Die Einheit des Geistes bewahren (1) – Gottes Vorsehung und die Verantwortung der Apostel

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Die Anlässe waren folgende:

  1. Das Murren der Griechen gegen die Hebräer (Apg 6).
  2. Das Evangelium unter den Samaritern (Apg. 8).
  3. Die Bekehrung der ersten Heiden - Kornelius und seine Freunde (Apg 10, 11).
  4. Die Kontroverse über das Gesetz Moses und die Heiden (Apg 15).

In jedem Fall sehen wir, wie die störenden Kräfte, die am Werk waren, eingedämmt und besiegt wurden, und ein kurzer Überblick über sie kann für uns heute von Nutzen sein.

Zwei Dinge stechen dabei besonders hervor und müssen sorgfältig unterschieden werden. Erstens die Weisheit Gottes, die im Hintergrund vorsorglich gewirkt hat, und zweitens die Gnade und Weisheit der Apostel und der ersten Christen, die das menschliche Element in diesem Fall waren.

Was das Erstere betrifft, können wir es nur mit Verwunderung betrachten und dafür beten, dass in der heutigen Zeit, in der so viel Unheil angerichtet worden ist, eine ähnliche Vorsehung für die Heiligen Gottes noch wirksam sein möge. Was das Letztere betrifft, wollen wir es mit geübtem Gewissen zur Kenntnis nehmen und innerlich verdauen, damit wir wenigstens lernen, wie wir „die Einheit des Geistes im Band des Friedens“ (Eph 4,3) besser bewahren können. Wir werden dadurch erneut beweisen, wie diese von Gott eingegebenen Schriften „zur Zurechtweisung und zur Unterweisung in der Gerechtigkeit“ nützlich sind.

1) Das Murren der Griechen (Apg 6)

Alle Streitenden in diesem Fall waren, was ihre Abstammung betrifft, Juden. Die einzigen Unterschiede bestanden in Fragen der Erziehung und der Tradition. Die griechisch sprechenden Juden, deren Vorfahren lange Zeit außerhalb der Grenzen Palästinas gelebt hatten, hatten natürlich eine andere Sicht der Dinge als die hebräisch sprechenden Juden, die im Land unter strengster Ordnung behütet worden waren. Verdächtigungen konnten daher leicht aufkommen und wurden auch schnell geäußert. Die Angelegenheit selbst, um die es ging, war eigentlich alltäglicher Art.

Das Wirken der göttlichen Vorsehung in diesem Fall ist nicht klar ersichtlich. Die menschliche Seite ist jedoch deutlich genug. Wir möchten drei Dinge nennen.

  1. Die Apostel haben sich mit der Schwierigkeit befasst, sobald sie offensichtlich Sie haben nicht gewartet, bis sie sich ausbreitet und wächst. „Seht, wie groß die Sache ist, die ein kleines Feuer entfacht!“
  2. Sie ließen sich durch solche Meinungsverschiedenheiten nicht von ihrem großen Werk, der Verkündigung des Wortes, ablenken, sondern legten die Verantwortung für eine gottgefällige Lösung auf die gesamte Gemeinschaft der Heiligen.
  3. Die Gläubigen erkannten insgesamt, dass dies eine Gelegenheit war, ihr Interesse an diesen Griechen, die mehr oder weniger Fremde in ihrer Mitte waren, auszudrücken und zu bekräftigen. Sie wählten daher als Aufseher Männer, deren Namen darauf hinweisen, dass sie hauptsächlich aus den griechisch-sprachigen Juden (Heiligen) ausgewählt wurden. Die Uneigennützigkeit hat gesiegt. Das Misstrauen wurde zerstreut.

2) Das Werk in Samaria (Apg 8)

Hier gab es eigentlich keine Uneinigkeit. Es war eher ein Fall von Vorbeugung als von Heilung. Die Antipathie zwischen Juden und Samaritern war schon lange vorhanden. Schriftstellen wie 2. Kön 17,24-41 und Joh 4 geben uns darüber Aufschluss. Vor diesem Hintergrund lässt sich leicht erkennen, wie Philippus' sehr erfolgreiche Evangelisationsarbeit eine gefährliche Frage aufzuwerfen imstande war.

Einerseits wollte die aus jüdischen Gläubigen bestehende lokale Versammlung in Jerusalem vielleicht jede echte Verbindung mit Gläubigen aus den Reihen ihrer verachteten Rivalen ablehnen. Andererseits wäre es nur natürlich gewesen, wenn die örtliche Versammlung in Samaria ihre eigenen Gefühle pflegte und sich weigerte, sich in irgendeiner Weise von der Autorität der Apostel in Jerusalem leiten zu lassen. Auf diese Weise hätte der Fallstrick einer Spaltung schon früh in Form einer samaritanischen „Kirche“ und einer Jerusalemer „Kirche“ auftreten können.

Im Gegensatz zur erstgenannten Begebenheit wird in diesem Kapitel vor allem das Wirken der Vorsehung Gottes erwähnt. Philippus predigte, viele glaubten und ließen sich taufen, aber sie empfingen nicht den Heiligen Geist. Das übliche Verfahren wurde in diesem Fall nicht angewendet. Erst, als die beiden Apostel mit Gebet und Handauflegung – als Symbol für die Identifikation der Apostel und der Heiligen in Jerusalem mit den Gläubigen in Samaria – auf den Plan traten, wurde der Heilige Geist gegeben. Durch diese einfache Abwandlung Gottes war es für die jüdischen Gläubigen unmöglich, die Samariter zu verwerfen, oder für die Samariter, ihre Unabhängigkeit von den Juden zu erklären.

Auf der menschlichen Seite müssen wir nur die Tatsache beachten, dass die Apostel sich der Führung Gottes unterwarfen. Sie versuchten nicht, ihren natürlichen Vorurteilen freien Lauf zu lassen, indem sie Philippus ein unregelmäßiges Vorgehen anprangerten oder das Fehlen der Gabe des Geistes als Grund dafür anführten, das gesamte Werk in Samaria abzulehnen, wenn nicht gar ganz zu verwerfen. Sie beugten sich der souveränen Gnade Gottes und wählten aus ihrer Mitte zwei aus, die zu den allerhöchsten Aposteln gehörten - Petrus und Johannes -, um nach Samaria zu gehen.

Entnommen aus Scripture Truth Vol. 40, 1959-61, Seite 273 & Vol. 7, Seite 326 ff.

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