29.07.2011 Dienst | Persönlicher Glaube

Eine letzte Warnung

In der Bibel finden wir einige Beispiele dafür, dass der Herr Jesus Menschen ein letztes Mal warnt, bevor Er Gericht übt. Er tut dies bei ungläubigen Menschen, die das ewige Gericht - das ewige Verlassensein von Gott - erdulden müssen, wenn sie nicht auf die Warnung hin umkehren. Und wir finden es auch bei gläubigen Menschen, die der Herr in seinen Regierungswegen straft und zuweilen sogar abruft, wenn sie auf seine Warnungen nicht hören. Auf letzten Warnungen liegt ein ganz besonderer Ernst. Die Frage ist, ob der Mensch, ob wir diese ernst nehmen.

Judas Iskariot

Eine solche letzte Warnung finden wir bei Judas Iskariot. In Lukas 22 lesen wir, dass der Herr sagte: „Doch siehe, die Hand dessen, der mich überliefert, ist mit mir auf dem Tisch. Denn der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie es beschlossen ist; wehe aber jenem Menschen, durch den er überliefert wird!" Judas Iskariot hätte sich während der gut drei Jahre des vollkommenen Dienstes und Wandels des Herrn Jesus bekehren können. Er hat diese Zeit dafür nicht genutzt. Wahrscheinlich hat er sogar selbst Menschen zur Buße aufgerufen, als der Herr Jesus ihn mit den anderen Jüngern aussandte, obwohl er selbst nie Buße getan hat.

Besonders am Ende des Dienstes Jesu wurde Judas Iskariot persönlich angesprochen, denken wir nur an die Gelegenheit, bei der Maria den Herrn mit dem kostbaren Salböl salbte (Joh. 12). Nun, ganz zum Schluss, kurz bevor er die Gräueltat des Verrates an Jesus verüben würde, hört Judas Iskariot noch einmal von Ihm, welche Folgen seine Tat haben würde. Judas Iskariot hat diese Worte nicht in sein Herz und Gewissen aufgenommen, und wird vom Herrn als „Sohn des Verderbens" (Joh. 17,12) bezeichnet, der in ewiger Gottesferne von Pein geplagt wird. Das Beispiel des Jüngers Judas Iskariot zeigt, dass es nicht reicht, Ihm (äußerlich), scheinbar zu dienen.

Die Korinther

„Ich habe zuvor gesagt und sage zuvor, wie das zweite Mal anwesend und jetzt abwesend, denen, die zuvor gesündigt haben, und den Übrigen allen, dass ich, wenn ich wiederum komme, nicht schonen werde" (2. Kor. 13,2). Der Apostel Paulus hatte in Korinth eine segensreiche Tätigkeit von eineinhalb Jahren gehabt (Apg. 18,10). Kurze Zeit später hat Paulus jedoch von dem schlechten Zustand der Korinther Nachricht erhalten. Daraufhin schreibt er einen ersten Brief, in dem er den Korinthern den Spiegel der Gedanken Gottes vorhält und sie angesichts einer Menge von nicht geordneten Sünden in das Licht Gottes stellt.

Die Korinther nehmen diesen Brief ernst und beugen sich unter das Wort des Herrn, indem sie Buße tun. Dennoch gestatten sie in ihrer Mitte weiterhin das Wirken falscher Lehrer. Zudem lassen sie offenbar nicht von bestimmten Sünden. Das bringt den Apostel dazu, ihnen noch einen zweiten Brief und darin eine letzte Warnung zukommen zu lassen, bevor er selbst kommen würde, um mit seiner apostolischen Autorität zu beurteilen, zu verurteilen und zu strafen. Das war nicht das Ziel des Apostels, denn er wollte auferbauen und nicht zerstören (2. Kor. 13,10). Aber wenn die Korinther nicht bereit wären, auf seine Worte und damit auf die Worte des Herrn zu hören, dann würde er mit großer Strenge kommen müssen.

Wir haben heute keine Apostel und somit auch keine apostolische Autorität mehr. Aber der Herr hat sich nicht verändert. Er hat der Versammlung (Matth. 18,18-20) und Brüdern (Röm 16,17; 1. Thes 5,14; Tit 3,10) Autorität gegeben. Auch hat er den Dienst von Ältesten und Aufsehern eingerichtet (1. Tim. 3). Schließlich greift Er selbst in seiner Regierungsgewalt ein, gerade wenn wir vielleicht meinen, aufgrund der nicht mehr existierenden Autorität von Aposteln nicht auf das Wort des Herrn hören zu müssen, das Er durch seine Diener an uns richtet, die das Wort Gottes weitergeben. Wir lesen dazu in 1. Kor. 11,29-32: „Denn wer unwürdig isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst Gericht, indem er den Leib nicht unterscheidet. Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen. Wenn wir uns aber selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden." Auch in Offenbarung 1-3 appelliert der Herr Jesus in richterlicher Autorität an die Versammlungen.

Wir wissen nicht sicher, ob die Korinther diese letzte Warnung zu Herzen genommen haben. Es hat jedoch den Anschein, dass die ernsten Worte bei den Korinthern zur Umkehr geführt haben, denn Paulus kann den Brief an die Römer aus Korinth in Übereinstimmung mit den dortigen Geschwistern schreiben. Wenn man wirklich umkehrt, nachdem der Herr gewarnt hat, dann hat der Herr sein Ziel erreicht.

Die Epheser

Auch die Sendschreiben stellen eine letzte Warnung dar. Nicht nur, dass sie Teil des (zeitlich) letzten Buches sind, das Gott inspiriert hat. Sie sind in diesem Sinn auch die letzten Worte des letzten (lebenden) Apostels. Welchen Eindruck hat dieser Appell bei den Empfängern hinterlassen? Sicher, diese wussten nicht, dass Johannes danach keine inspirierten Briefe mehr schreiben würde. Und doch sind diese Warnungen ihrem Charakter nach abschließend.

Die Epheser gehörten zu den Christen, die in der Anfangszeit ganz besonders Belehrungen über die Versammlung und die Verbindung der Gläubigen mit dem verherrlichten Herrn erhalten haben (Epheserbrief). Darüber hinaus wissen wir, dass der Apostel Paulus die Ältesten aus Ephesus in einer zu Herzen gehenden Weise über den Verfall belehrte, der bevorstand (Apg. 20). Später wurden die Epheser durch Timotheus über die Ordnung im Haus Gottes und über den Verfall in der Christenheit unterwiesen.

Leider hat das nicht verhindern können, dass die Geschwister in Ephesus ihre erste Liebe verließen. Das muss ihnen der Apostel Johannes vorstellen (Offb. 2,4). Er war die dritte Person, die der Herr nach Paulus und Timotheus zur Auferbauung und Zurechtweisung der Epheser benutzt, damit diese den Kern des Christenlebens, nämlich Christus, nicht aus den Augen verlören. Wie zeigt das die Zuneigung und Sorgfalt des Herrn, der sich so eingehend und liebevoll mit den Seinen beschäftigt. Haben sie diese letzte Warnung beachtet? Wenn sie es getan haben, dann hat Er sich durch das Aufrechterhalten seines Leuchters in ihrer Mitte weiter zu ihnen bekannt.

Vielleicht sendet der Herr auch uns – persönlich oder gemeinsam – heute eine letzte Warnung: Kehre um von einem falschen Weg, von eigenwilligen Gedanken, von irrigen Verbindungen. Auf ein innerliches Erkalten folgt schnell Weltförmigkeit, was Niedergang bedeutet. Auf Verfall folgt leicht Zerfall, und auf Zerfall Abfall, wenn man Warnungen in den Wind schlägt. „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt."