05.07.2012 Persönlicher Glaube

Unergründliche Wege Gottes

Als Gläubige wissen wir, dass Gott nichts aus den Händen gleitet. Dass Satan nur in von Gott direkt gesteckten Grenzen tätig sein kann (vgl. Hiob 1,12; 2,6). Die natürliche Frage, die dann kommt: Warum, Gott, warum? Es ist keine Frage, die wir unterdrücken müssten. Auch der treue Prophet Habakuk hat eine solche Frage gestellt, nicht nur einmal (Hab 1,313).

Manchmal erhalten wir von Gott keine Antwort, jedenfalls nicht sofort. Das, was der Apostel Paulus anbetend ausspricht, wird dann unser Spruch in Ohnmacht und Sprachlosigkeit: „Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unergründlich seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen?" (Röm 11,33.34).

Als Menschen sind und bleiben wir leidige Tröster. Wer könnte dann, wenn jemand seinen Ehepartner verliert, wenn Eltern die Kinder verlieren und womöglich noch den Todessturz erleben, meinen, nach-vollziehen, mit-empfinden zu können? Es bleibt eine große Wahrheit des Christentums: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit" (1. Kor 12,26). Manchmal fragt man sich, „warum" alte, leidende, kranke Christen dahinsiechen müssen, während junge Christen, in ihrer Kraft, auch Glaubenskraft stehend, plötzlich abgerufen werden. Gott weiß es. Wie gut, dass wir darauf vertrauen dürfen, auch wenn wir das „warum" nicht ergründen können, oft nicht einmal das „wozu". Sicher wissen wir, dass alles, was Er tut, seiner Verherrlichung dient. Das hat Martha im Blick auf ihren Bruder nicht verstanden - und sie hat ihn wiedererhalten. Die Jünger hatten es auch nicht erfasst. Ob Maria das erkennen konnte? Ich weiß es nicht.

Wir wissen, dass wir einen vollkommenen Tröster in unserem Herrn Jesus Christus haben. Er hat mehr Leid erfahren als wir alle. Er kann trösten aus Erfahrung. Hat Er nicht seinen Freund Lazarus verloren? Hat Er nicht auch Joseph, der Ihn als Kind adoptierte, früh verloren? Wie war es mit Johannes dem Täufer, seinem Ihm so wertvollen Vorläufer?

Es liegt in der Natur von uns Menschen, dass wir uns Selbstvorwürfe machen. Hätten wir das nicht getan, ... Wären wir doch ..., dann. Aber diese Überlegungen führen zu keinem Ziel, so verständlich sie auch sind. Ich glaube auch nicht, dass Gott möchte, dass wir auf diese Weise versuchen, mit furchtbaren Erlebnissen klarzukommen. Natürlich ist es immer gut - aber das ist es immer! - dass wir uns im Selbstgericht üben. Das hat aber nichts konkret mit solchen Vorkommnissen zu tun. Denn die Ursachen, das „warum" und „wozu", sind meistens sehr, sehr vielschichtig. Wesentlich ist, dass wir in unserem Leben Trauer zulassen. Wenn wir das heute nicht tun, dann wird sich unser Organismus diese morgen selbst „holen". Und das ist weit schwerer dann physisch und psychisch zu verarbeiten, als wenn wir die Trauer in unserem Leid wirklich zulassen und auch „herauslassen". Nicht in jeder Situation, aber doch bewusst und auch mit Tränen und Emotionen verbunden. Hiob hat auch geweint und getrauert, gerade als er bereit war, alles seinem Gott und Herrn zuzuordnen: „Der Herr hat gegeben, und der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gepriesen!" (Hiob 1,21).

Wir brauchen nicht so schnell zu einer solchen Aussage zu kommen - jeder braucht seine Zeit. Auch Paulus und Silas brauchten Zeit zu singen - wie viel mehr wir in schweren Umständen. Wie leicht kann man sogar am Glauben verzweifeln, wenn schwere Erlebnisse kommen. Wie gut, dass Gott größer ist als wir und dass Er sich gerade in schwierigen Umständen als der Gott allen Trostes erweist.

Unser Meister erklärt uns manches nicht. Wir wollen uns auch nicht anmaßen, Antworten auf das „Warum" des Leides geben zu können. Aber Er ist ein Hirte, nicht nur der gute, der für  uns sein Leben hingab. Sondern auch der große, der jetzt vom Himmel aus für uns sorgt. „Auch wenn ich wanderte durchs Tal des Todesschattens, fürchte ich nichts Übles, denn DU bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich" (Ps 23,4). Ja, so empfinden wir es, wenn so etwas passiert: als einen Stecken und einen Stab. Wie anders könnten wir?

„Ich erhebe meine Augen zu den Bergen: Woher wird meine Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird nicht zulassen, dass dein Fuß wanke; dein Hüter schlummert nicht" (Ps 121,1-3). Gerade, wenn man das Gegenteil zu erfahren meinte, dürfen wir auf diesen Herrn mit Vertrauen sehen. Er ist es wert!