08.03.2007Jesus Christus / Gott | Persönlicher Glaube | Lukas

Die Einladung des Vaters oder Nicht können und nicht wollen

Der Vater lässt ihn gehen, damit er die Erfahrung seines Zustandes der Sünde und des Ruins mache, der daraus entsteht. In der Tat, dieser junge Mann leidet nicht nur unter der Sünde, die er in tiefer Beugung bekennen wird, sondern auch unter dem Elend. Als Sohn eines reichen Vaters, dessen Herz und Reichtümer für ihn geöffnet waren, befindet er sich nun auch in Knechtschaft, ist gezwungen, Schweine zu hüten, und hat nur einen Wunsch: sich von der unreinen Speise der unreinsten Tiere zu sättigen. Ist das nicht das letzte Stadium der Entwürdigung und des Elends?

Der ältere Bruder bildet auf den ersten Blick den größten Gegensatz zum jüngeren. Er hat dem väterlichen Haus nicht den Rücken gekehrt. Er ist allezeit am Ort der Segnung geblieben, und an das erinnert ihn sein Vater. Zudem hat er seine Pflichten gegenüber seinem Vater nach außen hin aufs gewissenhafteste erfüllt. Er kann sagen: „Niemals habe ich ein Gebot von dir übertreten." Sein Urteil über seinen Bruder entspricht der Wahrheit. Der ältere Sohn ist einerseits völlig befriedigt von seinem eigenen Betragen, aber verurteilt das seines Bruders aufs schärfste.

Der Vater geht beiden Söhnen entgegen

Eines jedoch erleben die beiden Männer, die sich dem Hause nähern, gemeinsam. Der Vater geht sowohl dem einen wie dem andern entgegen. Der verlorene Sohn kann nicht eintreten. Warum? Weil es unmöglich ist, dass er mit seiner Schande und seiner Unreinheit ins Haus seines Vaters eindringt. Er fühlt das und weiß es. Doch hat in seinem Herzen ein Werk stattgefunden. Er sieht sich seiner Sünde gegenübergestellt und hat verstanden, dass er sein Elend im Selbstgericht vor seinen Vater bringen muss - das ist die Frucht eines Werkes in seinem Gewissen. Er hat sich auf den Weg gemacht, um seinem Vater zu sagen: „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen; mache mich wie einen deiner Tagelöhner."

Gegenüber dieser Liebe, an die er sich erinnert, versteht er jetzt, was er vorher nicht erkannt hat, dass er absolut unwürdig ist, sich Sohn eines solchen Vaters zu nennen. „Mache mich wie einen deiner Tagelöhner", wollte er sagen. In der Tat, der höchste Platz, den der Vater einem solch Unwürdigen, der sich in größtem Maß als undankbar erwiesen hat, nach Verdienst geben könnte, wäre der des letzten Sklaven.

Die Liebe des Vaters zieht den Sünder an

Aber es ereignet sich etwas Unerwartetes: Der Vater geht hinaus und läuft ihm entgegen. Er fällt ihm um den Hals und küsst ihn zärtlich. Das hat Gott in der Person des Christus an Sündern getan. Die Liebe veranlasste diesen Vater, hinauszugehen. Die Busse hat den Sohn zurückgebracht, aber sie reinigt ihn nicht. Doch der Vater, in seiner unendlichen Liebe, legt seine Arme um den Hals dieses durch die Sünde verunreinigten Sohnes und trägt Sorge für alles, was nötig ist, um ihn ins Haus eintreten lassen zu können: „Bringet das beste Kleid her und ziehet es ihm an" - das vorzüglichste Kleid, das Kleid der Gerechtigkeit, das in Beziehung zu der Gerechtigkeit und Heiligkeit steht, die im Hause des Vaters herrschen. „Tut einen Ring an seine Hand und Sandalen an seine Füße." In dieser Weise ist er um die Reinigung dieses Sohnes besorgt, der unter dem Gewicht seiner Vergebungen und Sünden niedergebeugt ist, und er führt ihn in sein Haus ein.

Der Vergleich untereinander ist nur zum Schaden

Während das Haus mit Freude erfüllt ist - und im Himmel ist es immer so, wenn ein Sünder zur Busse gelangt - ist der ältere Sohn draußen auf dem Feld. Er nähert sich und hört Musik und Reigen. Er erkundigt sich bei einem Knecht und vernimmt die Rückkehr seines Bruders. Da empört er sich. Er vergleicht sich mit dem Jüngeren, und wie sehr fällt dieser Vergleich zu seinen Gunsten aus! Ist es möglich, dass der Vater diesem Sohn, der die väterliche Habe verschlungen hat, indem er ausschweifend lebte, ein Fest macht? Er aber hat niemals ein Böcklein von ihm empfangen, um sich mit seinen Freunden zu freuen!

Da geht der Vater selbst zu ihm hinaus. Dieses Entgegengehen war für diesen Selbstgerechten ebenso nötig, wie für den schlimmsten der Sünder. Eigentlich gibt es zwischen den beiden Brüdern nur diesen Unterschied: Der Jüngere konnte nicht eintreten, und der Ältere wollte es nicht. Warum? Weil er sich für gerecht hielt. Was soll man von diesen beiden Menschen halten? Welcher hat die bessere Stellung? Jener, der nicht eintreten konnte, oder der andere, der es nicht wollte? - Das Fest ist im Haus des Vaters vorbereitet. Der Sünder nimmt teil an diesem Fest; es ist für ihn. Aber der ältere Sohn fühlt sich über diesen elenden Sünder so erhaben, dass er nicht eintreten und zu den sich Freuenden gehören will.

Der Selbstgerechte will nicht kommen

Dieser Sohn ist ein Bild des jüdischen Volkes, des Menschen unter Gesetz, aber auch von jedem Selbstgerechten im allgemeinen, der nicht einwilligt, einzutreten; er bleibt draußen. Wie groß wird seine Verantwortung sein, wenn der Augenblick der Abrechnung kommt und Gott ihm sagen wird: Ich weiß wohl, dass du nicht eintreten wolltest. Wenn du nun verurteilt wirst, so ist es, weil du an der Tür der Segnung, durch den Vater zum Eintritt gebeten, eingehüllt bliebst in deine Selbstgerechtigkeit, in deine guten Gefühle über dich und in die schlechten Gefühle über deinen Bruder. Zufrieden mit dir selbst, wolltest du dich nicht reinigen lassen.

Mit welcher Geduld und Güte hat der Vater auf die Vorwürfe seines älteren Sohnes geantwortet! „Kind, du bist allezeit bei mir, und all das Meinige ist dein." Die ausgedehntesten Segnungen gehören dir, sagt der Vater. Ich habe sie dir gegeben und ziehe sie nicht zurück; alles was mein ist, ist dein. Aber was mich betrifft, ich musste mich einfach freuen, „denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden". Ich habe dir alle meine Segnungen zur Verfügung gestellt, sie waren alle dein, was hast du damit gemacht? Aber was mein Herz, meine Liebe braucht, ist dies: elende, verlorene Sünder in mein Haus einzuführen, damit es von Freude erfüllt sei. Ich habe sie passend gemacht, damit sie alle diese Glückseligkeiten auf immerdar in meinem Hause genießen können.

Wem der beiden gleichst Du?

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Mit freundlicher Genehmigung des Beröa Verlages
Halte Fest Jahrgang 1986 - Seite: 11