Reinheit im Dienst

Der Apostel Paulus schreibt an Timotheus: „Niemand verachte deine Jugend, sondern sei ein Vorbild der Gläubigen in Wort, in Wandel, in Liebe, in Glauben, in Keuschheit“ (1. Tim 4,12).

 

Die Ermahnung an Timotheus

Timotheus wird ausdrücklich wegen seines vergleichsweise jungen Alters (er war allerdings um die 40 Jahre alt!) ermahnt, in seinem Lebenswandel und in seinem Auftreten vorbildlich zu sein, damit sein Dienst angenommen wird. Zu einem solchen beispielhaften Benehmen gehört nicht nur die allgemeine Lebensführung und die Art und Weise, sich respektvoll auszudrücken.

Paulus betont ausdrücklich, dass Timotheus’ Leben durch Reinheit (Keuschheit) geprägt sein sollte. Ein gläubiger Mann wird daher nicht nur im Blick auf seine Sexualität Gott gemäß leben, sondern auch seine Beziehungen zu (gläubigen) Frauen rein gestalten.

 

Reinheit

Das betrifft sowohl körperliche Kontakte des Dieners als auch seine Worte (und natürlich ebenfalls seine Gedanken). Er wird dafür bekannt sein, äußerst zurückhaltend mit Frauen umzugehen, was beispielsweise (körpernahe) Umarmungen und vergleichbare körperliche Annäherungen anbelangt. Ein Diener wird auch in seiner Wortwahl in diesem Kontext nüchtern und respektvoll auftreten. Umgekehrt gilt dies genauso für gläubige Frauen, die ja in gleicher Weise dem Herrn dienen wollen.

Ein Diener wird versuchen, jedem Gerede über sein Verhalten, Auftreten und Reden durch anständiges Benehmen den Boden zu entziehen. Das sollte eigentlich für jeden Gläubigen eine Selbstverständlichkeit sein. Aber wir müssen bekennen, dass man heute auf diesen Punkt gesondert hinweisen muss.

 

Der Dienst von Männern an Frauen

In diesem Zusammenhang ist es angebracht, auf einen aus meiner Sicht besonders wichtigen Punkt im Dienst hinzuweisen. Es sind leider immer wieder dienende Männer im sexuellen Bereich zu Fall gekommen. Anlass ist oft, dass sie sich in ihrem Dienst um Probleme und Herausforderungen von Frauen seelsorgerlich gekümmert haben. Und solche Aufgaben gibt Gott auch Männern. Allerdings ist es an sich immer empfehlenswert, wenn die Betreuung einer (gläubigen) Frau nicht von einem Mann allein durchgeführt wird. Jeder Mann sollte sich fragen, was wirklich seine Motive dabei sind. Sie können durchaus gemischt sein, positiv und negativ. Es ist viel besser, wenn dieser Dienst von einem Ehepaar ausgeführt wird.

Zuweilen aber ist es nicht möglich, dass ein Ehepaar zusammen einen entsprechenden Dienst tut. Dann hat es sich als weise und zumindest sehr empfehlenswert herausgestellt, wenn im Gespräch zwischen Mann und Frau räumliche Distanz eingebaut wird. Man spricht beispielsweise davon, dass es sehr ratsam ist, dass zwischen den beiden Personen ein Tisch steht. So kann es gar nicht zu falschen Berührungen kommen. Natürlich wird es in einem solchen Rahmen auch keine körperlichen Berührungen geben. Ein Diener, der die Reinheit sucht, wird alles vermeiden, was in ihm selbst oder in der Frau, der er geistlich dienen möchte, irgendetwas Unreines auslösen könnte.

Gerade, wenn eine Frau emotional(er) ist und in einem zuweilen herausfordernden Gespräch weinen muss, könnte ein mitempfindender Mann auf falsche Wege geführt werden. Er meint vielleicht, er sollte der Frau durch berührenden Trost oder eine Umarmung helfen. Davon kann man nur dringend abraten. Auf diese Weise können Beziehungen und Gefühle entstehen, die man später bereut oder die direkt auf eine unreine Spur führen. Das muss nicht bei beiden sein. Womöglich hat sich der Diener (zunächst) im Griff, aber er kann durch solche Handlungen bei der Frau mehr auslösen, als er sich bewusst ist oder eingestehen will. Gerade auf diesem Gebiet ist daher größte Zurückhaltung die einzig richtige Option. Es bedarf hier großer Disziplin, die in erster Linie von dem Diener des Herrn ausgehen muss.