18.01.2010Persönlicher Glaube | Menschliches Zusammenleben

Die Beichte ist wieder im kommen

Viele denken, dass Martin Luther, als er mit der Römisch-Katholischen Kirche brach, nicht zuletzt wegen des dortigen Geld-Ablasses, auch mit der Beicht brach. Das aber tat er nicht. Offenbar hat er Zeit seines Lebens in Johannes Bugenhagen, dem Wittenburger Pfarrer, seinen Beichtvater. Jetzt scheint diese Art der inneren Befreiung wieder „in" zu sein. Vielleicht nicht so sehr in den Kirchengebäuden klassischer Prägung, als vielmehr im Internet. Die Beicht-Internetseiten scheinen einen besonders ausgeprägten Zulauf zu besitzen.

Das Problem: Hier lebt der Ablasshandel in moderner Form wieder auf. Nicht, dass man Geld bezahlen müsste für seinen Ablass und die Beichte. Aber es scheint ein modernes, kollektives Bedürfnis zu sein, sich von Fehlern freizumachen. Viele denken offenbar, durch eine halböffentliche Beichte vor Menschen würde ihnen ihr Fehlverhalten dann vergeben. Das aber kann dazu führen, dass man das Böse leichter nimmt - man kann es ja unerkannt bei diesen Beichtstühlen wieder abwerfen.

Beichte in der Bibel?

Ohnehin steht die Beichte auf äußerst tönernen Füßen. Wenn man sich die Bibelstellen anschaut, die für die Beichte angeführt werden, kann man nur den Kopf schütteln.

  • Matthäus 18,18: „Wahrlich, ich sage euch: Was irgend ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und was irgend ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein." Hier geht es darum, dass die örtliche Versammlung (Gemeinde) jemandem, der in Sünde lebt, diese Sünde aufbindet - er ist nach 1. Korinther 5,13 ein Böser und wir haben keine Gemeinschaft mit ihm. Oder jemand, der sie der örtlichen Versammlung bekennt, dem wird vergeben. Das hat sicher nichts mit Beichte, sondern mit der Zucht der örtlichen Versammlung, zu tun. Dieses Bekenntnis bleibt ja gerade nicht geheim, sondern wird durch das Vergeben öffentlich.
  • Matthäus 16,18: „Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was irgend du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was irgend du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein." Hier geht es darum, dass Petrus - und keinem „Nachfolger"! - die besondere Vollmacht übergeben worden ist, in der Anfangszeit des Christentums Schuld zu vergeben. Er hat das in Apostelgeschichte 2, 8 und 10 im Blick auf Juden, Samariter und Heiden getan. Dabei handelte es sich jedoch nicht um ein persönliches Sündenvergeben (obwohl es auch das gegeben haben mag, wie in Apostelgeschichte 3 bei dem Gelähmten), sondern in erster Linie darum, dass für bestimmte Bereiche von Menschen ein Weg des Segens geöffnet wurde. Mit Beichte hat das nichts zu tun.
  • Johannes 20,23: „Welchen irgend ihr die Sünden vergebt, denen sind sie vergeben, welchen irgend ihr sie behaltet, sind sie behalten." Hier ist diese Vollmacht, die wir im Blick auf Petrus gefunden haben, auch auf die Jünger übertragen worden. So finden wir in Apostelgeschichte 2 und 3 und vielen anderen Stellen Petrus nicht allein, sondern mit anderen der 11 Jünger in der Erfüllung dieser Aufgabe. Um persönliches Beichten geht es auch in diesem Bibelvers überhaupt nicht.

Bekennen vor Menschen?

Nach Martin Luther ist die Beichte zum einen das Bekennen der Sünden und zum anderen das Empfangen der Vergebung durch einen Menschen als von Gott. Nun ist es in der Tat notwendig, dass wir unsere Sünden bekennen. Davon zeugt Johannes in seinem ersten Brief (1. Joh 1,9; 2,2). Von einem dazwischen geschalteten Menschen lesen wir hier nichts.

Wenn wir gegen einen Menschen gesündigt haben, haben wir ihm ebenfalls unsere Sünden zu bekennen (vgl. Mt 5,23.24). Darüber hinaus haben wir diese Sünde Gott zu bekennen. Nicht, um ewige Vergebung zu erhalten - diese bekommen wir ein- für allemal, wenn wir unsere Sünden Gott einmal bekannt haben (vgl. 1. Joh 1,9). Aber, damit unser praktisches Leben wieder in praktischer Gemeinschaft mit Gott geführt werden kann.

Dann gibt es so schlimme Sünden, dass unsere Gemeinschaft innerhalb der (örtlichen) Versammlung (Gemeinde) betroffen ist (vgl. 1. Kor 5). Dann ist in der Tat ein Bekenntnis nötig, aber nicht vor einem einzelnen Menschen, sondern vor der Versammlung. Nicht öffentlich, aber doch so, dass die örtliche Versammlung ein solches Bekenntnis auch annehmen kann (es wird vor den Brüdern ausgesprochen, die einen solchen Ausgeschlossenen im Auftrag der Versammlung besuchen). Mit Beichte hat das nicht viel zu tun.

Mit anderen Worten: Bekennen - ja, das müssen wir vielleicht wieder neu lernen: vor Gott und vor demjenigen, gegen den wir gesündigt haben. Es wäre aber grundverkehrt, jetzt jede Sünde, die wir leider als Kinder Gottes begangen haben oder begehen, vor jemandem zu bekennen. Es handelt sich um eine Sache zwischen Gott und mir. Menschen haben damit nichts weiter zu tun. Gott möchte die Dinge nicht breittreten. Er will allerdings, dass wir Ihm gegenüber die Dinge mit Namen nennen und bekennen.