14.02.2003 Jesus Christus / Gott | Lukas

Besonderheiten im Leben Jesu (04) - Worte der Gnade

Nachdem der Herr Jesus im Anschluss an die Taufe durch Johannes– gewissermaßen öffentlich –als der von Gott anerkannte und rechtmäßige Sohn hier auf der Erde bezeugt wurde, führte Ihn der Heilige Geist in die erste große Prüfung seines Dienstes in die Wüste. Hier wurde Christus sowohl durch schlechte äußere Bedingungen als auch durch den Teufel versucht – aber Er ging siegreich aus allem hervor.

Jesus liest aus dem Propheten Jesaja...

Das erste, was uns danach im Lukasevangelium berichtet wird, sind seine Besuche in Synagogen. In Nazareth liest Er aus dem Propheten Jesaja vor. Und dieser Prophet spricht an vielen Stellen in einmaliger Weise von dem Retter für Israel. So auch in Kapitel 61, wo das Siegel und die Salbung des Herrn durch den Geist Gottes betont wird. Diese Salbung hat das Ziel, dem Volk Rettung und Befreiung zu predigen.

Hatte das Volk das verdient? Lebten sie nicht in vollkommenem Unglauben? Haben sie nicht ihren Retter von Anfang an abgelehnt? Doch! Um so erstaunlicher ist es, dass Jesus ihnen nur dieses Wort der Errettung ankündigt, nicht aber die Gerichte über das Volk oder die Rache an ihren Feinden, die sofort im Anschluss an die von Ihm gelesenen Verse in Jesaja und an manchen anderen Stellen des Propheten zu finden sind. Denn wenn Christus als der Gesalbte eingeführt wird, ist nur von Gnade und Segen für Israel die Rede.

... nur von der Gnade Gottes

Hier ist es Gnade in seiner herrlichen Person, voll von Heiligem Geist, um die Gnade Gottes, der treu zu seinen Verheißungen steht, auszudrücken, um die Müden und Geknickten aufzurichten. Hier war Segen, der sich vor ihren Augen offenbarte. In reiner und absoluter Gnade stellt sich der Heiland seinem Volk vor.

Er war nicht gekommen, um zu verdammen, sondern um zu retten. Und alle seine Worte sollten die Menschen an das Herz Gottes, des Vaters, führen, „von dem jede Familie in den Himmeln und auf der Erde benannt wird“ (Eph 3,14). Er ist das wahrhaftige Licht, das jede Ungerechtigkeit verurteilt, aber Er kam, getrieben durch Liebe, und bracht göttliche Gnade zu den Menschen, durch Wort und Tat.

Nur einer kann von solcher Gnade zeugen

Wie oft mag in dieser Synagoge das Gesetz vorgelesen worden sein? Nie jedoch hatten die Zuhörer vorher erleben dürfen, dass ihnen in einer solchen, göttlichen Güte begegnet wurde. Und das war nur möglich, weil Gott selbst unter ihnen war. Und über die Lippen des Herrn war in Wahrheit Holdseligkeit ausgegossen worden (Psalm 45,2).

Nur Gott kann in solch unumschränkter Gnade kommen und den Sündern Gnade anbieten. Sie staunen angesichts dieser Worte der Gnade, aber sofort fragen sie sich, wie dieser Sohn des Joseph solche Worte aussprechen kann.

Für den Ungläubigen ist die Gnade unaustehlich

Es gibt für den natürlichen Menschen kaum einen größeren Angriff, als wenn ihm in Gnade begegnet wird. Es ist wahr – auch als der Herr Jesus später seinen Feinden oder auch ungläubigen Menschen gegenüber deutliche und scharfe Worte sagte – waren auch dies Worte der Gnade. Aber gerade zu Beginn seiner öffentlichen Laufbahn äußerte Er sich in einer besonderen und einmaligen Weise in Güte.

Gnade geht auf die niedrigste Stufe, zu den geringsten Bedürfnissen hinab. Aber der Mensch verachtet die Gnade, weil sie in Demut kommt. Er kann nicht anders als Gott zu sehen, aber kann diese Demütigung nicht ertragen und zeigt den Hass seines Herzens. Gottes Gnade wird verachtet, seine Souveränität wird gehasst. Gott verachtete Nazareth nicht, aber der Mensch verachtet Jesus, weil Er aus Nazareth kam. So ist es nicht von ungefähr, dass dieses einmalige Bezeugen seiner Worte der Gnade gerade an dem Ort zum Ausdruck kam, wo selbst ein treuer Jude wie Nathanael nichts Gutes erwartete.

Ob auch wir uns immer bewusst sind, welche Worte der Gnade aus dem Mund unseres Retters und Herrn hervorkommen?