06.02.2009 Persönlicher Glaube | Menschliches Zusammenleben

Von Ja-Sagern und Nein-Sagern

„Nein" sagen lernen

Es gibt Christen, die können nicht „nein" sagen. Zum Beispiel, wenn ein ungläubiger Schulkamerad, Arbeitskollege oder Nachbar sie zu Aktionen einlädt, die ihr geistliches Leben in Gefahr bringen. Sie meinen, „nein" zu sagen stoße das Gegenüber so vor den Kopf, dass man ihn oder sie nicht mehr für das Evangelium gewinnen könne. Oder vielleicht können manche nicht „nein" sagen, weil sie dann „ihr Gesicht verlieren". Oder weil sie gerne mit dabei sein wollen, wenn die Schulkameraden unterwegs sind in der Kneipe, in der Disco oder beim Konzert, oder ...

Es ist für die wenigsten leicht, „nein" zu sagen, wenn die gesamte Klasse oder Kollegenschaft sich zusammentut, um ins Stadion oder sonst wo hinzugehen. Es sei denn, man ist vom Typ „Einzelgänger", solche haben es hier leichter. Dafür fällt es diesen Menschen oft schwer, ihre Kollegen auf das Evangelium der Gnade anzusprechen. Und das sollte unser aller Ziel sein.

 

Falsche Freundschaften

Wem es nicht so leicht fällt, „nein" zu sagen, der sollte sich immer wieder an den Vers erinnern: „Wisst ihr nicht, dass die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun irgend ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes" (Jak 4,4). Durchs Mitmachen mit ungläubigen Menschen bei ihren weltlichen Aktivitäten hast Du Gemeinschaft mit gottlosen Menschen in ihren weltlichen Zielen und Wünschen. Dadurch wirst Du zum Freund der Welt.

Falle auch nicht auf das scheinbar erfolgreiche Rezept der sogenannten „Freundschaftsevangelisation" herein. Hier will man Ungläubige zuerst zu Freunden machen, um sie dann für den Herrn Jesus zu gewinnen. Aber wie soll Gott etwas gutheißen, womit ich mich zu seinem Feind mache? Natürlich sollen wir unseren Nachbarn und Arbeits- sowie Schulkollegen gegenüber freundlich und höflich sein. Aber das ist etwas ganz anderes als eine Freundschaft. Natürlich sollte es auch unser Wunsch sein, das Vertrauen ungläubiger Menschen zu gewinnen und gute Beziehungen mit ihnen zu haben, so dass ein evangelistisches Wort, zur rechten Zeit in der rechten Art und Gesinnung ausgesprochen, annehmbar wird.

Möglicherweise wirst Du spätestens dann, wenn Du zweimal „nein" gesagt hast, zu einem Außenseiter, zumindest was Einladungen zu derartigen Aktivitäten betrifft. Oftmals wirst Du dann kein drittes oder viertes Mal mehr gefragt. Wenn Du Deine Absage mit Deiner christlichen Überzeugung begründet hast, dann kennt man auch Deine Einstellung. Und es ist gut, wenn wir als Christen erkannt werden, auch wenn das mit Spott und Nachteilen verbunden sein mag: „Die Jünger wurden zuerst in Antiochien Christen genannt" (Apg 11,26). Kann es etwas Besseres geben, als nach Christus benannt zu werden?

Wenn der Herr Jesus es so geführt hat, dass noch andere Gläubige in Deiner Klasse sind, umso besser. Dann könnt Ihr Euch gegenseitig stärken. Aber es könnte auch sein, dass diese Christen nicht konsequent sind im Umgang mit Ungläubigen. Dann mögen sogar Gläubige Dich verlachen; sie könnten Dir vorwerfen, heiliger als sie sein zu wollen. Solche Reaktionen sind nicht leicht zu ertragen. Oder umgekehrt: Vielleicht sind andere Gläubige „strenger" als Du und halten etwas für weltlich und unbiblisch, das Du mit Überzeugung auf der Grundlage der Bibel tust. Nimm das hin und sei einfach Deinem Herrn und Retter treu. Er wird Dich dafür belohnen.

 

Das richtige „ja"-sagen lernen

Es ist ein entscheidendes Kennzeichen der Jüngerschaft, wenn wir gelernt haben, zu den Dingen „nein" zu sagen, die der Herr bei uns nicht sehen möchte. Dazu benötigen wir jeden Tag seine Hilfe. Doch sicher willst Du darüber hinaus die Menschen aus Deinem Umfeld für den Herrn Jesus gewinnen. Dazu reicht es nicht aus, Böses zu meiden und sich auf der Straße „Guten Tag" zuzurufen. Vielleicht werden sie Dich mal nach Hause einladen. Oder noch besser: Du sie. Manchmal wird ein Nachbarschaftsgrillen veranstaltet. Da gibt es ein wichtiges Wort des Apostels Paulus: „Wenn jemand von den Ungläubigen euch einlädt und ihr wollt hingehen ..." (1. Kor 10,27). Sicherlich ist hiermit nicht gemeint: „Ich gehe hin, um nett mit zu feiern." Nein, dieses „ja" muss damit verbunden sein, dass Du intensiv darum betest, dass der Herr Dir einen Weg zeigt, wie Du Deine Nachbarn oder Kameraden mit der guten Botschaft erreichen kannst.

Oftmals ist es nicht möglich, beim ersten Mal gleich einen ausführlichen „evangelistischen Austausch" zu haben. Vielleicht gibt es aber wenigstens die Gelegenheit für ein tiefer gehendes Gespräch, das anders ist als der oft oberflächliche Umgang der Menschen miteinander. Es werden sich sicherlich Gelegenheiten ergeben, die es zu nutzen gilt. Dafür hat der Herr Jesus uns hier auf der Erde gelassen, dass wir seine Zeugen sind (vgl. Lk 24,48). Dazu wünsche ich Dir viel Mut und Freude.

(aus: Folge mir nach - Heft 2/2009)