Instrumentabegleitung im Gottesdienst

Lesezeit: 3 Min.

Frage:

Was ist von Instrumentalbegleitung im Gottesdienst zu halten? Weist das Wort „Psalmen“ in 1. Korinther 14,26 darauf hin, dass das Singen in der Anfangszeit des Christentums von Instrumenten begleitet wurde?

Antwort:

Das Wort Psalmen kann ja sowohl Singen als auch Spielen bedeuten. Das Substantiv wird im Wörterbuch von Bauer/Aland nur mit (christlicher) Lobgesang bzw. Psalm wiedergegeben. Die Frage ist, was an den genannten Stellen gemeint ist. Ich möchte kurz erläutern, warum ich glaube, dass es hier nicht um ein instrumentalbegleitetes Singen geht:

a) Wir finden in der Apostelgeschichte und in den Briefen keinen einzigen Hinweis auf Instrumente, die im Gottesdienst oder in einer anderen Zusammenkunft verwendet worden wären. Das macht immer vorsichtig, anders zu handeln. Das macht auch vorsichtig, eine Vokabel, die „spielen“ oder Instrumentalmusik meinen kann, so zu verstehen. In dem Heft „Instrumental Music in Christian Worship and Testimony: Has It a Scriptural Sanction?“ von C. H. Brown, der mehrere Untersuchungen des Wortes lobsingen, psallo, zitiert mit der Schlussfolgerung, dass in der Zeit der Abfassung des NT „psallo“ einfach singen, lobsingen meinte, und nichts mit instrumentaler Musik zu tun gehabt habe.

b) In der AT-Zeit spielten äußere Dinge (wie Gebäude, Kleidung, Instrumente, etc.) eine große Rolle. Der jüdische Glaube ist ein Glaube, der viel mit Sichtbarem zu tun hat. Die christliche Zeit ist dagegen eng mit dem Glauben an den Unsichtbaren verbunden. Daher finden wir nicht, dass Gebäude, glänzende Kleider oder auch Instrumente betont werden. Im Alten Testament geht es um einen materiellen Gottesdienst, im NT um einen geistlichen. Hierfür braucht man keine Instrumente.

c) In 1. Korinther 14,26 handelt es sich bei den genannten Äußerungen immer um etwas Geistliches, das mit dem Mund ausgesprochen (oder beim Psalm eventuell gesungen) wird. An keiner Stelle ist von (technischen) Hilfsmitteln die Rede. Der Zusammenhang lässt nicht darauf schließen, dass dies einzig bei dem Psalm der Fall sein sollte.

d) In Epheser 5,19 wird geradezu ein Gegensatz zu Instrumenten erwähnt: in eurem Herzen. Auf Instrumente ist hier kein Hinweis zu finden, sie stünden direkt im Gegensatz zu der Betonung des „geistlichen“ Inhalts und des Herzens. Das gilt parallel für Kolosser 3.

e) Der Vers in Jakobus 5,13 ist für diese Frage insofern hilfreich, als in diesem Brief, der noch einen jüdischen Charakter trägt, unmittelbar danach von einer äußeren Handlung (mit Öl salben) gesprochen wird. Aber bei den Psalmen ist von "singen", nicht von singen und spielen etc. die Rede.

Man mag noch einwenden, dass in Epheser 5 ja von dem Singen „im Herzen“ die Rede ist, aber offenbar doch ein hörbares Singen (in Verbindung mit redend zueinander) gemeint sein muss. Nach meinem Verständnis ist das aber kein Gegensatz. Denn der geistliche Inhalt (z. B. auch in 1. Korinther 14) muss natürlich „gehört“ werden können von dem anderen, sonst könnte er nicht zu Erbauung dienen. Und wenn von Liedern die Rede ist, wird damit ausgedrückt, dass gesungen wird - denn Lieder zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine Melodie haben. Daraus zu folgern, dass man außerdem noch Instrumente nötig hätte, geht dann aber doch über das Wort und den Text hinaus.

Abschließend möchte ich noch ergänzen, dass jemand, der eine zu starke Betonung auf die Musik und den Ausdruck des Singens legt, sehr nahe bei Instrumentalmusik ist. Je mehr die Form des Liedes in den Mittelpunkt gerät, umso materieller wird das Lied und umso weniger geistlich ist das Singen. Daher bin ich sehr dafür, dass man versucht, „richtig“ zu singen, ohne jedoch aus dem Singen ein Konzert zu machen ...

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