27.12.2005Persönlicher Glaube

Wer sich zweimal in Gefahr begibt ...

Osthoff - ein zweites Mal in dieselbe Gefahr begeben?

Dieser Tage war zu lesen, dass sich die vor kurzem im Irak entführte und dann nach großen diplomatischen Bemühungen wieder befreite Susanne Osthoff wieder zurück in den Irak begeben möchte. Viel Kritik von allen Seiten muss sie dafür einstecken: Sie begebe sich erneut und unnötig in Gefahr.

Kein Mensch - auch kein Gläubiger - kann heute gefahrlos leben. Dabei geht es jetzt nicht so sehr um körperliche Gefahren wie bei Osthoff, sondern um moralisch-ethische oder auch lehrmäßige Gefahren.

Für viele Gefahren sind nicht wir zuständig!

Joseph lebte in Ägypten in der Gefahr (1. Mose, Kapitel 37 und 39), von einer Frau - der Frau des Verteidigungsministers vom Pharao - verführt zu werden. Dieser Gefahr war er ausgesetzt, ohne dass er etwas dafür konnte. Es war nicht sein Fehler, in ihrer Nähe zu sein. Gott hatte das so geführt, so zugelassen.

Das trifft oft auch auf unser Leben zu. Wir leben in der Gefahr nicht dadurch, dass wir einen Fehler begangen hätten. Sondern einfach deshalb, weil wir dort leben, wo wir eben wohnen, arbeiten, studieren, zur Schule gehen etc.

Aber - und das ist die andere Seite: Wir können uns oft auch unnötig in Gefahr begeben. Und kaum hat uns der Herr Jesus aus einer Gefahr gerettet, befreit, rennen wir Kopf über wieder in dieselbe Gefahr hinein.

Beispiel 1: Abraham

Dafür gibt es manche Beispiele in der Bibel. Ein erstes ist zum Beispiel Abraham. Wir lesen: „Und Abram zog fort, immer weiter ziehend, in den Süden ... Er sprach zu Sarai, seiner Frau: Siehe doch, ich weiß, dass du eine Frau, schön von Aussehen, bist ... Sage doch, du seiest meine Schwester“ (1. Mose, Kapitel 12, Verse 9 bis 13). Abraham hatte Angst um sein Leben. Er sah, dass seine Frau sehr schön war. Die wollte vielleicht jemand haben in Ägypten. Also musste eine Lösung her, damit sein Leben gerettet würde. Sie sollte seine Schwester sein.

Abraham meinte, der körperlichen Gefahr so entgehen zu können und merkte nicht, dass er der Gefahr der Lüge, der Verachtung seiner Frau - denn darum handelte es sich - erlag. Dennoch half ihm Gott und rettete ihn aus diesen Nöten.

Man fragt sich: Wie kann es sein, dass man dieselbe Geschichte (nur im Land der Philister) in Kapitel 20 wieder liest. Hat er die Gefahr nicht erkannt, dass er sich von Gott entfernte? Er begab sich ein zweites Mal in Gefahr - und fiel ein zweites Mal. Diesmal muss er sich eine regelrechte Strafpredigt des Königs der Philister anhören.

Beispiel 2: Lot

Auch bei dem Neffen Abrahams, Lot, finden wir dieses zweimalige Fallen. In 1. Mose, Kapitel 13 lesen wir, dass er für sich die Wahl der Weideplätze für seine Tiere einfach nach seinen Augen fällte. „Und Lot erhob seine Augen und sah die ganze Ebene des Jordan, dass sie ganz bewässert war ... Und die Leute von Sodom waren sehr böse und große Sünder vor dem HERRN“ (1. Mose, Kapitel 13, Verse 10 bis 13).

Sodom - ein Bild der Welt, der bösen Gesellschaft bis heute - war eine Gefahr für Lot. Er erlag dieser und machte gemeinsame Sache mit diesen bösen Leuten. Dadurch kommt er in Gefangenschaft (Kapitel 14). Lernt er daraus? Leider nein!

Nur einige Jahre später lebt er nicht nur in Sodom, sondern gehört zu den wichtigsten Leuten dieser Stadt. Und verliert alles in seinem Leben - seine Frau, seine Kinder, seine Ehre, seinen Besitz und sein Geld. Elendig muss er sein Leben (mit Inzest) zu Ende führen.

Und bei uns?

Ist es nicht bei uns oft genauso? Wir sehen, dass wir in Gefahr stehen, einen falschen Weg zu gehen, einen falschen Schritt zu tun, etc. Dann beten wir zum Herrn - Er erhört uns und rettet uns. Aber anstatt uns dadurch warnen zu lassen, gehen wir ein zweites Mal in dieselbe Gefahr. Und kommen dann viel schneller und stärker unter die Räder. Ob uns Abraham und Lot als Hilfe und abschreckendes Beispiel helfen?