Bevorzugung einer Schwester oder beleidigte Leberwurst?


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(00:00:00) Das Bevorzugen einzelner Kinder ist immer ein Problem in Familien. Oder sagen wir, das Empfinden, das ich habe als Kind, dass mein Bruder, meine Schwester bevorzugt wird. Hintergrund ist ein Artikel, den ich gelesen habe in einer Zeitschrift, schaue immer gerne mal da in Zeitschriften, die von kirchlichen Kreisen kommen, von kirchlichen Bereichen, um zu sehen, inwiefern dort mit Gottes Wort argumentiert wird. Jetzt las ich in einer solchen Zeitschrift, wo die Frage gestellt wurde, man konnte Fragen an die Redaktion bzw. an Pastoren schicken, hier antwortet eine Pfarrerin, kein Wort jetzt mal darüber, dass das natürlich gar nicht nur Einstimmung mit Gottes Wort ist, dass eine Pfarrerin tätig ist, aber sie wird gefragt, meine Eltern haben meiner Schwester 50.000 Euro ausgeliehen, sie hat das Geld nie zurückgezahlt, neulich hat mein Vater mir davon erzählt, eine Finanzspritze hätte ich auch gut gebrauchen können, als ich meine Eltern vor einigen Jahren danach fragte, sagten sie, das sei nicht möglich, das verletzt mich, ich weiß (00:01:01) gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Nun, man kann dieses Problem gut verstehen, man erlebt, dass ein Bruder, eine Schwester einen regelrecht großen Betrag bekommt oder irgendetwas anders und dann bekommt man irgendwann mit, oder bekommt das irgendwann mit und hat selber auch mal so eine Not gehabt und hat nichts bekommen, das empfindet man als ungerecht. So ist dann auch die Antwort so, dass man sagt, Ungerechtigkeiten sind immer schwer zu ertragen und natürlich ist es ganz besonders herausfordernd, wenn man sich von Eltern benachteiligt, ungerecht behandelt fühlt, das nagt am eigenen Selbstwertgefühl, das nagt daran, habe ich irgendwas falsch gemacht, sind sie gegen mich, was ist da eigentlich los? Nun wissen wir aus Gottes Wort und das wird mit Recht in dieser Antwort dann auch geschildert, dass es in Familien, dass es in Geschwisterpaaren immer wieder nach Gottes Wort Probleme gab. Wir denken an Kain und Abel, Kain war neidisch darauf, jetzt nicht im Blick auf die Eltern, (00:02:02) aber doch im Blick darauf, dass Gott sein Opfer angenommen hat und dann hat er seinen Bruder erschlagen. Nun, da sehen wir, das war natürlich keine ungerechte Behandlung, Gott ist immer gerecht, vollkommen gerecht. Wir denken an Josef, der von seinem Vater ein ganz besonderes Kleid bekam, dieses Oberkleid und das war natürlich ungerecht, in einer gewissen Hinsicht jedenfalls, seinen Geschwistern gegenüber. Insofern musste Jakob sich nicht wundern, dass seine Brüder neidisch auf Josef waren, weil er ihn besondererweise behandelt hat. Diese Pfarrerin nun kommt auf das bemerkenswerte Gleichnis, das der Herr Jesus ausgesprochen hat, Lukas 15 finden wir das, vom verlorenen Sohn und darauf kommt sie zu sprechen und sie empfindet, dass dieses Gleichnis irgendwie Ungerechtigkeit schildert. Ja, da ist am Ende der redliche Sohn verletzt, derjenige, der sich gut verhalten hat. Der Vater, heißt es in dieser Antwort, schmeißt eine Party für den, der in Saus und Braus, (00:03:06) in Hurerei und sonst wie gelebt hat, aber zurückkommt und der andere bleibt betröppelt zurück. Und dann sagt sie, ich finde bis heute, dass das irgendwie ungerecht bleibt. Und dann noch hat sie den Eindruck, dass der ältere Bruder einen der wenigen möglichen Auswege findet, sagen sie ihren Eltern, wie er, dass sie verletzt sind. Dann fügt noch die Pfarrerin hinzu, das biblische Gleichnis lässt es unserer Fantasie wohltuend offen, ob der verletzte Bruder mitfeiern will. Ja, deshalb nehme ich diesen Abschnitt einmal hier auch in diesen Podcast, das ist natürlich schlicht Unfug. Es ist ganz deutlich, dass der nicht mitfeiern will. Vers 28, er aber wurde zornig und wollte nicht hineingehen. Nein, er ist neidisch auf seinen Bruder. Genau hier ist es andersrum. Er ist neidisch darauf, dass der Vater ihm eben etwas Besonderes gibt, dem sogenannten (00:04:01) verlorenen Sohn. Nun, zum theologischen Verständnis ist es natürlich wichtig, dass wir überhaupt kapieren, verstehen, was dieser Abschnitt eigentlich soll. Und dieser Abschnitt zeigt uns die Situation von Heiden und Juden. Die Heiden, wir also, die Nationen, wir haben uns von Gott weggewandt, hatten keinen Gottesdienst. Im Alten Testament hatten die Heiden keinen Gottesdienst, schon gar nicht einen von Gott gegeben. Was sie hatten war Götzendienst. Und so sind sie von Gott weggelaufen, sind in Hurerei, in Götzendienst, sind alles Böse gekommen, was man sich vorstellen kann. Aber dann sind sie zurückgekommen, jedenfalls teilweise, das finden wir in der Apostelgeschichte, wie Gott einlädt die Nationen und sie kommen und sie beugen sich nieder vor dem Herrn Jesus. Und Gott nimmt sie auf, genau so, wie er diesen sogenannten verlorenen Sohn aufnimmt. Er hat nämlich gesagt, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen. Und wie reagiert der Vater? Er bringt das beste Gewand oder lässt es holen, einen Ring an seiner Hand und Sandalen an seine Füße. Das ist genau die Situation, in die wir gekommen sind. (00:05:02) Gott hat uns bekleidet mit göttlicher Gerechtigkeit. Gemeint ist, er hat in göttlicher Gerechtigkeit uns gegenüber gehandelt, indem er uns angenommen hat in Christus, indem er uns nicht hat verloren gehen lassen, sondern das Werk des Herrn Jesus, das wir persönlich in Anspruch genommen haben, hat er uns zugutekommen lassen. Er hat uns einen Ring gegeben und damit sich mit uns verbunden in Ewigkeit. Er hat uns ewiges Leben geschenkt. Jetzt haben wir in Christus alles, was wir nötig haben. Und nicht nur das, er hat uns auch Sandalen an die Füße gegeben. Jetzt sind wir in der Lage, einen Lebenswandel zu führen, der sich total unterscheidet von unserem ursprünglichen Lebenswandel. Was ist nun der ältere Sohn? Der ältere Sohn steht für das Judentum. Er hat scheinbar nichts Böses getan. Das ist doch vollkommen offensichtlich, dass er natürlich auch nicht immer richtig gehandelt hat. Er ist nur nicht in die äußeren bösen Sünden gefallen wie der andere Sohn. Aber was fehlt ihm? Und das hat dieser Pfarrerin überhaupt nicht erkannt. Ihm fehlt die echte tiefe Gemeinschaft mit Gott. (00:06:03) Ihm fehlt die tiefe Gemeinschaft hier im Gleichnis gesprochen mit dem Vater. Er lebt auch sein eigenes Leben. Er meint, er wäre gut, aber er kennt den Vater gar nicht. Wenn er den Vater gekannt hätte, dann hätte er nicht so böse gesprochen über den Vater. Ist das Ehren des Vaters, dass man so böse über den Vater spricht, dass man zornig wird? Siehe, so viele Jahre diene ich dir und niemals habe ich ein Gebot von dir übertreten. Und mehr hast du niemals ein Böcklein gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Erstens hat er niemals ein Gebot übertreten. Das gibt es überhaupt nicht. Das Volk Israel hat so viele Gebote übertreten, aber sie fühlten sich so wie die Pharisäer fühlten sie sich treu und meinten ja, sie wären eben anders als die Nationen, als die Heiden. In Wirklichkeit haben sie ein Gebot nach dem anderen übertreten. Gibt es einen Sohn, der das Gebot seines Vaters nicht übertreten hat? Dieser Sohn mit Sicherheit auch. Zweitens, er kennt seinen Vater nicht. Drittens, er hat auch nicht mit seinem Vater feiern wollen, sondern mit seinen Freunden. (00:07:01) Siehst du, das ist der Unterschied. Der verlorene Sohn feierte mit seinem Vater, der freute sich mit seinem Vater und der Vater mit seinem Sohn. Der andere, aber der ältere, in Wirklichkeit der verlorene Sohn, der uns das Judentum darstellt, er wollte für sich feiern, er wollte mit seinen Freunden feiern, nicht mit seinem Vater. So erkennen wir sofort, nein, dieses Gleichnis ist kein Anlass, um Ungerechtigkeit zu erkennen. Es ist eher ein Anlass, um zu sehen, dass Gott Gnade übt und dass jemand, der sich bekehrt, Empfänger von Gnade ist, dass es überhaupt niemanden gibt, der ohne die Gnade Gottes in den Genuss des Segens kommt. Wir sind abhängig von der Gnade Gottes und wenn wir das nicht erfassen, dann gehen wir ewig, alle ewig verloren. Zurück aber zu der eigentlichen Frage und zu der bietet eben dieses Gleichnis gar keine Antwort. Das wollte ich damit darstellen. Also mit diesem Gleichnis kann man diese Frage nicht beantworten und dass der Sohn zu dem Vater kommt, ja, das ist scheinbar eine Lösung, in Wirklichkeit ist er ja in Empörung, geht (00:08:01) er zu seinem Vater. Nicht in einer Frage, wie ist das denn möglich gewesen, warum hast du das getan? Das müsste ja diese Frau auch ihre Eltern mal fragen. Wieso kam es, dass ihr meiner Schwester das Geld gegeben habt, aber bei mir sagt, ihr hattet kein Geld dafür übrig? Vielleicht gibt es eine Erklärung, vielleicht auch nicht. Das müssen wir uns als Eltern fragen. Kommen wir gleich nochmal darauf zurück. Jedenfalls hier sehen wir in Gottes Wort auch, dass wir bereit sein müssen, Ungerechtigkeit zu ertragen. Wir haben hier den Herrn Jesus als Vorbild. 1. Petrus 2, da lesen wir in Vers 23, der Gescholte nicht widerschallt. Hatte er irgendetwas getan, was des scheltens würdig war? Natürlich nicht. Er war wirklich vollkommen, der Leidend nicht drohte. Hatte er etwas getan, dass Menschen ihn so drangsalieren durften, so gewalttätig, so spöttisch behandeln durften? Natürlich nicht. Er war in jeder Hinsicht vollkommen. Und trotzdem hat er nicht gedroht, sondern sich dem übergeben, der gerecht richtet. Er war bereit, sich ganz in die Hände des Vaters zu übergeben. Er wusste, dass er von Menschen keine Gerechtigkeit erfahren wird. (00:09:02) Aber der Vater? Scheinbar auch nicht, denn er hat ja nicht eingegriffen. Aber der Herr Jesus wusste, dass der Vater alles recht zu beurteilen wusste und dass er ihn belohnen würde für diese Treue. Das darfst du auch wissen. Wenn du bereit bist, Ungerechtigkeit auf dieser Erde zu erleiden, zu erdulden, ohne dagegen zu rebellieren, dann wirst du reich belohnt werden. Natürlich, wenn du dich bekehrt hast, wenn du Jesus als Retter angenommen hast. Das wird der Herr in der Zukunft, wird er das belohnen. Aber dazu muss ich bereit sein, Ungerechtigkeit zu ertragen. Und es gibt überhaupt niemand in dieser Welt, der nicht Ungerechtigkeit ertragen wird, ertragen muss. Und zwar sowohl von Seiten von Eltern, jeder, der selber Vater oder Mutter ist, der wird wissen, dass er nicht in der Lage ist, in Vollkommenheit zu leben und auch vollkommen gerecht zu sein. Gleichwohl gilt Sprüche 22 Vers 6, da sagt der weise Salomo, erziehe den Knaben seinem Weg gemäß. Er wird nicht davon weichen, auch wenn er alt wird. (00:10:02) Hier steht nicht, erziehe alle Knaben gleich, sondern erziehe den Knaben seinem Weg gemäß. Wir müssen also immer in Rechnung stellen, erstens, dass unsere Eltern das aus Liebe getan haben, selbst wenn sie unvollkommen sind oder waren und zweitens, dass sie versuchen, dass wir versuchen als Eltern entsprechend dem jeweiligen Lebensweg auch zu handeln und nicht einfach alles über einen Kamm zu scheren. Gerechtigkeit ist eben nicht, dass man alle gleich behandelt. Gerechtigkeit ist, den Weg des jeweiligen Kindes zu sehen und entsprechend zu handeln. Und bei erwachsenen Kindern ist es sowieso ein Stück weit anders. Wir müssen auch Eltern überlassen, dass sie mit ihrem Vermögen das tun, was sie für richtig halten. Unsere Eltern sind uns gegenüber überhaupt nicht verantwortlich und rechenschaftspflichtig. Sie sagen nicht, dass Eltern sich verhalten sollen, wie sie wollen. Ich sage nur, wir als Kinder, wir haben kein Anrecht, unseren Eltern zu sagen, du musst dich so oder so verhalten und du musst dich vor mir verantworten. Das müssen sie nicht. Sie müssen sich vor dem Herrn verantworten. Aber sicherlich nicht vor unseren Kindern, vor ihren Kindern, so wie wir ebenfalls nicht. (00:11:05) Kolosser 3 Vers 21, Ihr Vater, aber wir können das ausdehnen und sicherlich anwenden auch oft Eltern insgesamt, reizt Eure Kinder nicht, damit sie nicht mutlos werden. Natürlich sollen wir uns so verhalten, dass unsere Kinder nicht resignieren, nicht aufgeben, nicht mutlos werden. Und wenn es um solche Beträge geht, 50.000, dann müssen wir uns schon überlegen, ob das wirklich gerecht ist, ob das zielführend ist, ob wenn das herauskommt, dass sich das eine Kind mit einem solchen Betrag unterstützt oder das andere nicht, ob ich damit nicht einen Streit unter Kindern, eine Blockade zwischen den Kindern und mir aufstelle und damit letztlich Böses bewirke. Also wir wollen festhalten, das Gleichnis von dem sogenannten verlorenen Sohn passt hier überhaupt nicht. Gott ist in jeder Hinsicht gerecht, vor allen Dingen ist er barmherzig, mir gegenüber, dir gegenüber. Zweitens, wir müssen in dieser Welt immer mit Ungerechtigkeit rechnen, auch in Familien, (00:12:03) auch in christlichen Familien, auch unter Gläubigen, weil wir eben nicht vollkommen gerecht handeln. Wir haben noch das Fleisch an uns, deshalb sollten wir Ungerechtigkeit bereit sein zu ertragen. Dadurch werden wir belohnt. Drittens, eine Erziehung bedeutet nicht alle Kinder gleich zu behandeln, obwohl wir aufpassen müssen, dass wir nicht ein Kind vorziehen, das ist wirklich nicht gut. Und viertens, wir sollten unsere Kinder so erziehen, dass sie nicht mutlos werden, dass wir sie nicht herausfordern und da sind wir unserem Gott und Vater gegenüber in dieser Hinsicht unter allen Umständen verantwortlich.
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