06.09.2021 Persönlicher Glaube | Jesus Christus / Gott

Der kniende Christ (Autor: unbekannt) – eine Buchbesprechung

Vor Jahren wurde mir das Buch „Der kniende Christ" zur Lektüre empfohlen. Daraufhin hatte ich es gelesen. In den letzten Monaten wurde ich erneut darauf angesprochen und um eine Beurteilung gebeten. Deshalb habe ich es mir noch einmal etwas genauer vorgenommen.

 

Benutzt habe ich jetzt die 19. Auflage. Sie umfasst 152 Seiten. Das Buch ist im Verlag Herold-Schriftenmission e. V. erschienen und kostet 4,50 Euro. Es ist gut lesbar, sehr flüssig geschrieben und muss nicht auf einmal durchgelesen werden. Jedes Kapitel steht für sich. Man kann sich jedes Teilstück getrennt von anderen Abschnitten leicht vornehmen.

 

Das Buch behandelt das wichtige Thema des Gebets. Man hat Beten mit dem Atmen der Seele verglichen. Wie wesentlich ist es daher für unser Glaubensleben, dass wir ein gesundes Gebetsleben führen: persönlich und auch gemeinschaftlich als Versammlung (Gemeinde). Dazu soll diese Abhandlung aus dem 20. Jahrhundert (1924) dienen.

 

Inhalt

In insgesamt 12 Unterkapiteln geht der Autor auf viele Aspekte unseres Gebetslebens ein. Beispielsweise zeigt das Buch die Notwendigkeit des Betens für Christen. Wir lernen etwas über die gewaltigen Verheißungen und auch die Ergebnisse des Gebets. Der Verfasser widmet sich der Frage, was Beten überhaupt ist, spricht über viele Gebetserhörungen, die wir in der Schrift und außerhalb des Wortes Gottes kennen. Er stellt auch die herausfordernde Frage, ob Gott unsere Gebete immer erhört und wie Er Gebete erhört.

 

Nicht zuletzt lernen wir etwas über Hindernisse für das Gebet. Interessanterweise zum Schluss stellt der Schreiber noch die Frage, wer eigentlich beten darf - eine Frage, die man normalerweise an den Anfang stellen würde. Aber es ergibt Sinn, wie man merken wird, wenn man sich das Buch vornimmt ...

 

Hilfreiche Belehrung

Diese Hinweise zeigen schon, dass das Thema wenn auch nicht vollumfänglich, so doch von vielen Seiten betrachtet wird. Vieles wird in Erinnerung gerufen, manche Aspekte dürften für einige von uns neu oder wieder neu sein. Es ist hilfreich, sich intensiv mit dem Gebet zu beschäftigen. Denn zusammen mit dem Lesen des Wortes Gottes ist das Beten die Grundvoraussetzung dafür, dass wir praktische Gemeinschaft mit Gott pflegen.

 

Besonders gut haben mir die Kapitel über das „Wie beten" (S. 70-86) und die Frage, ob wir uns beim Beten abquälen sollen (S. 87-104), gefallen. Hier lernen wir unter anderem etwas über die richtige Gebetshaltung und das Beten im Namen des Herrn Jesus. Die Frage nach dem Quälen im Gebet hilft uns, nicht gesetzlich zu werden und mit innerer Freude und Dankbarkeit diesen „Dienst" zu tun.

 

Hingabe

Damit kommen wir zu den Problemen und Herausforderungen im Blick auf dieses Buch.

 

  • Gebet ist ohne Frage wichtig für unser Glaubensleben. Aber Beten ist doch nicht alles. Wenn der Autor auf S. 4 schreibt, das der Mangel an Gebet das Geheimnis allen Misserfolgs ist, überzieht er. Wir müssen wohl alle beklagen, dass wir zu wenig beten, auch zu wenig im Glauben. Aber es gibt noch andere Ursachen für unseren schwachen geistlichen Zustand. Wir sollten das Gebet nicht dadurch entwerten, dass wir es überhöhen.
  • Auf S. 5 wird deutlich, dass der Autor einen charismatischen Hintergrund haben muss. Er meint, dass sich heute das Ausgießen des Geistes über alles Fleisch erfüllt, von dem Joel in Kapitel 3 spricht. Richtig ist, dass es zu Beginn der christlichen Zeit eine Vorerfüllung dieser Vorhersage gab (Apg 2), dass sie sich eigentlich aber erst im Tausendjährigen Reich erfüllen wird. Wer das in die heutige Zeit verlegt, öffnet Tür und Tor für charismatische, unbiblische Vorstellungen.
  • Auf S. 8 behauptet der Autor, das ein Leben mit Christus nur von zwei Dingen abhänge: vom Glauben und vom Gebet. Wieder wird etwas, das sehr wichtig ist, durch diese Ausschließlichkeit überhöht und damit letztlich entwertet. Unser Leben mit Christus hängt von einer Reihe von Einstellungen und Gesinnungen ab, zweifellos auch vom Glauben und vom Gebet. Aber es ist immer gefährlich, nur noch den Blick für einen oder zwei Aspekte unseres Glaubenslebens zu haben.
  • Wie kommt der Autor auf die Idee, dass der Teufel nichts so fürchtet wie das Gebet? Auf welche Aussage der Schrift stützt der Verfasser diese Aussage (S. 10)? Es wird im weiteren Verlauf suggeriert, dass das Gebet allmächtig sei. Das ist falsch. Allmächtig ist Gott, nicht das Gebet.
  • Ein Diener des Herrn behauptet, er habe in seine ganzen Leben noch keine Gebetserhörung erlebt (S. 14). Das ist natürlich Unfug! Der große Irrtum vieler besteht darin zu meinen, Gebetserhörungen seien nur Antworten auf außergewöhnliche Bitten. Manche leiten geradewegs dazu an, sich auf Besonderes zu stürzen im Gebet. Dabei ist das alltägliche Gebet für Gott außerordentlich wertvoll. Wer abends bewahrt ins Bett gehen darf, hat in der Regel, weil er morgens um Bewahrung gebeten hat, eine herrliche Gebetserhörung erlebt. Die zählt aber für viele nicht, weil sie angeblich nichts Besonderes ist. Als ob Gebetserhörung nur mit Einzigartigem zu tun hätte. Das ist eine falsche, fatale Akzentverschiebung der Belehrungen des Wortes Gottes.
  • Auf S. 16 werden wir aufgefordert, den Zehnten zu bringen. Damit stellt uns der Autor unter Gesetz. Wieder zeigt sich, dass der Verfasser leider kein Unterscheidungsvermögen hat, was für die christliche Zeit zutrifft, was jüdischen Charakter hat oder was zum künftigen Königreich gehört. Dazu passt auf S. 17, dass man den Eindruck gewinnt, wir stünden unter dem Gesetz: Man muss 10 Minuten am Tag beten und das mindestens dreimal täglich. Natürlich ist es richtig, dass wir uns fragen lassen, ob das Gebet den rechten Stellenwert im Leben einnimmt. Aber Gott bewahre uns davor, solche Gesetze aufzustellen und anderen dadurch ein schlechtes Gewissen zu bereiten.
  • Auf S. 27 wird diese Tendenz zur Gesetzlichkeit weiter forciert. Eine Frau betete, aber sozusagen nicht genug. Als sie dann mehr betete, kamen mehr Menschen zum Glauben. Mit anderen Worten: Errettungen hängen von uns und von unserem Gebet ab? Doppelt so viel Gebet führt zu doppelt so viel Bekehrungen? Wieder wird das hier mit Joel 3 verbunden ... (s.o.). Bekehrungen und Ergebnisse im Dienst kann man nicht wie eine Geldmaschine mit Gebetszeit erhöhen oder verhindern. Das würde uns Menschen überhöhen. Wir sollten beten. Wir sollten eifrig sein im Dienst. Aber Leben bewirkt nur einer: Gott. Es würde ja bedeuten, dass Noah viel zu wenig gebetet hat. Sonst hätte er viel mehr Menschen in die Arche bekommen. Das zeigt, dass in diesem Buch ein falsches Glaubensprinzip vorgestellt wird.
  • Auf S. 28.29 wird uns in Verbindung mit einer (falschen) eigentümlichen Anwendung von Lukas 12,49 („Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen; und was will ich, wenn es schon angezündet ist?") eine durch und durch charismatische Geschichte erzählt, vermutlich in Verbindung mit der Arbeit einer indischen Missionarin aus der charismatischen Bewegung (Pandita Ramabai). Das wird auf S. 32 noch einmal eindrucksvoll mit einer seltsamen Auslegung von Apostelgeschichte 1,4.8 „bestätigt". Dort wird dieser Bibeltext komplett aus seinem Zusammenhang gerissen.
  • Der Herr Jesus ist Herrscher und König, aber nicht „unser König" (S. 34). Wieder zeigt sich ein falsches Verständnis unserer christlichen Beziehung zum Herrn Jesus. Auf dieser Seite heißt es auch, dass nach dem Gebet eines John Hyde „ein Sturm von Kraft und Liebe" über die Anwesenden kam. Das kennen wir aus der modernen Pfingstbewegung und steht Gottes Wort diametral entgegen.
  • Auf den Seiten 60-67 wird für Anbetung besonders das Alte Testament herangezogen und vor allem mit äußerlichen Dingen verbunden. Das Gebet in der christlichen Zeit ist dagegen in erster Linie ein Gebet aus dem Herzen.
  • Waren es wirklich hauptsächlich die Evangelisten und Personen wie Jonathan Edwards, John Knox, John Wesley und George Whitefield, die in der Erweckungszeit des 19. Jahrhunderts von Gott benutzt wurden (S. 67)? Gott verwendete zweifellos die von Ihm gegebenen Gaben und auch diese Evangelisten zur Bekehrung von Menschen ein. Aber wirkte der Herr tatsächlich in erster Linie durch sie? Wer sich ein bisschen mit Kirchengeschichte beschäftigt hat, wird zu einem anderen Schluss kommen. Und wenn es die Begegnung dieser Männer mit Gott war, wie es im Buch heißt, die Veränderungen weltweit ausgelöst haben, warum haben sie dann nicht Gottes Wort auch im Blick auf den gemeinschaftlichen Weg der Kinder Gottes erkannt? Wer, wie es heißt, tatsächlich Gott gesehen hat, wird doch nicht nur im Blick auf die Bekehrung zu richtigen Schlüssen kommen!?
  • Auf S. 68.69 wird suggeriert, dass das stärkste Gebet ein Gebet ohne Worte ist. Das ist Mystizismus pur und öffnet Tür und Tor für Autosuggestion. Es wird so getan, als ob man Gottes Gegenwart fühlen und spüren könnte. Das ist eine Vorstellung aus der charismatischen Bewegung, die in die Irre führt.
  • Auf S. 84 bezieht der Schreiber das Beten um den Heiligen Geist auf uns. Dabei ist der Geist Gottes seit Pfingsten wohnend in jedem Erlösten (1. Kor 6,19). Diese Bitte passt somit nicht in unsere Zeit. Auf S. 93 wird positiv davon gesprochen, dass jemand ein Gelübde abgelegt hat, an jedem Ort zu beten, wo er Stille dazu finden würde. Das ist gesetzlich und vom Charakter jüdisch.
  • Auf S. 101 behauptet der Autor, der Herr hätte in Gethsemane mit dem Tod gerungen. Damit hatte aber das Gebet des Herrn in Gethsemane nichts zu tun. Hier befindet man sich auf heiligem Boden, wo man nicht über Gottes Wort hinausgehen sollte
  • Auf S. 108 wird suggeriert, Gott würde unsere Gebete um die Errettung andere Menschen grundsätzlich erhören. Diese Zusage finden wir nicht in Gottes Wort.
  • Auf S. 118 lesen wir, wie seltsam übertrieben wird. Ein Missionar (Dan Crawford) musste zurück auf sein Missionsfeld und hatte Eile. Dazu musste er einen „tiefen Fluss, der Hochwasser hatte" überwinden. Wenn das immer ein tiefer Fluss war, wie war er sonst darüber gekommen? Dann heißt es, dass er mit seinen Begleitern niederkniete und betete - ein schönes Zeugnis vom Vertrauen auf den Herrn. Und dann stürzte während ihres Gebets ein „riesiger Baum" um, „der schon jahrelang gegen die Strömung gekämpft hatte". Woher war bekannt, dass dieser Baum „jahrelang gegen die Strömung gekämpft" hatte? Solche Beschreibung werfen mehr Fragen auf, als sie Antworten geben ...
  • Auf S. 117 wird uns eingeredet, Gott sei wie ein Automat. Man müsse nur für eine bestimmte Person beten, dann würde Gott schon hören. Ein Gottesdienstteilnehmer schlug seinem Pastor vor, für den irregehenden Sohn zu beten. Am darauffolgenden Montag, als sich der Sohn bekehrt hatte, schlug derselbe Teilnehmer dem Pastor (wo spricht Gottes Wort von einem solchen?) Vor, jetzt für den Schlimmsten in der Stadt zu beten, der sich angabegemäß dann auch am Ende der Woche angabegemäß bekehrte. So etwas kennt man aus charismatischen Kreisen.
    Wer das liest, mag vielleicht resignieren, weil er solche Erlebnisse bislang nicht hatte. Es besteht die Gefahr zu zweifeln, ob dies an dem persönlichen „Glauben" liegen könnte. Man muss aber nicht verzweifeln, wenn man eine bestimmte Bitte nicht erhört findet. Es ist einfach nicht in Übereinstimmung mit Gottes Wort zu denken, wenn ich für die Erretung einer bestimmten Person bete, dass der Herr in jedem Fall das tun wird, was ich erbitte. Solch eine Lehre, wie sie im Buch deutlich wird, ist Irreführung unbedarfter Leser. Es ist traurig und unverantwortlich, Beispiele dieser Art als „normal" weiterzugeben.
    Zwei Seiten zuvor wird die Nigeria-Missionarin Mary Slessor aus Schottland erwähnt. Sie beschreibt ihr Leben als eine Aneinanderreihung von täglichen und stündlichen Gebeten. So etwas setzt Menschen, die „arbeiten" und sich dabei konzentrieren müssen, unter einen sehr starken Druck.
  • Auf den Seiten 119/120 ist von Wunderheilungen usw. die Rede, die Gott in der Anfangszeit tatsächlich gegeben hat. Diese Wunderwirkungen werden aber schon in Hebräer 2 in der Vergangenheitsform genannt. Heute tut Gott selbst in seltenen Fällen solche Wunder. Aber die Gabe der Wunderheilungen gibt es schon fast 2.000 Jahre nicht mehr. Erneut befinden wir uns hier auf charismatischem Boden.
  • Auf S. 145 heißt es, dass Löwen ihre Nahrung von Gott suchen. Richtig ist, dass Gott für die Tiere sorgt. Aber Löwen haben keine Ahnung, dass es Gott gibt. Sie haben nicht wie wir Menschen einen Geist, der mit Gott Kontakt aufnehmen kann.
  • Auf S. 151 fordert der Autor den Gläubigen auf, um neues Leben zu beten. Da wir aber mit der neuen Geburt neues Leben geschenkt bekommen haben, ergibt solch eine Bitte keinen Sinn. Sie führt in die Irre, als ob wir nach einem Fehltritt oder einer Glaubensschwäche immer wieder neues Leben brauchten. Das jedoch steht im Widerspruch zur Lehre des Wortes Gottes.
  • Auf derselben Seite nennt der Autor zudem das Gebet eine Gnadengabe. Tatsächlich finden wir im Neuen Testament manche Gnadengaben. Aber Gebet ist das Atmen der Seele, wie man das genannt hat. Eine Gabe benötigen wir zum Beten sicherlich nicht. Jedenfalls finden wir das nicht in Gottes Wort.

 

Neben manchen wertvollen Hinweisen in diesem Buch gibt es leider viele Verirrungen, falsche Lehren, charismatische und mystische Hinweise. Das verdeutlich, dass dieses Werk keine gesunde Nahrung für Gläubige sein kann. Ich kann es nicht empfehlen. Das Lesen dieses Buches führt nicht zu einem nüchternen, besonnenen Glaubensleben. Es hat vielmehr Unnüchternheit, charismatische Ideen und Gesetzlichkeit zur Folge. Man komme in mancherlei Hinsicht dadurch auf Abwege.

 

Stattdessen empfehle ich lieber Bücher wie das von Markus Furrer: „Beten: Reden mit Gott". Es ist bei der Christlichen Schriftenverbreitung (CSV) erhältlich und kostet 4,90 Euro. Dieses Werk mag nicht so beeindruckend geschrieben sein. Aber es fußt auf Gottes Wort. Und das ist das Entscheidende.