Der Prophet Hosea (6) - Israels Untreue und die Segnungen im Tausendjährigen Reich (Hos 2)

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Inhaltsübersicht

I:      Zukünftige Sammlung Israels und die Berufung der Nationen

II:     Israels Untreue

III:    Eine neue Beziehung führt zu neuem Segen

I: Zukünftige Sammlung Israels und die Berufung der Nationen (V. 1-2)

Gottes Verheißung an Israel (V. 1)

Im ersten Kapitel kündigte Hosea dem Volk Gericht an, das sie aufgrund von Untreue und mangelnder Bereitschaft an Buße treffen würde. Zu Beginn des zweiten Kapitels nimmt Hosea dann nahezu unvermittelt eine andere Linie auf, in der er nicht mehr von Gericht spricht, sondern von Gnade, die Israel verheißen und die der zukünftige Überrest für sich in Anspruch nehmen wird. Auf Grundlage dieser Gnade wird das Volk Wiederherstellung finden und in den Segen des Tausendjährigen Reiches eingeführt werden.

Der Garant für das künftige Handeln Gottes in Gnade ist die Verheißung, die Gott Abraham machte und die Hosea hier anführt (1. Mo 22,17): „Doch die Zahl der Kinder Israel wird sein wie der Sand des Meeres, der nicht gemessen und nicht gezählt werden kann“ (Hos 2,1). Diese Verheißung empfing Abraham nach der Opferung seines Sohnes Isaaks, die ein Vorbild auf das Werk von Golgatha ist, bei dem Christus geopfert wurde1. Auf der Grundlage seines Opfers kann Gott dem Volk in Gnade begegnen, sie wiederherstellen und alle seine Verheißungen an ihnen erfüllen2.

Die Berufung der Nationen (V. 1)

Nachdem Hosea die künftige Gnade und Wiederherstellung Israels vorgestellt hat, spricht er nun von der Berufung der Nationen: „Und es wird geschehen, an dem Ort, wo zu ihnen gesagt wurde: „Ihr seid nicht mein Volk!“ wird zu ihnen gesagt werden: „Kinder des lebendigen Gottes“. Gott ist in seiner Souveränität frei, sich nach dem Scheitern Israels den Nationen zuzuwenden und sie in Beziehung zu Ihm zu bringen.

Ohne das Neue Testament wüssten wir jedoch nicht, dass der Geist Gottes hier von den Nationen spricht. Das erfahren wir erst durch den Römerbrief, in dem Paulus diesen Vers auf die Nationen anwendet (Röm 9,24-26). Auffallend ist, dass in Bezug auf die Nationen von „Kindern“ bzw. „Söhnen“ gesprochen wird und nicht wie im Fall Israel von einem „Volk“. Das macht deutlich, dass die Gläubigen aus den Nationen nicht einfach an die Stelle Israels gesetzt werden, sondern in eine ganz neue Stellung zu Gott gebracht sind, in der sie „Söhne“ des lebendigen Gottes sind und Ihn als „Vater“ kennen. Zwar gebraucht Gott in Bezug auf Israel auch Ausdrücke wie „Sohn“, „Kind“ oder „Erstgeborener“. Doch sie stehen in Verbindung mit Israel als Volk, als Nation, und sind nicht individuell zu verstehen. Die Sohnschaft heute dagegen ist eine persönliche Segnung der Gläubigen der Gnadenzeit, die jedem individuell gilt und nicht auf Israel als Volk zu übertragen ist3.

Neben Paulus führt auch Petrus die Stelle aus Hosea 2,1 an, dessen Brief sich an Juden richtet, die zum Glauben gekommen und Christen geworden sind (1. Pet 2,10). Unter der Leitung des Geistes Gottes verbindet er die Stelle aus Hosea 2,1 – anders als Paulus – mit einem weiteren Zitat aus Hosea 2,25, das ausschließlich auf Juden, auf Israel, Bezug nimmt. Ein Ausleger schreibt dazu: „Damit zeigt Petrus diesen aus dem Judentum hervorgegangenen Christen, dass das, was ihrem Volk für die Zukunft verheißen war, ihnen schon jetzt zum Besitztum gegeben war; er zeigt ihnen, dass sie das Recht haben, sich Volk Gottes zu nennen, dass sie zu Gott in Beziehung stehen, die sich auf seine freie Gnade gründet.“4

Die Wiedervereinigung Israels (V. 2)

Nachdem Hosea von den Segnungen der Nationen gesprochen hat, kommt er auf die Zukunft Israels zurück, auf die Wiedervereinigung von ganz Israel.

Unter Rehabeam und Jerobeam war es im Jahr 931 v. Chr. zu einer Reichsteilung gekommen, unter der die 12 Stämme in das Nordreich (Zehn Stämme) und Südreich (Juda und Benjamin) zerfielen. Von dem Augenblick an war Israel getrennt. Durch Hosea erfahren wir jedoch, dass Israel in Zukunft wieder ein Volk sein wird, das sich „miteinander versammelt“. Gemeinsam werden sie sich ein Haupt setzen. Dieses Haupt wird Christus sein, ihr Messias, der über sie herrschen wird.

In dieser Zeit werden sie „aus dem Land heraufziehen“. Es scheint, dass künftig alle wieder als ein Volk zu ihren Festfeiern hinaufziehen werden.5

Der große Tag von Jisreel (V. 2)

Die Bedeutung Jisreels lautet: „Gott sät“. Jisreel war der Ort des Blutvergießens (Hos 1,5), an dem Jehu seine Gewalttaten vollbrachte, als er über den eigentlichen Auftrag Gottes hinausgegangen war und Ahasja tötete, sowie 42 seiner Brüder. Deshalb musste Gott Gericht „sähen“, dessen Ernte das Ende des Hauses Jehus und letztlich auch das Ende des Hauses Israels bedeutete (vgl. Hos 1,4).

In der Zukunft wird Gott wieder „sähen“. Dann wird die Saat jedoch nicht mehr im Gericht aufgehen, sondern im Segen. Er wird ein geeintes Volk ernten, die Frucht seines Werkes, das sich unter Ihm als Haupt versammeln wird. Dann wird tatsächlich gesagt werden können: „Groß ist der Tag von Jisreel“.

Fußnoten

  • 1 Abraham war bereit, seinen Sohn herzugeben, weil er glaubte, dass Gott Isaak auferwecken und ihm zurückgeben würde. Demzufolge beurteilte Gott den Glauben Abrahams so, als wenn er seinen Sohn Isaak tatsächlich geopfert und ihn durch Auferweckung wieder zurückbekommen hätte.
  • 2 In der Christenheit gibt es eine Lehre, die „Bündnistheologie“ heißt. Darin wird gelehrt, dass sich die Verheißungen Gottes in Bezug auf Israel schon heute an der Versammlung (Gemeinde) Gottes, erfüllten. Diese Lehre richtet sich jedoch gegen die Belehrung des Wortes Gottes. Sie unterscheidet nicht zwischen dem, was Gott an besonderen Segnungen für Israel und an besonderer Gnade der Versammlung Gottes geschenkt hat. Zudem stellt diese falsche Lehre Gottes Treue in Bezug auf Israel in Frage.
  • 3 Die Wahrheit der Sohnschaft wird erst im Neuen Testament entfaltet und betrifft die Gläubigen der Gnadenzeit. Sie geht über die offenbarte Wahrheit des Alten Testaments hinaus.
  • 4 Rossier, H.: „Betrachtung über das Buch des Propheten Hosea“
  • 5 John N. Darby bemerkt: „Man hat gemeint, dies weise auf die Rückkehr des Volkes aus einem fremden Land hin; aber wir mir scheint, soll mehr dadurch ausgedrückt werden, dass alle als ein Volk zu ihren Festfeiern hinaufziehen werden“ (Synopsis - Jesaja bis Maleachi).
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