apostelgeschichte 2,22-28
  3. Apostelgeschichte 2,29-36

 

Erster Teil: die Ausgießung des Geistes Gottes

Jeder Teil enthält ein wichtiges Zitat aus dem Alten Testament. Im ersten zeigt Petrus, dass die Ausgießung des Heiligen Geistes, die soeben die christliche Zeit beginnen ließ, im Alten Testament durch Joel vorhergesagt worden war (Joel 3,1-5). Nicht, dass sich Joel auf die christliche Zeit bezog. Aber er sollte unter der Inspiration Gottes die künftige Ausgießung des Heiligen Geistes über das Volk Israel so allgemein formulieren („auf alles Fleisch“), dass sie auch auf das Kommen des Geistes Gottes fünfzig Tage nach dem Tod Christi angewendet werden konnte.

Mit diesem Thema sind die Verse in Apostelgeschichte 2,14-21 gefüllt. Das, was soeben geschehen war, stand nicht im Widerspruch zum Alten Testament. Im Gegenteil! Es handelte sich um Vorgänge, die ausdrücklich in Übereinstimmung mit alttestamentlichen Vorhersagen waren.

 

Das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu

Im zweiten Teil der Rede spricht der Apostel vom Leben des Herrn Jesus als Messias auf der Erde. „Jesus, den Nazaräer, einen Mann, von Gott vor euch bestätigt durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte tat, wie ihr selbst wisst – diesen, hingegeben nach dem bestimmten Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen an das Kreuz geschlagen und umgebracht“ (Apg 2,22.23). Mit anderen Worten: Der demütige Mensch Jesus hat durch sein Leben gezeigt, dass Er von Gott gekommen ist, dass Er selbst Gott ist.

Aber anstatt dass das Volk seinen Messias annahm, ermordete es Ihn. Gott dagegen nahm gerade diese Verwerfung zum Anlass, seinen ewigen Ratschluss auszuführen und die Grundlage für die Erlösung von Menschen zulegen.

Er ist gestorben! Das war allen Juden in Jerusalem bekannt. Aber Er ist aus den Toten auferstanden und nicht im Tod geblieben. Das sahen nur solche, die an Ihn glaubten. Aber diese Auferstehung stand nicht im Widerspruch zu Gottes Wort. Denn davon hatte David längst in Psalm 16 geweissagt. Der Herr würde keine Verwesung sehen. Das ist einmalig und damit einzigartig. Denn normalerweise beginnt die Verwesung mit dem Eintritt des Todes. Nicht so bei unserem Herrn. Und Er ist am dritten Tag aus den Toten auferstanden.

 

Jesus wird von Gott verherrlicht

Im dritten Teil seiner Rede zeigt Petrus nun, dass Christus nicht nur aus den Toten auferweckt worden ist, sondern von Gott im Himmel einen Platz und eine Ehre zugesprochen bekommen hat, die Ihm die Menschen verweigert hatten. Auch diese Verherrlichung ist längst im Alten Testament vorhergesagt worden. David hatte davon in Psalm 110 im Blick auf Christus gesprochen.

Im Himmel nun übt der auferstandene Jesus als Christus und Herr Funktionen aus, die Ihn mit den Menschen verbinden. Ja, angesichts dieser Erhöhung stellt sich nun die Frage, wie die Juden nach Kreuzigung, Auferweckung und Himmelfahrt mit dem umgehen, den sie selbst verurteilt und zur Kreuzigung bestimmt hatten.

Er war Christus und Herr. Aber als Mensch, der bereit war, am Kreuz zu sterben, gab Er diese Herrlichkeiten auf. Denn ein Gestorbener besitzt keine Rechte und Herrlichkeiten mehr. Aber Gott hat Ihn als Auferstandener zum Christus (Messias) für sein Volk und zum Herrn für den Einzelnen gemacht und hat Ihm diese Rechte in Auferstehung wiedergegeben.

Zugleich aber sind dies nun Titel, die weit über das hinausgehen, was Er früher besessen hatte. Er ist als Christus über alles gesetzt und der Versammlung gegeben, Er ist ihr Haupt. Und als Herr ist Er als Auferstandener über die gesamte sichtbare und unsichtbare Schöpfung gesetzt worden, Herr über alles.

Auch wenn Er für uns nicht König ist, sondern Herr, stimmen wir gewissermaßen mit den Söhnen Korahs und dem künftigen Überrest ein: „Und der König wird deine Schönheit begehren, denn er ist dein Herr: So huldige ihm!“ (Ps 45,12).

 

Zusammenfassung

Ich fasse noch einmal zusammen. Das Besondere und Christliche an dieser Predigt ist:

  • Der Geist Gottes kam auf diese Erde. Das wurde sichtbar und hörbar durch die Sprachengabe.
  • Er ist nicht beschränkt auf eine Nation, sondern bewohnt nun jedem Menschen, der den Herrn Jesus als Retter angenommen hat. Es geht nicht mehr um Israel, sondern um eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus.
  • Das Alte Testament hat diese Weite längst im Blick, da der Autor Gott selbst ist, der auch im Alten Testament schon über sein Handeln mit Israel hinausgesehen hat.
  • Unser Retter ist sowohl vollkommener Mensch als auch der ewige Sohn Gottes, beides zugleich. Er tat während seines Lebens auf der Erde viele Wunder.
  • Der Herr Jesus ist gestorben, Er ist auferweckt und verherrlicht worden. Auch das war im Alten Testament vorhergesagt worden.
  • Im Himmel ist Er jetzt über alles erhöht und Christus – für Israel als Messias und für die Versammlung als Haupt – sowie Herr, der über alles und alle gestellt ist.
  • Den, den die Menschen verworfen haben, hat Gott in jeder Hinsicht geehrt.

Wir haben schon gesehen, dass die äußerlichen Wunder eine kurzzeitige Bestätigung des Werkes Gottes am Anfang waren, aber nach Hebräer 2,3.4 und 6,5 sehr schnell wieder aufgehört haben. Wir erwarten heute keine äußerlichen Wunder, sondern Gottes Wirken im Innern der Menschen. Die Gläubigen vollbringen keine äußerlichen Wunder, sondern sollen durch den Geist Gottes geprägt das Wort Gottes verkündigen und den Herrn Jesus als Retter und Herrn predigen. In diesem Sinn erwarten wir aktuell nichts Wunderbares.