Moral – und der Bundespräsident

Das betrifft nicht nur das moralische Verhalten, mit Freundschaften und Korruption umzugehen. Es ist erstaunlich (und wurde ja auch thematisiert), wie scharf die Medien mit (angeblichen oder tatsächlichen) Vergünstigungsaktivitäten des ehemaligen Bundespräsidenten Wulff umgingen, wo doch bekannt ist, dass Journalisten ebenfalls jeden Rabatt für ihre Tätigkeit zu nutzen suchen. Und wie ist es mit dem Schwarzmarkt? Haben alle, die sich jetzt die Finger wund geschrieben haben an dem ach so unmoralischen ehemaligen Ministerpräsidenten Niedersachsens alle Handwerkerrechnungen auf Rechnung bezahlt? Wie sieht es mit unseren Steuern aus – alles angegeben? Auch alle Hauswirtschaftsleistungen versichert? Usw.

Man tut sich leicht, mit dem moralischen Zeigefinger auf andere zu zeigen, und vergisst sehr schnell, wie es so schön heißt, dass dabei vier Finger auf den Kritiker zurückweisen. Der Herr musste über hohe Leute im Staat Israel sagen: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Denn ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, innen aber sind sie voll von Raub und Unenthaltsamkeit. Blinder Pharisäer! Reinige zuerst das Innere des Bechers und der Schüssel, damit auch ihr Äußeres rein werde“ (Mt 23,26). Wir wollen erst einmal unsere Unreinigkeit bekennen, bevor wir auf andere zeigen.

Und wie ist das mit den Ehen unserer Bundespräsidenten? Auch sie sind ein Spiegel unserer Gesellschaft. Bis zu Horst Köhler hatten wir nur Bundespräsidenten, die verheiratet waren und nicht Scheidung lebten. Dann kam Christian Wulff – in einer „modernen“ Patchworkfamilie lebend. Geschieden, Tochter aus erster Ehe, Kind mit seiner zweiten Frau, die aber auch noch ein Kind mit in die Ehe gebracht hat. Das ist modern und darf nicht kritisiert werden, sonst wendete man sich gegen die Freiheit und Würde des Menschen. Mit Christentum und der Bibel hat das nichts zu tun. Seltsam, dass dies bei ProChrist niemand erkennen will/wollte. Man schmückte sich lieber mit einem Ministerpräsidenten, auch wenn seine Lebensführung zwar dem entspricht, was leider auch unter Christen heute üblich ist, was aber im Gegensatz zu Gottes Wort steht. „Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass eine Frau nicht vom Mann geschieden werde (wenn sie aber auch geschieden ist, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich mit dem Mann) und dass ein Mann seine Frau nicht entlasse“ (1. Kor 7,10.11).

Und was kommt nun mit dem neuen Bundespräsidenten auf uns zu? Er ist zwar noch verheiratet mit einer Frau, mit der er seit über 20 Jahren nicht mehr zusammenlebt. Aber dafür lebt er seit über 10 Jahren mit einer anderen Frau zusammen. Er habe zwar vor, diese auch irgendwann zu heiraten – wann auch immer. Aber das sei seine Privatangelegenheit. Man darf über so etwas schon gar kein Urteil mehr fällen in dieser heutigen Zeit. Dafür hat der schwule Bundesaußenminister Westerwelle das Wort erhoben, als jemand Joachim Gauck empfahl, wenigstens zu heiraten.

Leider müssen wir zugeben, dass auch unter Christen – ich meine Menschen, die sich bekehrt haben – derartige Verhältnisse immer „normaler“ werden. Für Gott werden sie nie normal. Er hasst Entlassung, Ehescheidung (Mal 2,16) – und wird sie nie akzeptieren, wie viel weniger ein Zusammenleben in „wilder Ehe“, wie es heute euphemistisch heißt. Es ist nichts anderes als Hurerei, Unzucht, wie auch Homosexualität. „Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut“ (Off 22,15). Gott sei Dank – auch für sie gibt es Hoffnung, wenn sie Jesus Christus als Retter und Herrn annehmen und Gott ihre Sünden aufrichtig bekennen.

Bild: © J. Patrick Fischer