Besonderheiten im Leben Jesu (16) - ein Freund

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Jesus - einsam und unverstanden

Der Herr Jesus musste ein einsames Leben auf dieser Erde führen. Gerade Johannes, der hier von ei-nem Freund spricht, eröffnet das Evangelium damit: „Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn nicht. Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an“ (Joh 1,10.11). Später sollte Jesus zu seinen Jüngern sagen: „Siehe, die Stunde kommt und ist gekommen, dass ihr zerstreut werdet, jeder in das Seine, und mich allein lasst; und ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir“ (Joh 16,32). Immer wieder liest man, dass keiner der Jünger den leidenden Herrn wirklich verstand.

Aber die prophetischen Worte Davids blieben wahr: „Auf dem Weg wird er trinken aus dem Bach“ (Ps 110,7). Es gab zwei „Häuser“, in denen sich der Herr wohl fühlte - selbst hier auf der Erde. Das war zum einen die Schar seiner Jünger. Wenn Er mit ihnen sprach, dann fühlte Er sich unter Freunden: „Ich sage aber euch, meinen Freunden“ (Lk 12,4), so konnte Er sie ansprechen. Und an anderer Stelle sagt der Herr Jesus: „Euch aber habe ich Freunde genannt“ (Joh 15,15). Und doch war unter den Jüngern einer ein Teufel (Joh 6,70) - Judas Iskariot, der Ihn überliefern würde. So war auch diese Freundschaft sehr beeinträchtigt durch die Gegenwart dieses Widersachers.

Das Haus von Freunden

Aber da gab es noch dieses Haus in Bethanien. Es gab vermutlich keinen Ort, wo Jesus so herzlich aufgenommen wurde wie an diesem. Hier schlugen Ihm die Herzen von drei Geschwistern entgegen, die für Ihn mehr als nur Bekannte waren. Die eine - Martha - diente Ihm mit allem, was sie an Kräften und an Hingabe besaß. Die andere - Maria - verstand den Herrn besser als jeder andere Mensch auf dieser Erde. Wenn es jemand verdient gehabt hätte, Freund von unserem Herrn genannt zu werden, dann diese Frau, die Ihn als Einzige zu seinem Begräbnis gesalbt hatte - im voraus, da sie ein Empfin-den hatte, wohin der Weg des leidenden, himmlischen Dieners gehen würde (Mk 14,8). Aber damit niemand auf falsche Gedanken kommt, benutzt der Herr Jesus diese Anrede „Freundin“ nicht.

Aber bei Lazarus benutzt der Herr direkt den Ausdruck „unser Freund“, obwohl Er auch hier nicht „meinem Freund“ spricht. Er macht sich eins mit den zwölf Jüngern. Und doch spüren wir, dass Ihn mit diesem Mann - Lazarus - eine herzliche, innere Beziehung verband. Lazarus war ein Mann, dessen Seele mit der des Herrn verbunden war, wie wir es im Alten Testament von Jonathan und David lesen.

3 Freunde

Wir wissen nicht, wie diese Herzensverbindung entstanden ist. In Lukas 10,38 ff. lesen wir, dass es Martha war, die den Herrn in ihr Haus aufnahm. Ob Lazarus hier das erste Mal mit der Person Jesu in Berührung kam? Hier hatte Lazarus die Worte und Werke Jesu gehört und gesehen. Und hier war eine freundschaftliche Beziehung entstanden. So konnten Maria und Martha zu dem Herrn Jesus sagen: „Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank“ (Joh 11,3). Und diese Liebe meint eine Zuneigung auf-grund freundschaftlicher Beziehungen.

Wie muss es das Herz unseres leidenden Herrn erfreut haben, dass hier ein Mann war, den Er zwar vermutlich nur selten gesehen hatte, der Ihm aber in tiefer, innerer Freundschaft verbunden war. Hier konnte der Herr in den letzten Tagen vor seinem Tod noch einmal eine gewisse Ruhe finden. Durch Herzen, die Ihm derart zugetan waren, wurde Er ermuntert. Unser Herr war vollkommen Mensch. Aber Er wusste, dass das Kreuz am Ende seines Lebens stehen würde. So lesen wir, dass seine Seele er-schüttert war im Gedanken an diesen Zielpunkt. Wie hat Ihm da diese Freundschaft mit Lazarus, die Ihm sein Vater schenkte, wohl getan. Eine Ermunterung frischen Wassers aus dem Bach Gottes!

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