14.11.2003Versammlung / Gemeinde

Die Versammlung Gottes (18) – Versammlung an einem Ort – wie geht das eigentlich?

Die ganze Versammlung

Wäre die Versammlung treu geblieben, wäre alles so einfach. „Wenn ihr nun an einem Ort zusammenkommt“ (z.B. 1. Korinther 11,20; vgl. 1. Korinther 14,23.26), konnte der Apostel Paulus den Korinthern schreiben. Es war klar, dass alle Geschwister dort an einem Ort zusammenkamen. Es waren zwar schon Spaltungen entstanden. Aber diese waren noch nicht so weit gegangen, dass man sich getrennt hatte. Alle Gläubigen in Korinth versammelten sich an einem Ort. Das heißt nicht, dass sie nicht in verschiedenen Häusern zusammenkamen, wie es seinerzeit üblich war (vgl. z.B. 1. Kor 16,19). Aber jeder Christ am Ort konnte in eines der Häuser gehen, wo man sich versammelte. Zusätzlich hat man den Eindruck, dass Stellen wie 1. Korinther 11,20 nahe legen, dass bestimmte Zusammenkünfte von allen gemeinsam an einem Ort besucht wurden.

Nun leben wir heute in einer vollkommen anderen Zeit. Es gibt nicht nur Spaltungen inmitten der Versammlung (Gemeinde, Kirche). Leider gibt es Parteiungen, Sekten, Gruppierungen usw. Man könnte in Darmstadt beispielsweise nicht sagen, dass die ganze Versammlung an einem Ort zusammenkommt. Manche Christen besuchen gar keine Zusammenkünfte von Gläubigen, die anderen sind auf eine Vielzahl an unterschiedlichen Versammlungen, Gemeinden und Kirchen verteilt.

Zusammenkommen als Versammlung

Damit wird der göttliche Gedanke nicht zerstört, dass es die Versammlung in Darmstadt gibt. Es gibt sie! „Ihr aber seid Christi Leib, und Glieder im Einzelnen“ (1. Korinther 12,27). Das ist auch in Darmstadt heute noch wahr. Die Frage aber ist: An welchen „Ort“ (geographisch und geistlich gesprochen) würde Gott durch seinen Apostel Paulus heute den Brief schicken? Das ist eine Frage, die wir nicht beantworten müssen - sie stellt sich einfach nicht. Wir können sie auch nicht beantworten, weil Gott sie uns nicht beantwortet.

Es gibt aber noch einen auffallenden Ausdruck in der Bibel. Paulus spricht in 1. Korinther 11,18 davon, dass die Korinther „als [wörtlich: in] Versammlung“ zusammenkamen. Damit ist nicht gemeint, dass alle Geschwister versammelt waren - auch wenn das historisch der Fall war. Dieser Ausdruck bezieht sich jedoch darauf, dass man in dem Charakter der Versammlung zusammenkam - eben nicht einfach zu einer Unterhaltung oder zu einem Kaffeetrinken oder sonst etwas. Nein, diese Zusammenkunft trug den Charakter der örtlichen Versammlung.

Die biblischen Anordnungen ernst nehmen

Und diesen Charakter gibt es bis heute. Wenn man auch nicht mehr alle Geschwister an einem Ort versammeln mag - wir werden dazu auch gar nicht aufgefordert, denn es wäre unmöglich, sie alle zu finden, denn nur der Herr kennt diejenigen, die sein sind - so kann man dennoch den Charakter der Versammlung aufrechterhalten. Das bedeutet schlicht, dass man die biblischen Anordnungen über die Versammlung und das Zusammenkommen ernst nimmt und ihnen gehorcht. Wer dazu bereit ist - und auch bereit ist, sich korrigieren zu lassen, wenn man erkennen muss, dass das Neue Testament zu bestimmten Fragen eine andere Verhaltensweise nennt, als man sie praktiziert - kommt als Versammlung zusammen.

Natürlich ist klar, dass man nicht „alleine“ zusammenkommen kann. Es bedarf mindestens der Anzahl von zwei oder drei Personen - sie können zusammenkommen. Sicher ist es ratsam, dass es nicht gerade ausschließlich ein Ehepaar ist - weil hier familiäre Bande die geistlichen Beziehungen und Verantwortlichkeiten leicht überlagern können. Jedenfalls sollte das nur ein vorübergehender Zustand sein. Aber mit diesem praktischen Fragen können wir uns in einer anderen Folge noch näher beschäftigen.

An dieser Stelle mag es reichen, darauf hinzuweisen, dass wir „als“ Versammlung auch heute noch zusammenkommen können. Denn die Gedanken über das Zusammenkommen der Gläubigen haben sich nicht geändert - auch in Zeiten des moralischen und lehrmäßigen Verfalls nicht. An uns ist es, diese biblischen Grundsätze in dem Neuen Testament zu suchen und zu verwirklichen - immer mit dem Bewusstsein, das Verhalten durch die Schrift korrigieren zu lassen.

Grundsätze und Praxis gehören zusammen - untrennbar

Grundsätze und Praxis sind nicht das gleiche - bestimmt nicht. Aber man kann diese beiden Dinge nicht voneinander trennen. Die einen mögen sagen, es komme nur auf die Liebe der Geschwister untereinander an - und sie ist von herausragender Bedeutung, wie wir in der nächsten Folge sehen werden - nicht aber auf die biblischen Grundsätze, die es zu verwirklichen gilt. Aber dann verwirklichen sie etwas in geschwisterlicher Liebe, was nicht den Gedanken Gottes entspricht. De facto sind sie dann gar nicht „als Versammlung“ versammelt.

Andere mögen sagen, die biblischen Grundsätze seien das Entscheidende, die schwache und fehlerhafte Verwirklichung in der Praxis sei zwar zu bedauern, aber leider nicht zu ändern. Jemand, der so etwas sagt, vergisst, dass Grundsätze nur dann Wirklichkeit sind, wenn sie auch in der rechten Weise verwirklicht werden. Die Geschwister in Ephesus (Offenbarung 2,1 ff) haben alle Grundsätze des Wortes Gottes gekannt und eingehalten. Aber in ihrer PRAXIS fehlte das Entscheidende - die erste Liebe. Und damit fehlte ihnen alles - der Leuchter wurde weggeräumt.

Besonnenheit und Ausgewogenheit

Das zeigt, wie wichtig es ist, auch in diesen Fragen besonnen und ausgewogen zu sein. Man kann nicht das eine auf Kosten des anderen tun (wollen). Wir brauchen lebendige Grundsätze und lebendige Praxis. Sie ergänzen sicht nicht, sie bedingen einander. Ohne biblische Grundsätze gibt es keine biblische Praxis. Ohne biblische Praxis werden die biblischen Grundsätze ausgehöhlt und reine Etikette. Das wollen wir bedenken, wenn es um das Verwirklichen biblischer Anordnungen für die örtliche Versammlung geht.