19.11.2007 Versammlung / Gemeinde

Gemeinsames Gebet

Die gemeinsamen Gebetstunden sind ein besonderes Vorrecht. Denn auf ihnen ruht eine göttliche Verheißung, die nicht nur ein herrliches Ergebnis beschreibt, sondern zugleich Ansporn ist.

So manches Wort ist bereits über Gebete und Gebetstunden geschrieben worden. Und es geht an dieser Stelle nicht darum, etwas Spektakuläres über dieses Thema zu einzuführen. Es scheint jedoch immer wieder nützlich zu sein, uns gegenseitig an das Vorrecht des gemeinsamen Gebetes zu erinnern.

Es gibt wohl kein „Instrument“, das der Herr uns geschenkt hat, das in ähnlicher Weise mit Kraft ausgestattet ist wie das gemeinsame Gebet.

Es ist wahr: Auch das persönliche Gebet hat mächtige Wirkungen: „Geliebte, wenn unser Herz uns nicht verurteilt, so haben wir Freimütigkeit zu Gott, und was irgend wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und das vor ihm Wohlgefällige tun“ (1. Joh 3,21.22). Und doch hat es den Anschein, dass der Herr in Matthäus den Umfang des Gebetes noch grundsätzlicher beschreibt.

Gemeinsame Gebetstunden sind ein Vorrecht

Wie herrlich und zugleich wichtig ist es daher, an diesen gemeinsamen Gebetsstunden einer örtlichen Versammlung teilzunehmen. Denn die genannten „zwei“ müssen zusammenkommen, damit diese Verheißung wirksam werden kann. Und wenn sie etwas auf der Erde bitten, dann gerät der Himmel in Bewegung. Das hat der Herr Jesus seinen Jüngern und damit auch uns zugesagt.

Dafür ist es jedoch nötig, dass wir auch um „irgendeine Sache“ bitten, das heißt, ganz konkrete Gebete sprechen. Man mag vielleicht unterschiedlicher Auffassung sein, was das konkrete Nennen einzelner Namen in unseren Gebetstunden betrifft. Es sollte jedoch auch aus anderen Bibelstellen deutlich werden, dass es in der Gebetstunde nicht um vortragende Gebete, sondern um konkrete Danksagungen und Bitten geht (z.B. 1. Tim 2,1).

Es gibt ein weites Feld für Bitten

Das Spektrum der Bitten ist kaum einzugrenzen. Dabei wird der Betende berücksichtigen, dass er kein privates sondern ein öffentliches Gebet spricht und somit Bitten nennt, die auch auf dem Herzen anderer Geschwister sind. Das schließt mit ein, dass unsere Gebete nicht einen Informationscharakter für andere tragen, die dadurch Neuigkeiten erfahren.

Das Werk des Herrn auf der Erde ist so umfangreich, dass es sicher nicht mit nur einem Gebet erschöpfend behandelt werden kann. Es gibt so viele Arbeiten sowohl im Inland, das wir in unseren Bitten nicht vergessen sollten, als auch im Ausland, die einzeln vor den Herrn und den Vater gebracht werden können.

Wir dürfen für Versammlungen, Weggegangene und Ausgeschlossene beten

Ein besonderer Gebetsgegenstand wird sicher auch unser niedriger Zustand – persönlich und gemeinsam – sein, den wir nicht übergehen sollten. Und wie viele Gebete gibt es, die konkret die Geschwister betreffen, die an dem eigenen Ort versammelt sind! Gibt es vielleicht Unstimmigkeiten untereinander? Sind Geschwister weggegangen – aus vielleicht ganz unterschiedlichen Gründen und Motiven? Musste die Versammlung jemanden ausschließen, an dem ja kein Hirtendienst mehr getan werden kann, für den eine Versammlung aber inständig und nachhaltig beten wird, damit sein Herz zurecht kommt? Es gibt wohl kaum etwas, was eine Versammlung so demütigt und zugleich so bewegt, wie solche Themen. Wir sollten auch nach Jahren nicht aufhören, dafür im Gebet anzuhalten.

Vielleicht gibt es am Ort jemanden, der einer besonderen Prüfung ausgesetzt ist. Oder jemand sieht eine besondere Aufgabe, Ungläubigen oder Gläubigen zu dienen und wird an den folgenden Tagen ein solches Gespräch führen. Wenn eine Versammlung praktische Gemeinschaft übt, dann wird sie davon wissen und solche Dinge auf ihrem Herzen tragen. In diesem Zusammenhang kann man die Gewohnheit mancher Orte empfehlen, vor der gemeinsamen Gebetstunde kurz aktuelle Gebetsgegenstände öffentlich zu nennen, damit die Geschwister nicht erst durch ein Gebet von ihnen erfahren.

Aus 1. Timotheus 2,1-2 entnehmen wir, dass unsere Gebete sogar alle Menschen und auch herrschende Personen umfassen. Sicherlich wird hiermit kein Pauschalgebet für die Menschheit und die Regierungen angeregt. Aber es gibt keine Person und auch keine Regierung, die von unseren Gebeten ausgeschlossen werden müssten. Wir dürfen für jeden Einzelnen und für jede Regierungsperson ganz konkret beten.

Wir wollen kritikfähig werden

Zuweilen hört man Klagen über die Länge und Art der Gebete. Wenn auch die Schwachheit der betenden Brüder kein Grund für das Versäumen von Gebetsstunden sein darf, so wollen wir Brüder, die wir die Gebete der Versammlung aussprechen, uns nicht aus unserer Verantwortung stehlen. Wir müssen auf die Geschwister Rücksicht nehmen, da wir keine privaten, sondern öffentliche Gebete aussprechen. Und wenn wir einmal auf den einen oder anderen Punkt angesprochen werden, sollten wir auch „kritikfähig“ sein und das annehmen, was andere uns vielleicht mit großem Zittern sagen.

Schließlich sollten wir nicht außer acht lassen, dass gemeinsame und öffentliche Gebete nur dann von Kraft geprägt sind, wenn unser persönliches Gebetesleben einen vergleichbaren Platz in unserem Leben einnimmt. Es ist sicherlich gesund, ein wirklich ausgewogenes Verhältnis zwischen persönlichem und gemeinsamen Gebet zu finden. Persönliches Gebet geht dem gemeinsamen Gebet voraus und bildet seine Grundlage.

Das alles dürfen wir uns zum Ansporn nehmen, um mit neuem Elan persönlich und gemeinsam zu unserem Herrn Jesus Christus und zu unserem himmlischen Vater zu beten. Er hört und erhört unsere Gebete gern. Denn Er ist ein gebender Gott! „Prüft mich doch dadurch, sprich der Herr der Heerscharen, ob ich euch nicht die Fenster des Himmels auftun und euch Segen ausgießen werde bis zum Übermaß“ (Maleachi 3,10).