30.06.2007 Matthäus | Jesus Christus / Gott

Mt Matthäusevangelium (36)

Hosea 11,1

Wer sich Hosea 11 genauer anschaut, kann wie gesagt zunächst nur zu dem Schluss kommen, dass hier Israel gemeint ist: „Als Israel jung war, da liebte ich es, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“. Es war die Liebe Gottes zu seinem erwählten Volk, die Ihn dazu trieb, das große Volk aus der Drangsal und dem Gefängnis Ägyptens durch die Hand Moses zu befreien. Diese Beziehung der Liebe wird dadurch unterstrichen, dass Gott sein Volk „meinen Sohn“ nennt. Das Volk Israel war Ihm nicht egal, es war für Ihn wie ein Sohn (vgl. auch 2. Mo 4,22; Jer 31,9).

Aber damit ist der Text in Hosea noch nicht zu Ende: „Sooft sie sie riefen, gingen sie von ihrem Angesicht weg: Sie opferten den Baalim und räucherten den geschnitzten Bildern ...“ (Vers 2). Gerade dieser Vers macht deutlich: Es handelt sich um dieses widerspenstige Volk, das sich immer wieder im Götzendienst und in Unzucht verlor.

Wie kommt es nun, dass gerade dieser Vers auf den Herrn Jesus angewendet wird, ja mehr noch, seine Erfüllung in Christus finden kann? Ist Christus denn das wahre Israel? Es gibt nur eine Erklärung: Ja, so ist es! Er ist der wahre Sohn, von dem Gott so gerne spricht. Der Geist Gottes hat Christus immer vor Augen, Ihn will Er groß machen, auch im Alten Testament. Nicht, dass wir ohne weiteres jeden Vers auf den kommenden Messias anwenden könnten. Aber viel öfter, als wir uns das bewusst machen, ist es der Herr Jesus, auf den mancher Vers des Alten Testaments hinweist.

Wie wir wissen, versagte das Volk oft. Dies beschreibt auch schon der folgende Vers in Hosea 1. Trotzdem musste sich Christus mit diesem Volk eins machen. In der Taufe würde Er das kurze Zeit später sichtbar tun (Mt 3,15.16). So begann in Christus die Geschichte des Volkes Israel von Neuem – letztlich sogar die Geschichte der Menschheit insgesamt. Er war bereit, sich nach Ägypten bringen zu lassen.

Christus musste in allem versucht werden wie das Volk (auch wie wir) – natürlich ausgenommen von der Sünde, die nicht in Ihm war! Aber so musste Er auch ihr Schicksal in Ägypten teilen in der Wüste versucht werden. Auch wurde er von Satan in der Wüste versucht, allerdings in viel schlechteren Bedingungen, als sie Adam und Eva bei den Versuchungen Satans kannten, denn sie waren in herrlicher Umgebung im Garten Eden. Er kann aus eigener Erfahrung bei allen Prüfungen mitempfinden, die das Volk Israel hatte und einmal haben wird. Dasselbe gilt in Bezug auf unsere Prüfungen.

Jesaja 49

Ein weiteres bekanntes Beispiel, das in dem Zusammenhang der Verbindung von Christus und Israel immer wieder angeführt wird, findet sich in Jesaja 49,3. Dort lesen wir, wie Gott zu dem Propheten Jesaja spricht und ihn sein Knecht nennt. Jesaja steht hier und an anderen Stellen für Israel: „Und er sprach zu mir: Du bis mein Knecht, Israel, an dem ich mich verherrlichen werde.“ Wie schon gesagt: Hier meint Gott sein Volk Israel, sieht es jedoch in Jesaja personifiziert.

In Vers 4 kommt dann die Antwort: „Ich aber sprach: Umsonst habe ich mich abgemüht ...“ Das sagt der Prophet, der trotz der Ablehnung und der vergeblichen Arbeit auf den Herrn vertraut. Was ist die Antwort des HERRN? „Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat“ – damit werden die Worte von Vers 1 noch einmal aufgegriffen – es geht immer noch um den Knecht Gottes – um Israel (Vers 3). In Vers 5 heißt es dann weiter: „um Jakob zu ihm zurückzubringen.“ Damit kommen wir zu einem interessanten Punkt. Kann damit gemeint sein, dass Israel, der Knecht, das Volk Israel zurückbringt zu Gott? Dies wird wohl kaum damit gemeint sein.

Die Lösung finden wir wieder in der Entdeckung, dass Christus als der wahre Knecht Gottes sich mit seinem Volk einsmacht. Sein Volk sollte auch Knecht sein, aber der wahre Knecht ist Christus! So lautet die abschließende Antwort Gottes: „Es ist zu gering, dass du mein Knecht seiest, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten von Israel zurückzubringen. Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um meine Rettung zu sein bis an das Ende der Erde“ (Vers 6). So kann nur der Messias, der wahre Knecht Gottes, sprechen.

Welch große Gnade, dass Christus sich auf diese Weise mit seinem Volk einsgemacht hat! Er tat dies, obwohl es sich um ein irrendes und sündiges Volk handelte. Denselben Gedanken finden wir in Verbindung mit dem Weinstock (vgl. Ps 80,9.15; Jes 5). Israel war der Weinstock Gottes. Aber das Volk brachte keine Frucht – da kam Christus auf diese Erde als „der wahre Weinstock“ (Joh 15,1) – er nahm die Stelle des wahren Israels ein. Ja wirklich, der HERR liebt Israel ewig (1. Kön 10,9).

Keine Wunder für Christus!

Abschließend ist noch ein Punkt wichtig. Im Laufe seines Lebens hier auf der Erde hat der Herr Jesus viele Wunder getan. Aber Er bewirkte kein einziges Wunder zu seinem eigenen Vorteil. Er war immer nur für andere tätig. Als ihn in der Wüste hungerte, hätte er die Steine ohne Schwierigkeiten in Brot verwandeln können, aber er hat es nicht getan! Denn für sich wollte Er keine Wunder tun. Als der große Sturm auf dem See war, wirkte der Herr Jesus kein Wunder zur eigenen Ruhe, sondern nur, weil die Jünger umzukommen meinten.

So auch hier: Kein Wunder tötet Herodes oder verhindert den Übergriff auf Jesus. Nein, seine Familie muss fliehen. So sehr hat Er sich erniedrigt, dass Christus sogar diese Verfolgungen auf sich nahm, ohne in göttlicher Autorität einzugreifen. Wir bewundern die Selbstlosigkeit unseres Retters!

Verse 16–18: Ein grausamer Mord und trauriges Klagen

„Da ergrimmte Herodes sehr, als er sah, dass er von den Magiern hintergangen worden war; und er sandte hin und ließ alle Knaben töten, die in Bethlehem und in seinem ganzen Gebiet waren, von zwei Jahren und darunter, entsprechend der Zeit, die er von den Magiern genau erfragt hatte. Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia geredet ist, der spricht: ‚Eine Stimme ist in Rama gehört worden, Weinen und viel Wehklagen: Rahel beweint ihre Kinder, und sie wollte sich nicht trösten lassen, weil sie nicht mehr sind‘“ (Verse 16–18).

Gottes Wort deckt weiter schonungslos auf, wes Geistes Kind Herodes war. Mit Grausen lesen wir, was er tat, nachdem er feststellen musste, dass die Magier nicht zu ihm zurückkehrten. Es ist zu vermuten, dass er einige Wochen gewartet hatte – er konnte ja nicht wissen, dass die Magier nicht zurückkehrten. Dann aber wurde ihm klar, dass die Magier seiner Bitte nicht Folge geleistet hatten. Dies erweckte seinen Zorn.

Dabei „vergisst“ er allerdings, dass er die Magier ebenfalls hintergangen und belogen hatte. Denn er hatte davon gesprochen, nach ihnen zur Huldigung des Kindes gehen zu wollen. Aber jetzt zeigt er sein wahres, satanisches Gesicht. So wird er zum Vorbild des Antichristen, des Antikönigs, der sich in der Endzeit in den Tempel setzen wird, um sich dort als Gott anbeten zu lassen (2. Thes 2,4). Er wird die „wahren“ Juden in Israel, die gläubigen Übriggebliebenen, grausam verfolgen – nur wer das Mahlzeichen des ersten Tieres aus Offenbarung 13, des Römischen Herrschers, annehmen wird, kann noch überleben.

Herodes lässt dann in grausamer Manier alle Kinder töten, die bis zu zwei Jahren alt waren. Wie viele unschuldige Kinder werden in dieser Gegend ermordet worden sein? Das ist „nur“ eine seiner vielen, grauenvollen Taten während seiner Regierung. Dieser Mann wird sich dafür einmal vor dem Richterstuhl des Christus (2. Kor 5,10) verantworten müssen – also vor dem Mann, den er ohne Erfolg umzubringen suchte.

Gott tötete Herodes wegen seiner Bosheit

Auch aus der Geschichte wissen wir, dass Herodes nicht sehr lange nach dieser letzten Tat gestorben ist. Sie offenbart ihn als ein Instrument Satans. Gott hatte zur Schlange gesagt: „Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen“ (1. Mo 3,15). Auch hier unternahm Satans den Versuch, den Herrn Jesus zu töten. Ja, er würde bald seine Ferse zermalmen. Aber Gott wachte über seinen Sohn und ließ es hier nicht zu.

Nach den weiter oben vorgestellten Überlegungen müsste der Herr Jesus bei dieser Gelegenheit ungefähr eineinhalb Jahre alt gewesen sein (vom Laubhüttenfest des Vorvorjahres bis zum Passahfest).

So „verstehen“ wir die Vorsichtsmaßnahme von Herodes, lieber alle Kinder bis zu zwei Jahren umbringen zu lassen, um sicherzustellen, dass ihm gefährlich werdende König auf keinen Fall entkam. Trauriger Egozentriker, der nur an seine eigene Ehre und Macht dachte, dabei aber sein wahres Glück verlor. Gott würde ihn bald dafür strafen.

Wir erinnern uns an die Geschichte in Ägypten, wo der Pharao alle Säuglinge der Israeliten umbringen ließ, die männlich waren. Damals ging es nicht um einen bestimmten Menschen – es sollte einfach die Kraft des Volkes Israel als Bedrohung für Ägypten dezimiert werden. Jetzt kam der, der das „wahre“ Israel ist. Er sollte, zwar nicht von einem Ägypter, wohl aber von einem anderen Feind des Volkes umgebracht werden, von einem Edomiter, der inzwischen König in Israel war. Aber wie damals Mose durch die Vorsehung Gottes und die Treue seiner Eltern bewahrt wurde, konnte der Feind auch jetzt dem kleinen Kind, Jesus, nichts anhaben. Gott wachte darüber, und seine Eltern verhielten sich dem Wort Gottes treu gegenüber.