Die Einheit des Geistes bewahren (2) – niemals aufgeben!

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  1. Die Bekehrung des Kornelius (Apg 10-11)

Dies war vielleicht ein noch kritischerer Moment als der vorhergehende, da die jüdischen Gefühle gegenüber den Heiden viel ausgeprägter waren als gegenüber den Samaritern.

Die Vorsehungsmaßnahmen Gottes waren vielfältig:

  • der Engelsbote an Kornelius;
  • die Vision, die Petrus gewährt wurde;
  • die augenblickliche Gabe des Geistes bei der Aufnahme des Evangeliums, ohne dass eine Taufe stattgefunden hatte, wie es bei dem Juden in Apostelgeschichte 2 der Fall war,

Das machte es jedem Juden, wie groß seine natürlichen Vorurteile auch sein mochten, unmöglich, die Taufe und die formelle Aufnahme dieser heidnischen Gläubigen zu verbieten. All dies zeigt uns, wie Gott am Werk war und die Ereignisse so steuerte, dass jedes Hindernis, das der völligen Verschmelzung von Juden und Heiden in dem einen Leib Christi hätte entgegenstehen können, hinweggefegt wurde.

Auf der menschlichen Seite war das herausragende Merkmal das Handeln des Petrus, der „einige Brüder von Joppe“ (Apg 10,23), „diese sechs Brüder“ (Apg 11,12), mit sich nahm. Mit dieser klugen Handlung sorgte er nicht nur dafür, dass es genügend Zeugen für das gab, was wirklich geschah. Er räumte zudem jeden Verdacht aus, dass er hinter dem Rücken seiner Brüder handelte. Es gab nichts Hinterhältiges, keinen Versuch, eine heikle Frage außerhalb der Gemeinschaft mit seinen Brüdern zu regeln.

Die Auswirkung davon ist in Apostelgeschichte 11 zu sehen. Als in der Konferenz in Jerusalem einige Brüder mit sehr einschränktenden Ansichten Schwierigkeiten aufwarfen, waren die Beweise so schlüssig, dass die Judenchristen am Ende das Werk Gottes unter den Heiden anerkannten und Gott dafür verherrlichten.

  1. Die Kontroverse über das Gesetz (Apg 15)

Dies war vielleicht die gefährlichste Krise von allen. Obwohl Heiden in die Gemeinschaft und die Vorrechte der Versammlung Gottes aufgenommen wurden, gab es doch viele jüdische Gläubige, die eine judaisierte oder gesetzliche Form des Christentums beibehalten und damit die Bekehrten aus den Heiden judaisieren wollten. Dagegen wehrten sich Paulus und seine Mitstreiter energisch.

Galater 2,1-5 wirft ein Licht auf dieses Ereignis und zeigt, wie kompromisslos Paulus war, weil er sah, dass eine lebenswichtige Wahrheit auf dem Spiel stand. Es zeigt auch das Wirken der göttlichen Vorsehung, dass Paulus in dieser Angelegenheit „durch Offenbarung“ nach Jerusalem ging. Die Versammlung in Antiochia „ordnete an, dass Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen zu den Aposteln und Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen sollten wegen dieser Streitfrage“ (Apg 15,2). Aber hinter den Kulissen war diese Offenbarung an Paulus der entscheidende Faktor.

Auf der menschlichen Seite bemerken wir drei Dinge: 

  1. Der Gehorsam des Paulus und seiner Gefährten gegenüber der Offenbarung. Sie hätten natürlich das Gefühl haben können, dass sie ihre Sache aufgeben würden. Zwar wussten sie, dass ihre Überzeugung richtig und äußerst wichtig war. Aber was würde geschehen, wenn sie sich bereit erklärten, in die Stadt zu gehen, in der der Einfluss ihrer Gegner außerordentlich groß war? Sie setzten sich über alle natürlichen Gefühle und Berechnungen hinweg und gehorchten.
  2. Es wurde eine freie, aber nüchterne Diskussion zugelassen. Der Fall wurde von beiden Seiten offen dargelegt. Es wurde nicht versucht, Punkte zu sammeln, indem man sich auf ein Niveau herabließ, das manchmal von Anwälten bei Gerichtsverhandlungen an den Tag gelegt wird. Es fand viel Wortwechsel statt, wie es in Vers 7 heißt. Aber die Wahrheit ist groß, und deshalb fürchtet sie keine Untersuchung.
  3. Schließlich nannte Petrus Fakten und Jakobus zitierte die Heilige Schrift und verkündete dann sein Urteil, das sich auf beide stützte und dem alle Anwesenden zustimmten. Die Tatsachen und die Schrift, die diese Tatsachen interpretierte, setzten sich durch. Es gab keinen Einspruch zu diesen Dingen. Sie waren schlüssig, und alle beugten sich vor ihnen.
  • Ist es nicht offensichtlich, dass die Geschichte der Kirche durch die Jahrhunderte hindurch ganz anders verlaufen wäre, wenn ein ähnlich weises Verfahren befolgt worden wäre, unterstützt von einem ähnlichen Verlangen nach der Einheit der Heiligen Gottes als Glieder des Leibes Christi?
  • Und ist es nicht ebenso offensichtlich, dass, obwohl die Geschichte der Kirche so voller Versagen und Zerrüttung war, unsere Verantwortung, die Einheit des Geistes zu bewahren, immer noch besteht, und dass diese Schriften dazu beitragen können, uns weise zu machen, um uns vor weiteren Zerrüttungstendenzen zu bewahren?

Entnommen aus Scripture Truth Vol. 40, 1959-61, Seite 273 & Vol. 7, Seite 326 ff.

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