Geschaffen, um seine Gehilfin zu sein (Autor: Michael und Debi Pearl) – wohin dieses Buch gläubige Frauen (und Männer) führt [ergänzt]

Lesezeit: 6 Min.

In dem zweitem Buch empfehlen die Eheleute Pearl, Kinder durch Rute und Prügel regelrecht zu dressieren. Das ist aus christlicher und biblischer Sicht abzulehnen. Damit können und wollen wir uns nicht einsmachen.

In dem vorliegenden Buch „Geschaffen, um seine Gehilfin zu sein“, soll die gläubige Ehefrau entdecken, wie Gott ihre Ehe wunderschön machen kann. Das möchte jede Christin (und natürlich auch jeder gläubige Mann) gerne erleben.

Ausgangspunkt des Buches ist die Belehrung des Apostels Paulus in Titus 2, dass die älteren gläubigen Frauen „die jungen Frauen unterweisen, ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben, besonnen, keusch, mit häuslichen Arbeiten beschäftigt, gütig, sich den eigenen Männern unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert werde“ (Tit 2,4.5).

Das Buch gliedert sich in zwei große Abschnitte.

  • Im ersten Teil wird die „Gehilfin“ beschrieben – das Buch folgt der Neuen Luther Bibel (2009), der Autor ist ein großer Verfechter der „autorisierten Version der Bibel“ (Authorized Version; King James Version). In diesem Abschnitt ist das große Thema, dass die Ehefrau eine Ehe dadurch „himmlisch“ machen kann, dass sie immer lächelt – frühmorgens, morgens, mittags, nachmittags, abends, nachts. Dass sie ihren Mann als Geschenk Gottes ansieht, immer ein fröhliches, dankbares Herz hat und voller Freude ist, ihren Mann fürchtet, wie Gott. Es wird ausdrücklich betont, wie wir das in einem anderen Buch ebenfalls gelesen haben, dass „Furcht Gottes“ nicht Ehrfurcht meine, sondern Angst (67).
    Das Leben der Frau soll sich in dem des Mannes wiederfinden. Zudem soll sich die Frau immer bewusst sein, dass Eva, die Frau, betrogen wurde, nicht Adam, der Mann. Die Autoren – das ist allerdings in erster Hinsicht Debi Pearl – legen viel Wert darauf, dass die Frau sich immer und in allem unterordnet. Das bedeutet, so Pearl, dass die Frau dem Mann gehorchen muss (66,111,125,154,171,172,188,202,284,303-325,317,331 usw.). Wenn der Mann etwas Perverses verlangt (Ansehen von Pornografie, Analsex und Ähnliches), gilt dieser Gehorsam ausnahmsweise nicht, so Michael Pearl in einem Einschub. Ansonsten: immer.
  • Im zweiten Teil benutzt Debbi Pearl die oben genannten Verse aus Titus 2 und behandelt jedes der dort genannten acht Stücke. Sie legt diese Punkte praktisch auf die Frau aus. Das tut sie, nachdem sie im ersten Teil gelehrt hat, dass die Frau nicht lehren darf (1. Tim 2) und sich in allem dem Mann unterordnen muss und keinen Platz in der Öffentlichkeit hat. Das zeigten auch die Beispiele von Debora und Priszilla.

Kritik

Man könnte mit dieser „Beschreibung“ des Buches schon aufhören. Den meisten Lesern des Wortes Gottes dürfte jetzt schon aufgefallen sein, dass hier etwas nicht stimmt. Dennoch gehe ich auf einige grundsätzliche Punkte ein, die hoffentlich viele davor bewahren, sich ein solch unbiblisches Buch zu kaufen.

  • Eine Frau (Debi Pearl) besteht darauf, dass die Frau sich in allem einen Platz der Unterordnung einnehmen müsse und nicht lehren dürfe. Zugleich aber will sie mit diesem Buch viele Frauen (und dadurch auch Männer) belehren. Der Widerspruch ist offensichtlich.
  • Dieses Buch lehrt, dass die Frau ihrem Ehemann gehorsam sein müsse. Das ist unbiblisch. Die Frau soll sich dem Mann unterordnen – damit ist die Position der Frau im Vergleich zum Mann gemeint. Von Gehorsam ist keine Rede. Der Vers, der aus Sicht mancher andeuten könnte, dass eine gläubige Frau doch ihrem Ehemann gehorsam sein soll, steht in 1. Petrus 3. Dort wird aber den gläubigen Frauen keineswegs gesagt, dass sie– wie Sara – dem Ehemann gehorsam sein sollten. Vielmehr wird die Haltung, die Sara ihrem Mann gegenüber hatte, zweifellos auch kulturbedingt, als beispielhafte Gesinnung vorgestellt. Und das ist sie auch. Von Gehorsam aber lesen wir in diesem Zusammenhang im Unterschied zu Kindern, die den Eltern gehorsam sein sollen, nichts.
  • Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass in diesem Buch die Position der Frau charakterisiert wird als eine Sklavin ihres Ehemannes. Sie soll alles, was ihr Mann möchte, sofort und mit freudigem Lächeln tun – sei es im Haushalt, sei es in der Erziehung, sei es, was die Käufe für Haus, Hof und Küche betrifft, auch im Bett. Immer soll sie ihrem Mann zur Verfügung stehen, und zwar für alles, was er will und fordert (nur Analverkehr sei ausgeschlossen davon). Dem sexuellen Bereich wird ein ganzes Kapitel gewidmet (K. 16) und auf ein weiteres merkwürdiges Buch (Auslegung zum Hohenlied: Heiliger Sex) verwiesen. Wenn die Frau ihrem Mann nicht so oft, wie er möchte, zur Verfügung steht, ist sie verantwortlich, dass er in Hurerei verfällt. Viele Beispiele zeigen, dass ein Mann ganz unabhängig von der ehelichen Hingabe seiner Frau in Hurerei kommen kann.
    Diese Hinweise zeigen deutlich, dass die Autoren ein Verhältnis von Mann und Frau lehren, dass es durch fehlgeleitete Kulturen früher gab, was aber keine Grundlage in Gottes Wort findet. Die Frau ist gerade nicht Sklavin ihres Mann, sondern ihm als Hilfe gegeben. Der Mann soll nicht über die Frau herrschen, wie es in diesem Buch heißt (283), sondern er soll sie lieben (Eph 5) – das heißt, ihr dienen! Dieses Buch bereitet den Weg zu einem egozentrischen Mann, der sich selbst zum Mittelpunkt seines Lebens macht und nicht Gott, der sich bedienen lässt, anstatt seiner Frau zu dienen (sie zu lieben).
  • Zudem meinen die Autoren, dass ein Mann durch die lächelnde Frau gewonnen wird und durch ihre Hingabe von seinem fleischlichen Lebensstil geheilt wird. Wer ein bisschen Gottes Wort kennt, weiß, dass wir Männer vielfach völlig anders gestrickt sind und durch solch ein Verhalten eher weiter fleischlich leben.
  • Es werden sogar Beispiele genannt, dass eine Frau ihrem Mann nicht einmal einen Hinweis geben dürfe zu einem günstigeren Produkt. Damit würde sie die Freude ihres Mannes, der ihr Gutes tun wolle, zerstören und sich selbst unglücklich machen.

Zusammenfassung

Natürlich gibt es an manchen Punkten einen gewissen „Kern“, der nicht verkehrt ist. Wenn Frauen leicht geneigt sind, zu meckern, sich zu beschweren, undankbar zu sein, wenig praktische Liebe zu erweisen, selten ein Lächeln auf die Lippen bekommen, gerne die erste Geige spielen wollen – ob offensichtlich, oder wie Debi Pearl auf indirekte Art und Weise – dann sind manche Hinweise in diesem Buch durchaus wahr und können das Herz und Gewissen ansprechen.

Aber in der Art und Weise, wie dieses Buch geschrieben wurde, kann man nur von der Lektüre dieses Buches abraten. Und man könnte hier noch viele Einzelheiten nennen, die man beim Lesen notieren muss.

Man kann Zeit, Geld und Energie sinnvoller einsetzen für Bücher, die in Übereinstimmung mit Gottes Wort über die Rolle, Aufgabe und Stellung einer gläubigen Frau in Ehe und Familie geschrieben worden sind.

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