Keine Unterscheidungen zulassen (1)

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Die Tendenz [zur Zeit von Jakobus] war stark, den Glauben von der Praxis zu trennen. Dieses Kapitel zeigt, dass solch ein Hang bei den jüdischen Bekennern ebenso vorhanden war wie bei den Griechen. Das ist die Leichtfertigkeit und Selbstsucht der menschlichen Natur … Zuerst geht um das „Ansehen der Person“. Dies kommt in vielen Formen und Abstufungen vor. Solche Unterscheidung zuzulassen, und sei es noch in der geringsten Form, darf unter Gläubigen nicht möglich sein. Es ist nämlich ein Angriff auf den „Glauben unseres Herrn Jesus Christus“ und auf seine Herrlichkeit, die Ihm zu eigen ist, die hier betont wird. Keine Seele, die an Christus glaubt, kann den Todesstoß übergehen, den Er durch die Lebenspraxis in seinem ganzen Leben solchen Gefühlen oder Unterscheidungen zufügt …

Ein Angriff auf die Herrlichkeit und Liebe Jesu

Hat er nicht gesagt: „Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme täglich sein Kreuz auf und folge mir nach“? Und: „Denn wer irgend sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommt in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel“ (Lk 9,23.26). Hat Er nicht zudem deutlich gemacht: „Wenn du ein Mittagsmahl oder ein Abendessen machst, so lade nicht deine Freunde noch deine Brüder noch deine Verwandten noch reiche Nachbarn, damit nicht etwa auch sie dich wieder einladen und dir Vergeltung werde. Sondern wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde, und glückselig wirst du sein, weil sie nichts haben, um dir zu vergelten; denn dir wird vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten" (Lk 14,12-14)?

Gibt es etwas, was mehr vergeht als Herrlichkeit der Welt als: Das, „was unter Menschen hoch ist, ist ein Gräuel vor Gott“ (Lk 16,15)? Glauben wir wirklich, dass es so ist, wie der Herr sagt? Und wo war damals in seinem Seufzer „das Ansehen der Person“? Es hatte nie auch nur einen Augenblick einen Platz bei Ihm. Es sollte so auch bei uns sein, die wir an Ihn glauben. Seine Herrlichkeit sollte für immer jeden Gedanken an das Vergleichen (Rivalität) usw. aus unserem Gedächtnis löschen – besonders das Vergleichsdenken dieser Welt, die Ihn gekreuzigt hat.

Ansehen der Person

Das Ansehen der Person ist der Instinkt des eigenen Ich und der Reflex der Welt. Aber letztlich verleugnet es praktischerweise Christus wie auch die Wirklichkeit der innigen Beziehung, welche die Gnade zwischen all den Seinen gebildet hat. Der inspirierte Schreiber hebt einen besonderen Fall hervor, den er wahrscheinlich miterlebt hatte, obwohl er diesen in hypothetischer Weise darstellt …

Niemand konnte über einen so weltlichen Geist in einer Synagoge überrascht sein. Aber es war traurig, dass diese Haltung auf ein christliches Zusammenkommen überging … Jetzt ist es an der Zeit, Ihm auf dieser Erde darin zu folgen, alles das zu übergehen und außen vor zu lassen, was unser Fleisch anspricht und was dieses für wünschenswert hält. Wir sollten alles das für Verlust achten wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, unseres Herrn. Leiden um der Gerechtigkeit willen, noch mehr um Christi willen, sollte in unseren Augen als Christen wertvoll sein. Wir können diejenigen angemessen in Ehren halten, die eine schöne Stufe in irgendeiner geistlichen Weise erworben haben. Aber den einen wegen des Kleidungsstückes, das seine Armut verrät, zu schmälern, und den anderen wegen seiner prächtigen Kleidung zu ehren, die seinen Reichtum bezeugt, ist ein zweifacher Widerspruch zu Christus …

Gebt allen …

Nicht dass die Schrift einen Geist der Respektlosigkeit gegenüber bestimmten herausgehobenen Personen rechtfertigt. „Gebt allen, was ihnen gebührt: die Steuer, dem die Steuer, den Zoll, dem der Zoll, die Furcht, dem die Furcht, die Ehre, dem die Ehre gebührt“ (Röm 13,7), sagt der Apostel Paulus. Jeder ist aufgefordert, sich den obrigkeitlichen Gewalten unterzuordnen, die Gott in seiner Vorsehung eingesetzt ist: „Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse.“ So ist das christliche Verhältnis zu den Obrigkeiten, die in der Welt tätig sind. Liebe aber ist geboten im Blick auf diejenigen, die den Namen des Herrn tragen. Liebevolles Mitgefühl soll denen gelten, die durch ihre Prüfungen und ihre Armut in Gefahr geraten, zu Fall zu kommen. Die Verachtung des armen Christen ist so weit wie nur eben denkbar entfernt von der Gesinnung, die in Christus war …

Es ist auch nicht nur so, dass das Schmeicheln reicher Leute, wenn Gläubige versammelt sind, unvereinbar wäre mit dem Glauben an Ihn, der in seiner Gnade arm wurde, obwohl Er der Herr der Herrlichkeit war. Es widerspricht auch dem Gesetz und noch mehr dem Evangelium und dem wahren Christentum. Im Ergebnis leugnet solch ein Verhalten die Beziehung zu Ihm, als ob diese eine zweitrangige Sache gegenüber den täglichen Umständen und den unwichtigsten Unterscheidungen in dieser Welt wäre. Zudem ist ein solches Verhalten unendlich weit entfernt von Gottes Gedanken, wie sein Wort zeigt und Christus es eindrucksvoll erklärt und in seiner Lebensweise bestätigt hat.

Die Verehrten unserer Gesellschaft

„Armen wird gute Botschaft verkündigt“ (Mt 11,5). Was waren diejenigen, die es in seinen Augen empfingen? Zu dem bereits gegebenen scharfen Kontrast haben wir noch einen weiteren ernsten Appell hinzugefügt … Der demütigende Zustand der Armen wird durch Gnade zu ihrem entscheidenden Vorteil gemacht im Blick auf ihre Berufung. Denn es gibt keine mächtigere Knechtschaft als die, die unsere „Gesellschaft“ ihren Verehrern auferlegt, nichts mehr im Widerspruch zu dem Herrn aller, der das alles bis zur Wurzel entlarvte und verurteilte, indem Er außerhalb von allem diesem stand. Er ignorierte ihre Ansprüche und verfolgte seinen Weg heiliger Güte im Blick auf alle Menschen in unerschütterlichem Gehorsam. Dies sieht der arme Gläubige, reich im Glauben. Er flieht den Willen dieser Menschenklasse, mit religiösen oder anderen Mitteln in der Welt weiterzukommen und Ansehen zu bekommen.

Die Einsicht des „Armen“ mag nicht tiefgreifend oder umfassend sein, aber er nimmt mit Freude das Evangelium an, das ihn geistlich erhebt. So sucht er jetzt nach keinem anderen, blickt zuversichtlich aus nach dem Königreich, das nicht von dieser Welt ist, das Er, dem es gehört, denen verheißen hat, die Ihn lieben …

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Artikelreihe: Unterscheidungen (Jak 2)

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