21.01.2016Ehe & Familie

Darf die Sexualität uns als Christen nicht trennen?

Vor einiger Zeit widmete sich auch ideaSpektrum diesem Thema in einer Art Pro & Kontra. Während Rolf Hille, Pfarrer in Heilbronn und Professor an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen noch klar sagt, dass Gottes zeitloses Wort sich deutlich gegen das freie Aufnehmen homosexuell lebender Christen in der Gemeinde wendet, gibt es auch eine gegenlautende Meinung. Hille schreibt: „Wer andere nicht mit ‚sanftmütigem Geist‘ zurechthilft, verletzt die Liebe; wer ihnen die Eindeutigkeit der Bibel verschweigt, enthält ihnen die Wahrheit vor.“ Er fügt hinzu: „Seelsorge ist allerdings nur dann möglich, wenn der oder die Betroffene Erkenntnis der Sünde hat und wirklich Vergebung sucht.“

Demgegenüber schreibt Pfarrer Alexander Garth, der gerade unter jüngeren Christen viel Einfluss hat, dass die Gedanken über Sexualität Christen nicht trennen dürften, selbst wenn sie gegensätzlich sind. Jesus habe zudem über Homosexualität nichts gesagt. Damit suggeriert er: Also war Jesus auch nicht dagegen. Garth meint zwar, dass die Heilige Schrift sich an einigen Stellen kritisch mit Homosexualität auseinandersetze. Aber: „Man kann die Anweisungen der Heiligen Schrift nicht eins zu eins auf unsere Zeit übertragen.“ Dann verweist er darauf, dass doch auch konservative Christen die alttestamentlichen Aussagen zu Krieg, Todesstrafe, Ehescheidung, Reinheitsvorschriften, Sklaverei, Frauen in geistlichen Leitungsämtern usw. nicht als heute gültig ansehen würden. Nur im Blick auf Homosexualität würde man das fordern.

Das sind typisch aktuelle Argumente dagegen, gelebte Homosexualität abzulehnen. Sind sie haltbar?

Kann ein Christ eigentlich gegen die Todesstrafe sein? Gott hat sie Noah als Verantwortung übergeben, lange bevor es das Gesetz gab, das heißt, dass dieser Grundsatz bis heute gilt. Dasselbe lernen wir in einem „christlichen“ Brief, in Römer 13,4: „Sie trägt das Schwert nicht umsonst; denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der das Böse tut.“ Das ist die Aufgabe der Regierung, der wir Christen uns unterzuordnen haben. Wir kämpfen nicht für die Todesstrafe, diese ist aber nach diesen Worten des Apostels keinesfalls unchristlich, im Gegenteil!

Heißen wir Ehescheidung gut? Keineswegs, Gott hasst Ehescheidung (Mal 2,16), und auch im Neuen Testament lesen wir ausdrücklich, dass Gott die Scheidung ablehnt. Ja, es ist wahr, wir stehen nicht unter Gesetz, das immer nur für Juden gegeben wurde, wie das Alte und das Neue Testament ganz deutlich machen. Das heißt, die für dieses Volk gültigen Konsequenzen wie Steinigung etc. gelten nicht. Aber die Beurteilung von Ehescheidung bleibt bestehen. Sie ist auch im Neuen Testament niedergelegt.

Was die Reinheitsvorschriften betrifft, so finden wir in Römer 10,4, dass Christus das Ende des Gesetzes ist, das aber ohnehin – wie gesagt – nur für Juden galt. Paulus ist auch nicht gegen Sklaverei vorgegangen, obwohl sie sicher nicht nach den Gedanken Gottes war. Er gibt sogar sowohl den Sklaven als auch den Herren klare Vorschriften im Blick auf ihr Verhalten.

Was ist mit Frauen in geistlichen Leitungsämtern? Dazu allerdings ist das Neue Testament ganz klar: „Ich erlaube aber einer Frau nicht, zu lehren noch über den Mann zu herrschen, sondern still zu sein“ (1. Tim 2,12). Was soll man dazu sagen? Dieser Vers wird heute tatsächlich nicht nur in der evangelischen Kirche missachtet, sondern in fast allen christlichen Gemeinschaften. Zweifellos zum Schaden, denn alles, was wir nicht im Gehorsam gegenüber Gottes Wort tun, wird dazu führen, dass wir geistlichen Schaden erleiden.

Und genau damit schlägt Alexander Garth eine Kerbe in die Wunde vieler Christen: Was die Moral betrifft, waren sie bislang noch klar. Aber mit welchem Argument, wenn sie in anderen Fragen wie der Leitungsfunktion von Frauen dasselbe Wort Gotts missachten? Damit nehmen sie sich jedes Argument, wenn es um Bereiche wie Homosexualität usw. geht.

Leider argumentieren viele mit Alexander Garth wie folgt: Der Herr stelle beispielsweise bei der Prostituierten, die dem Herrn in Johannes 8 begegnet, das Prinzip Gnade über das Prinzip Strafe, das Prinzip Liebe über das Prinzip Gesetz. Ist das wahr? Was sagt der Herr der Frau: „Sündige nicht mehr!“ Denn wenn sie es weiter täte, würde das Gesetz seine ganze Anwendung finden auf sie. Aber Er verurteilt die scheinheiligen Juden, die meinten, sie wären besser als diese Frau, nur weil sie nicht so „öffentlich“ sündigen würden. Und das geißelt der Herr als Heuchelei.

Typischerweise wird in diesem Zusammenhang ein Wort herangeführt, dem man einen ganz anderen Sinn gibt, als wie Gott es gemeint hat: „Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig“ lesen wir in 2. Korinther 3,6. Soll das heißen, wir sollen das Wort Gottes nicht mehr wörtlich nehmen, sondern nur überlegen, was so ungefähr gemeint ist? Das ist überhaupt nicht der Gedanke des Apostels. Was aber meint Paulus? Er sagt, dass der Buchstabe des Gesetzes – das heißt das gesamte Gesetz – letztlich eine Verurteilung des Menschen bedeutet. Denn es gibt keinen Menschen, der in der Lage ist, das Gesetz zu halten (übrigens auch kein Christ). Der Geist – nämlich der Heilige Geist – dagegen bringt Leben, weil Er die neue Geburt in uns bewirkt und uns neues Leben schenkt. Es geht also gar nicht darum, dass wir Gottes Wort nicht genau nehmen sollen. Im Gegenteil – das sollen wir.

So zeigt sich, dass zur Verteidigung einer liberalen Haltung im Blick auf homosexuelles Leben alle möglichen Klimmzüge unternommen werden. Sie haben keinen Bestand, sondern führen dazu, dass man Gott und sein Wort nicht mehr ernst und genau nimmt. Das ist zu unserem persönlichen Schaden und nimmt uns jede Glaubwürdigkeit in unserem Zeugnis gegenüber der uns umgebenden Gesellschaft.

Wir wollen stattdessen zu Gott und seinem Wort halten und es in Liebe verwirklichen, auch den Menschen um uns her in Liebe begegnen. Das ganze müssen wir in einer Gesinnung der Demut tun, sonst werden wir kein Gehör finden. Unser Herr ist uns auch darin das vollkommene Vorbild.

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