08.04.2003 Ehe & Familie | Dienst

Sexuelle Übergriffe – gerade von Vertrauenspersonen

Diese erschreckende Zahl an Vertrauensmissbräuchen wird „offen“ zugegeben - die Dunkelziffer dürfte noch viel höher liegen. Gerade Personen, die zum Schutz und zur Heilung aufgesucht werden, missbrauchen ihre Stellung - oder lassen sich auf Irrwege ein. Das ist ein Phänomen, das wir auch in der Bibel immer wieder antreffen. Denken wir an die beiden Söhne Elis, des Hohenpriesters, die ihre bevorzugte Stellung dazu benutzten, das Opferfleisch zu Unrecht zu fordern (1. Samuel 2,12-17), und ihre sexuellen Begierden bei jungen Frauen auszuleben (2,22). Der König Salomo benutzte seine hohe Stellung als König, um sich über 1.000 Frauen zuzulegen - und um das Volk in die Sklaverei zu führen (1. Könige 11,1-8; 12,14). Und in 1. Petrus 5,2-3 lesen wir, dass Brüder, die als Älteste an einem Ort geistlich tätig sind, in Gefahr stehen, ihre Herde im Hinblick auf Einkommen und Machtausübung zu missbrauchen.

Verantwortung muss üben - nicht übel missbraucht werden

Jeder Mensch - und damit auch jeder Christ - hat bestimmte Aufgaben übertragen bekommen. Er hat einen Verantwortungsbereich. Und diesen kann er treu ausführen - oder durch Missbrauch veruntreuen. Das fängt bei der Kinderarbeit und Jugendarbeit an: Nutze ich sie, um Kinder und Jugendlich für mich zu begeistern, oder um sie hinter dem Herrn Jesus herzuführen? Versuche ich meinen eigenen Einfluss zu erhöhen, oder den des Herrn?

Als Eltern kann ich meine Kinder in der Zucht und Ermahnung des Herrn aufziehen - oder ich kann meine Stellung missbrauchen - indem ich überhaupt keine Autorität ausübe (was de facto nicht geht, aber dann übe ich Einfluss zum negativen), oder gewaltsam (im negativen, übermäßigen Sinn) über die Kinder oder als Ehemann sogar über die Ehefrau herrsche - und ich kann meine Kinder sogar körperlich und sexuell missbrauchen - mit schrecklichen Folgen. Auch als Mutter kann man seine Vertrauensstellung bei den Kindern durchaus missbrauchen.

Einflussreiche Diener sind besonders gefährdet!

Als Diener - zum Beispiel Lehrer des Wortes Gottes - kann ich die Anerkennung, die mehr oder weniger viele Geschwister meinem Dienst, meiner Gabe, vielleicht sogar dem Herrn zollen, dazu missbrauchen, indem ich eigene Ideen und Überlegungen bei anderen durchzusetzen versuche. Ich kann das Wort Gottes enger oder weiter machen - und jeden, der nicht meine Überzeugung teilt, an den Pranger stellen. Das hat Auswirkungen (vielleicht merke ich selbst das gar nicht), denn manchmal aus Menschenfurcht werden mir viele folgen. Oder ich baue durch meinen unbeugsamen Geist eine Gegenbewegung auf und führe so zu Trennungen, die von Gott nicht gewollt sind. Oder, oder, oder ...

Als Diener kann ich - und jetzt bin ich beim Ausgangspunkt dieses Artikels - wenn mich jungen oder ältere Gläubige zu vielen Dingen ins Vertrauen ziehen - meine Stellung missbrauchen. Ich kann zum Beispiel vertrauliche Dinge punktuell - taktisch - weitererzählen. Und ich kann mich - leider gibt es auch dieses - auf eine sexuelle Beziehung einlassen, wenn junge Frauen ihr Herz ausschütten und seelisch in solchen Situationen nicht gefestigt sind. Der Seelsorger weiß schon, was richtig ist. Und ganz schnell ist man in einer Situation, die nichts anderes als pures Sündigen darstellt.

Vor jedem „Missbrauch“ können wir uns nur bewahren lassen, wenn wir nahe beim Herrn Jesus bleiben. Sein Wort reinigt uns - und das betende Lesen bewahrt uns.