22.10.2008Versammlung / Gemeinde

Zucht in der Versammlung (Gemeinde) 1

Immer wieder werden wir mit Fragen konfrontiert, welche die Zucht in der Versammlung (Gemeinde) betreffen. Dieses Thema ist nicht angenehm. Am liebsten würde man sich nicht weiter damit beschäftigen. Aber leider ist es notwendig, weil immer wieder Sünde in örtlichen Versammlungen vorkommt. Daher wollen wir in den nächsten Tagen versuchen, eine Reihe von Fragen, die uns zu diesem Themenkomplex gestellt worden sind, anhand des Wortes Gottes zu beantworten:

  1. Zucht in der Versammlung (Gemeinde) – worum geht es?
  2. Ausschluss – was bedeutet der Ausschluss? Was heißt das praktisch?
  3. Wer muss ausgeschlossen werden? Wann muss ausgeschlossen werden?
  4. Wann kann ein Ausgeschlossener wieder zugelassen werden?
  5. Was ist, wenn jemand ausgeschlossen war, dann Buße tut über den Zustand und die dem Zustand zugrunde liegende(n) Tat(en), nicht aber das Zusammenkommen wieder besuchen möchte, an dem er früher teilnahm?
  6. Was muss die örtliche Versammlung tun, wenn jemand sich zurückgezogen hat aus der Gemeinschaft und erst danach in Sünde gefallen ist?
  7. Was ist zu tun, wenn eine solche Person wieder zurückkommt oder zurückkommen will?
  8. Wie kann eine solche Person wieder zugelassen werden?

1. Worum geht es, wenn man von Zucht in der Versammlung (Gemeinde) spricht?

Das Wort „Zucht“ kommt von ziehen, erziehen. Im allgemeinen Sprachgebrauch vieler Gläubiger verbindet es sich mit dem sogenannten „Ausschluss“ aus der Gemeinschaft der örtlichen und damit überörtlichen Versammlung (Gemeinde). In der Bibel kommt er gerade in dieser Verbindung gar nicht vor.

Im Neuen Testament lesen wir von der Zucht der Väter im Blick auf ihre Kinder (Heb 12,9). Dann ist die Rede von der Zucht, die Gott als Vater mit uns ausübt, die wir seine geistlichen Kinder geworden sind (vgl. Heb 12,5–8).

Wir lesen in 1. Korinther 11,32 von der Züchtigung des Herrn Jesus in seiner Versammlung, die sogar dazu führen kann, dass Er Gläubige abruft, weil sie oder andere Gläubige in der örtlichen Versammlung in eklatanter Weise gegen das Wort Gottes verstoßen haben.

In 1. Timotheus 1,20 schreibt Paulus von apostolischer Zucht und Ermahnung, die er als Apostel ausüben bzw. aussprechen konnte. Offenbar hatte er Hymenäus und Alexander vor anderen Gläubigen getadelt und (geistlicherweise, nicht körperlich) gezüchtigt, also scharf verwarnt und sogar dem direkten Einflussbereich Satans übergeben. Diese Art von Zucht gibt es nicht mehr, seitdem die Apostel nicht mehr leben.

Verschiedene Arten von Zucht

Unter Christen besteht die Gefahr, dass sie nur den Ausschluss aus der praktischen Gemeinschaft der Gläubigen als Zucht verstehen. Das Neue Testament kennt mindestens zehn Formen der Zucht. Wir sollten die neun anderen grundsätzlich zuerst in Erwägung ziehen, bevor wir die zehnte für notwendig halten. Nicht immer ist das möglich; wir sollten jedoch nicht immer nur an den Ausschluss denken.

Zucht kann väterliche, brüderliche oder Versammlungszucht sowie vorbeugender und korrigierender Art sein bzw. das Eingeständnis darstellen, dass „unsere“ Zucht nicht mehr ausreicht, sondern allein der Herr etwas bewirken kann, ein Grundbewusstsein, das immer vorhanden sein sollte.

(1)  Väterliche Zucht (2. Tim 4,2; Gal 6,1)

(2)  Brüderliche Zucht (Mt 18,15–17)

(3)  Zurechtweisende Zucht bei Unordnung (1. Thes 5,14)

(4)  Zucht durch Zurückziehen bei Unordnung (2. Thes 3,6)

(5)  Zucht durch sich abwenden (Röm 16,17)

(6)  Öffentliche Zucht durch Überführung (1. Tim 5,20; vgl. Gal 2,14)

(7)  Zucht durch Bezeichnung (2. Thes 3,14)

(8)  Zucht durch Abweisen eines Sektierers (Tit 3,10)

(9)  Zucht durch die Auflage, schweigen zu müssen (Tit 1,10.11; 1. Tim 1,3)

(10) Zucht durch Ausschluss (1. Kor 5,12.13)

Ich hoffe, dass diese Auflistung zeigt. Zucht und Ausschluss sind keine Synonyme. Die Zucht kann vielfältige Formen annehmen, über die es nachzudenken gilt, wenn Dinge unter Geschwistern nicht gut laufen.