Eine zweite Chance

Lesezeit: 2 Min.

Wir können uns gut vorstellen, dass Jona sehr gedemütigt war, als er an den Strand gespuckt worden war und sich wieder auf trockenem Boden befand. Wir können kaum daran zweifeln, dass er bereit war, das zu bezahlen, was er gelobt hatte: ein Opfer. Bestand sein Gelübde darin, dass er dorthin gehen würde, wohin Gott ihn schickte? Wir können diese Fragen nicht beantworten. Wenn wir uns den Fall von Johannes Markus im Neuen Testament ins Gedächtnis rufen, einem anderen Diener des Herrn, der sich von dem Dienst abwandte, den er empfangen hatte, dann erkennen wir, dass dieser offenbar zwanzig Jahre lang von diesem Dienst ausgeschlossen war. Das verdeutlich, wie ernst Jonas‘ Handeln in den Augen seines Meisters war.

Für uns, die wir uns vielleicht auch von einem Dienst abgewandt haben, der uns aufgetragen wurde, kann der erste Vers des dritten Buches Jona eine reiche Quelle des Trostes sein. Selbst wenn die Barmherzigkeit Gottes seinen versagenden Diener von dem schrecklichen Tod, der ihm drohte, befreit hätte, wer könnte erwarten, dass der Herr ihm eine zweite Gelegenheit geben würde, den Dienst zu verrichten, den er einmal für ihn tun durfte? Das ist die Gnade Gottes! Der Herr rettete seinen Diener nicht nur vor dem Tod, sondern Er lehrte ihn geduldig die Lektionen, die er brauchte. Und dann rettete und begnadigte Er ihn und rüstete ihn durch diese neuen Lektionen noch besser aus als zuvor, indem Er ihn erneut mit der gleichen Botschaft schickte, die er zuvor abgelehnt hatte.

Ich kann nicht umhin zu glauben, dass die unaussprechliche Gnade Gottes, die ihm bei dieser erneuten Beauftragung erwiesen wurde, das Herz von Jona berührt haben muss. Ich kann mir vorstellen, dass ihm inmitten seiner tiefen Reue oft der Gedanke durch den Kopf gegangen sein muss: „Oh, wie gerne würde ich die Realität meiner Reue zeigen, indem ich noch einmal die Gelegenheit bekäme, die Botschaft weiterzugeben, die ich einst abgelehnt hatte." Markus, der versagende Diener, wurde zum nützlichen Diener, und Jona, der ungehorsame Diener, wurde zum gehorsamen Diener. In beiden Fällen nahm der Meister sie zurück und gab ihnen erneut die Möglichkeit, den Dienst fortzusetzen, den sie einst abgelehnt hatten. Ich kann nicht umhin zu glauben, dass die meisten Diener desselben gesegneten Meisters heute Trost, Hoffnung und Ermutigung aus diesen beiden gescheiterten Dienern schöpfen können.

Entnommen aus dem Bibelkommentar von George Christopher Willis' über den Propheten Jona (Kapitel 3).

Beitrag teilen

Verwandte Artikel

Jürgen Klopp: Gehen, bevor es zu spät ist - Lehren für uns als Diener es Herrn Manuel Seibel Jürgen Klopp ist als Trainer von Bundesliga-Vereinen usw. bislang noch nicht entlassen worden. Er möchte lieber gehen, als gegangen zu werden. Wie sieht es mit uns als Dienern des Herrn aus? Wir alle sind Diener des Herrn (1. Pet 4,10). Und doch ... Podcast anhören
Der Herr beruft seine Diener Grant W. Steidl Gott berief den kleinen Jungen Samuel, bevor das Versagen des Menschen jeden Diener ergriffen hatte. Und Gott tut das auf eine beeindruckende Weise. Wie gut, dass Gott auch heute noch in seiner Souveränität beruft, wie und wen Er will. Er weiß es ... Artikel lesen
Von Gott erforscht (Ps 139) Michael Hopp Wer vor Gott lebt und die Gemeinschaft mit Ihm sucht, der lässt sich auch von Ihm erforschen. Das führt nicht zu Angst, sondern zu neuer Gemeinschaft. Artikel lesen
Petrus - sieben Schritte nach unten und nach oben Michael Hopp Petrus ist und ein warnendes und zugleich ein anspornendes Beispiel. Wir wollen beides von Herzen auf uns wirken lassen - zu unserem Segen! Artikel lesen
William Kelly – ein Diener in Wort und Schrift (1) Manuel Seibel Es gibt Glaubensmänner und -frauen, die uns durch besondere Taten beeindrucken. Zu dieser Sorte von Gläubigen gehört William Kelly für die meisten Christen nicht. Und doch lohnt es sich, einmal etwas Zeit dafür einzusetzen, auf das Leben dieses ... Artikel lesen
Sollen Frauen auch heute noch in den Zusammenkommen nach 1. Korinther 14 schweigen (Armin Baum)? Manuel Seibel Es ist schon erstaunlich, dass sich die "Exegese" - die Auslegung - von 1. Korinther 14,34 so wandelt im Laufe der Zeit. Prof. Dr. Armin Baum von der Freien Theologischen Uni in Gießen plädiert inmitten von 15 verschiedenen Auslegungen zu diesem ... Podcast anhören