19.06.2016 Matthäus | Persönlicher Glaube

Der große Glaube von Petrus

Wir wissen nur von zwei Menschen in der langen Menschheitsgeschichte, die auf Wasser gelaufen sind: Christus und Petrus. Das deutet an, was für eine gewaltige Leistung Petrus hier vollbracht hat, genauer gesagt, was Jesus für ein Wunder für Petrus bewirkt hat. Wir alle trauen das Christus zu - „Im Meer ist dein Weg, und deine Pfade sind in großen Wassern, und deine Fußstapfen sind nicht bekannt" (Ps 77,20) -, aber Petrus?

 

„Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf den Wassern. Er aber sprach: Komm!" Wer von uns hätte diesen Mut gehabt? Petrus hatte ihn. Er ist nicht einfach aus dem Schiff ausgestiegen, um zu seinem Meister zu laufen. Er antwortete zuerst einmal auf die ersten Worte des Meisters und wartete dann auf den Auftrag zu kommen. Petrus war sich bewusst, dass der Herr hier die Gesetze der Schöpfung aushebelte. Kein Mensch kann auf Wasser laufen. Aber er sah, dass der Herr das tat. Und so bittet er seinen „Herrn" - wann immer die Jünger Christus angesprochen haben, nannten sie Ihn Herrn oder Meister! - dass Er ihn rufe.

 

Petrus wusste, dass er nur dann wie sein Herr auf dem Wasser laufen konnte, wenn dieser ihm dafür den Auftrag gab. Und genau das wollte er - diesen Ruf erhalten. Was für ein Mut spricht aus seinen Worten, und was für ein Glaube muss letztlich doch vorhanden gewesen sein, sonst könnten wir uns nicht vorstellen, dass Jesus ihn wirklich herbeigerufen hätte. Manche meinen, dass Petrus aus Sensationslust oder Neugierde, aus übermäßiger Begeisterung auf dem Wasser zu seinem Meister laufen wollte. Sie fühlen sich bestätigt darin, dass Petrus tatsächlich begann zu sinken. Aber wir dürfen diese beiden Phasen seines Laufens auf dem Wasser nicht miteinander verbinden. Ohne Glauben hätte Petrus zunächst einmal nicht auf Wasser laufen können - der Unglaube kam später.

 

Der bekannte Bibelausleger Charles H. Mackintosh sagte hierzu einmal sinngemäß: „Warum haben wir so wenig Glaubenserfahrungen mit unserem Herrn? Weil wir nicht den ersten Schritt aufs Wasser wagen. Wenn Petrus nicht gewagt hätte, auf das Wasser zu treten, so hätte er diese Erfahrung in seinem Leben nie gemacht!" Wir machen so wenig echte Glaubenserfahrungen, weil wir den Herrn so selten auffordern, uns einen konkreten Auftrag dieser Art zu geben.