30.09.2004Persönlicher Glaube

Treu in schwierigster Lage

Aber wie sieht es aus, wenn der Wind mal von vorne weht, wenn wir in einer Lage sind, in der wir uns überhaupt nicht wohl fühlen, in die wir vielleicht ohne eigenes Dazutun gekommen sind? Sind wir unzufrieden mit unserem „Schicksal“, und hören wir auf, treu zu sein? Sehen wir uns Beispiele von Leuten an, die in einer so schwierigen Lage waren, in die wir wahrscheinlich nie kommen werden. Und lassen uns durch ihre Treue anstecken!

Joseph - als Sklave (1. Mo 38-40)

Joseph wurde von seinen eigenen Brüdern aus Neid verkauft und musste als Sklave in einem fremden Land arbeiten. Sklaven „hatten“ keinen eigenen Willen mehr, sondern waren voll und ganz von ihren Herren, deren Eigentum sie waren, abhängig (wie ein Gegenstand, den wir uns heute kaufen und morgen wegwerfen, wenn er uns nicht mehr gefällt). Joseph hatte allen Grund, mit seinem Schicksal zu hadern und zu resignieren. Aber genau das Gegenteil lesen wir. Er war in der Ausführung seiner Aufgaben so treu, dass sein Herr Potiphar ihn über sein ganzes Haus setzte. Potiphar überließ Joseph alles und kümmerte sich um gar nichts mehr - soviel Vertrauen hatte er zu Joseph (1. Mo 39,6).

Joseph hätte dieses Vertrauen zu seinem Vorteil ausnutzen können, aber er tat es nicht. Im Gegenteil. Als die Frau Potiphar sexuellen Kontakt mit Joseph wollte -auch dazu hatten die Eigentümer damals das Recht- floh Joseph, auch auf die Gefahr hin, sein Leben zu verlieren. Er wollte diese Sünde nicht begehen. Dadurch wurde Josephs Situation, die gerade etwas angenehmer geworden war, noch schlimmer. Er musste ins Gefängnis: als Sklave, unschuldig und außerdem wurden seine Füße in den Stock gepresst (Ps 105,18).

Wir hätten gut verstehen können, wenn Joseph sich jetzt gegen sein Schicksal aufgelehnt hätte. Aber wieder war er treu. So treu, dass er auch hier das volle Vertrauen des Obersten des Gefängnisses hatte (1.Mo 39,22).

Es hätte Joseph nicht schlimmer treffen können, aber trotzdem war er treu. Wir können viel von Joseph lernen. Wenn wir auch wahrscheinlich nie in eine solche Situation kommen werden wie Joseph, sollten wir uns anspornen lassen, in unserer Umgebung, wo es uns so leicht gemacht wird, treu zu sein und als ein Zeugnis für unseren Herrn zu leben. Was ist ein mitleidiges Lächeln unserer Mitmenschen gegenüber dem Gefängnis bei Joseph?

Ein junges Mädchen - gefangen weggeführt in ein fremdes Land (2. Kön 5)

Wir alle wissen bestimmt, was Heimweh ist. Auch in angenehmer Umgebung können wir Heimweh bekommen. Dieses Mädchen aber war nicht freiwillig von zuhause weggegangen. Zudem lebte sie bestimmt nicht in sehr angenehmer Umgebung. Das Mädchen wurde seinen Eltern geraubt und musste als Sklavin im Hause dessen, der es gestohlen hatte, arbeiten. Heimweh war sicher ihr ständiger Begleiter. Auflehnung gegen diejenigen, die es geraubt hatten, Trotz gegenüber der Frau, für die es arbeiten musste, wären die natürlichen Reaktionen gewesen. Manche hätten diesen Menschen vielleicht am liebsten „die Pest an den Hals gewünscht“. Wir lesen aber nichts dergleichen. Ganz im Gegenteil. Das Mädchen hatte Mitleid - ja Mitleid für denjenigen, der es geraubt hatte. Der Mann hatte nämlich wirklich Aussatz. Eine Krankheit, die unheilbar war und unweigerlich zum Tod führte. Wie gesagt, das Mädchen hatte Mitleid, und sagte das auch ihrer Herrin. Wenn sie in ihren Aufgaben faul gewesen wäre, hätte die Frau bestimmt nicht auf sie gehört. Aber das Mädchen fand Gehör bei der Frau, mit dem Resultat, dass der Mann geheilt wurde.

Hat dieses Beispiel nicht besonders uns Jüngeren etwas zu sagen? Die Umgebung um uns herum ist nicht immer sehr angenehm, aber bestimmt nicht zu vergleichen mit der Situation dieses Mädchens. Und es ist auch nicht immer leicht, ein Zeugnis für den Herrn Jesus zu sein. Aber wir wollen uns gegenseitig ermuntern durch das Resultat, das die Treue dieses Mädchens hervorbrachte. Wie schön, wenn durch unser Zeugnis ein Mensch zum Herrn Jesus findet.

Daniel - unbekannt und fern der Heimat (Dan 1.6)

Auf Grund ihrer Untreue belagerte und eroberte Nebukadnezar, der König von Babel, Jerusalem und führte etliche der Oberschicht mit in seine Heimat. Unter diesen Weggeführten war auch Daniel. Wie wir an seinem späteren Verhalten sehen, war er ein treuer junger Mann, der nicht persönlich schuld daran war, dass er in diese Situation gekommen war. Als er ausgewählt wurde, an dem Hof des Königs Nebukadnezar speziell in den Sitten des Landes ausgebildet zu werden, hätte er das als Chance ansehen können, es sich so bequem wie möglich zu machen und nicht aufzufallen. Das hätte aber auch bedeutet, etwas von seiner Überzeugung, was seinen Glauben anging, aufzugeben. Dazu war er nicht bereit. „Er nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht mit der Tafelkost des Königs und mit dem Weine, den er trank, zu verunreinigen“ (Dan 1,8). Er hätte sich auch denken können: Erstens kann ich nichts dafür, dass ich hier bin, und zweitens sieht mich sowieso keiner. Aber er tat es nicht und hielt fest an seinem Glauben. Ist es auch bei uns so, dass wir überall, wo wir sind, festhalten an unserem Glauben?

Als die Situation zu einem späteren Zeitpunkt für Daniel richtig kritisch wurde, als es nämlich um Leben und Tod ging, sehen wir genau die gleiche Treue. Trotz des Verbots des Königs zu beten ging er dreimal am Tag in sein Haus und betete laut (Kap. 6). Gott belohnte diese Treue Daniels, indem er ihn in der Löwengrube vor dem Tod bewahrte.

Der Herr Jesus belohnt unsere Treue. Egal ob wir da sind, wo uns keiner sieht, oder ob wir, ohne Rücksicht auf Verluste, unsere Treue unter Beweis stellen müssen.

Sadrach, Mesach, Abednego - treu bis zum Äußersten (Dan 3)

Die Freunde Daniels waren weit weg von zuhause. Vielleicht angesteckt durch die Treue ihres Freundes, zeigten sie die gleiche Entschiedenheit. Der König hatte in seinem Geltungsbedürfnis ein großes Bild aufrichten lassen und den Befehl gegeben, dieses anzubeten. Die drei Freunde hätten sich denken können: Das muss jetzt halt so sein, darum kommen wir nicht herum. Nein, der Glaube kommt nie in Verlegenheit. Sie gehorchten diesem götzendienerischen Befehl nicht und wurden deshalb beim König angeschwärzt.

Auch auf dessen ausdrückliches Befragen halten sie an ihrer Überzeugung fest. Mit einer Entschiedenheit, die uns erstaunt: „Nebukadnezar, wir halten es nicht für nötig, dir ein Wort darauf zu erwidern. Ob unser Gott, dem wir dienen, uns aus dem brennenden Feuerofen zu erretten vermag und er wird uns aus deiner Hand, o König, erretten, oder ob nicht, es sei dir kund, o König, daß wir deinen Göttern nicht dienen und das goldene Bild, welches du aufgerichtet hast, nicht anbeten werden“ (Dan 3,16-18). Die Männer waren weder lebensmüde noch geistig verwirrt. Sie waren sich durchaus darüber im Klaren, dass diese Aussage und ihre Standfestigkeit nur eine Folge haben konnten: den Feuerofen. Diese Männer blieben dennoch treu. Solche Standhaftigkeit erstaunt uns. Von ihrer Treue können wir uns wirklich „eine Scheibe abschneiden“.

Geschlagen - trotzdem mit Freude weitergemacht

Auch im Neuen Testament finden wir viele Männer, die treu waren. Speziell Petrus, der zu einem früheren Zeitpunkt aus Feigheit den Herrn Jesus verleugnet hatte.

Die Jünger waren drei Jahre mit dem Herrn Jesus gegangen. Vieles von dem, was der Herr Jesus ihnen gesagt hatte, hatten sie anscheinend nicht verstanden. Dann war der Herr Jesus gestorben, auferstanden und in den Himmel gegangen. Von da an waren sie ganz auf sich alleine gestellt - jedenfalls war ihr Meister nicht mehr körperlich bei ihnen -, versehen mit dem Auftrag, den Menschen von Ihm zu erzählen. Eine nicht gerade leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass der Herr Jesus von den Obersten absolut abgelehnt wurde.

Aber Petrus und Johannes nahmen den Auftrag des Herrn ernst. „Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen“ (Apg 5,29). Dafür, dass sie das Verbot, zu predigen, nicht beachteten, steckten sie Schläge ein. Und was lesen wir von ihnen? „Sie nun gingen vom Synedrium weg, voll Freude, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden“ (Apg 5,41).

Und das lesen wir von Petrus, der im Garten sein Schwert gezogen und dem Knecht des Hohenpriesters das Ohr abgehauen hatte. Aber damit nicht genug, im nächsten Vers heißt es: „Und jeden Tag, im Tempel und in den Häusern, hörten sie nicht auf, zu lehren und Jesus als den Christus zu verkündigen.

Wenn wir mal etwas sagen und dafür Spott ernten, ziehen wir uns so leicht zurück und sagen beim nächsten Mal lieber nichts mehr. Lasst uns von Petrus und den anderen Jüngern lernen, die trotz Lebensgefahr treu den Auftrag des Herrn Jesus ausführten. Auch wir haben den gleichen Auftrag.

Diese Beispiele zeigen uns, dass man treu sein kann, auch wenn die Situation alles andere als angenehm ist. Lasst uns unsere angenehme Situation ausnutzen um dem Herrn Jesus treu zu sein.

aus: Folge mir nach - Heft 7/2004