Gedankensplitter (23) zum Anfang der Versammlung auf der Erde (Apg 4)

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Wir haben gelernt, dass wir nicht nur in unseren persönlichen Gebeten, sondern auch dann, wenn wir „als Versammlung“ (Gemeinde) versammelt sind, konkret beten sollen. Die Christen erlebten Widerstand in viel größerem Maß als wir. Dennoch beteten sie nicht um Erleichterung. Ihr Gebet war, dass sie das Wort Gottes weiter und in Kraft predigen könnten. Ob das auch für uns wichtiger ist, als leichtere Umstände zu erleben?

Apostelgeschichte 4,30

Damit war ihr Gebet aber noch immer nicht zu Ende. Sie hatten das Wohl der Menschen auf dem Herzen, die um sie herum lebten. So beteten sie weiter:  

Und nun, Herr, sieh an ihre Drohungen und gib deinen Knechten, dein Wort zu reden mit aller Freimütigkeit, indem du deine Hand ausstreckst zur Heilung und dass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus“ (Apg 4,29.30).

Grundsätzliche Aspekte des Gebets einer örtlichen Versammlung (4)

Diese ersten Christen waren sich des Widerstands vonseiten der religiösen und politischen Welt bewusst. Ihr Wunsch und Gebet war, auch inmitten dieser feindseligen Stimmung Gottes Wort mit Freimütigkeit zu verkündigen. Sie waren sich aber im Klaren, dass sie das nicht in eigener Kraft tun konnten. Sie hatten weiter die Hilfe des Herrn  nötig.

Daher formulieren sie nun noch die folgenden Bitten:

  1. Begleitende Hilfe: Heilung

So wichtig den Aposteln war, das Wort Gottes und nur das Wort zu predigen, wussten sie doch um die Vorbehalte derer, denen sie das Evangelium verkündigten. Daher folgt nun eine Bitte um begleitende Hilfe von oben. Sie waren nicht daran interessiert, dass der Herr in Zucht und Gericht eingriff. Natürlich befanden sie sich laufend in Gefahr, ins Gefängnis gesteckt zu werden. Das aber veranlasste sie nicht, um Rache oder um Schutz zu bitten. Vielmehr wünschten sie Heilungen von Kranken durch den Herrn. So sollte Gott deutlich machen, dass Er ein Gott voller Güte und Barmherzigkeit ist. Darin glichen sie ihrem Meister. Am Kreuz noch bat Er den Vater darum, dass dieser den sündigenden Juden vergeben möge (Lk 23,34). Zuvor schon hatte Er den Knecht des Hohenpriesters geheilt, dem Petrus das Ohr abgeschlagen hatte (Lk 22,50.51). Heilung verbindet und kann Herzen öffnen, die Gute Botschaft anzunehmen.

Wir brauchen heute nicht um äußere Wunder zu bitten. Sie gehören nicht zu unserer Zeit (Heb 6,5). Aber es ist wertvoll, dass der Herr in einer Situation, in der wir sein Wort weitergeben, durch günstige Umstände die Bereitschaft der Zuhörer erhöht, diese Botschaft anzunehmen. Der Herr ist jemand, der Verlorene retten möchte (Mt 18,11). Hatte Er im Dienst der Apostel nicht genau diese Heilung geschenkt, als Petrus und Johannes zum Tempel kamen (Apg 3,6.12; 4,9)?.

  1. Begleitende Hilfe: Zeichen und Wunder

Die ersten Christen baten den Herrn auch darum, dass Zeichen und Wunder geschehen mögen. Das sind, wie eben bemerkt, eigentlich Merkmale des künftigen Königreichs in Macht und Herrlichkeit. Aber Gott schenkte so etwas in der ersten christlichen Zeit. Für die Juden war es schwierig, ein von Gott selbst gegebenes System – den jüdischen Gottesdienst – hinter sich zu lassen. Das war den Aposteln bewusst, hatten sie doch ebenfalls viel Mühe, dies während des Dienstes Jesu und sogar noch in der frühen christlichen Zeit zu erfassen (vgl. Apg 21,18.21).

Was lernen wir daraus: Wir beten heute nicht um solche Zeichen und Wunder, weil sie schon sehr schnell der Vergangenheit angehörten (Heb 2,3.4). Aber auch für uns ist klar, dass es in der heutigen Zeit Hindernisse gibt für die Zuhörer des Evangeliums, dieses Wort anzunehmen. Da sind die sogenannt christlichen Kirchen, die Gottes Botschaft verfälschen und durch das kirchliche Leben dazu beitragen, dass Ungläubige nicht an die das Evangelium glauben wollen.

Manche Menschen können nicht verstehen, dass Gott bestimmte Ereignisse in ihrem Leben zulässt. Da ist es unser Gebet um „begleitende Hilfe“, dass der Herr solche Barrieren aus dem Weg räumt. Wir bitten Gott,  ein Umfeld für kritische Zuhörer der Botschaft zu schaffen, dass es ihnen leichter fällt, Buße zu tun und Christus als Retter anzunehmen.

  1. Der Urheber: Gottes heiliger Knecht Jesus!

Den Aposteln ging es nie um Wunder an sich. Diese Zeichen waren nur Mittel zum Zweck. Ihnen  war besonders wichtig, den Namen des Herrn Jesus Christus groß zu machen. Heute besteht die Gefahr, das zu sagen, in Wirklichkeit aber sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken. Das war bei den Gläubigen damals nicht der Fall. Es ging ihnen vielmehr um die Person (den Namen) des Herrn. Sie bezeichnen Ihn hier ein zweites Mal als „heiligen Knecht“ (vgl. V. 27). Damit betonen sie, dass Er derjenige ist, von dem Jesaja schon gezeugt hatte (Jes 42,1; 49,6; 52,13; 53,11): der Messias.

Genau das war ein Anstoß für die Juden, die diesen Diener Jahwes ermordet hatten und nach wie vor ablehnten! Aber Heilung und Errettung gab es nur durch Ihn (Apg 4,12). Und gerade Er sollte im Dienst der Apostel verherrlicht werden.

Für uns stellt sich die Frage, ob auch wir wirklich den Wunsch haben, dass alles durch Ihn und für Ihn geschieht. Nur das ehrt Gott. Er möchte, dass alle Ehre auf seinen Sohn fällt, der sich so erniedrigt hat.

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