03.11.2018 Prophetie | Persönlicher Glaube

Der Sühnungstag (IGL)

Die einzelnen Vorschriften für diesen Tag, besonders für den Hohenpriester, lesen wir in 3. Mose 16, auch in 4. Mose 29,7-11. Die Beschäftigung mit den dort genannten Geboten zeigt uns, dass der Sühnungstag 1 Dreimal finden wir im Alten Testament den Ausdruck „Sühnungstag" (3. Mo 23,27.28; 25,9). Das diesem Ausdruck zugrundeliegende hebräische Wort kaphar bedeutet bedecken, zudecken. Sühnung deckt die Sünde zu, so dass sie für Gott kein Hindernis mehr ist, um Menschen zu segnen. Zugleich deckt sie die Sünden derer zu, die sich vor Gott als Sünder anerkannt und Christus als Retter angenommen haben. Da es in erster Linie um Sühnung und nicht um Versöhnung geht, ist Sühnungstag (nicht Versöhnungstag) die passende Übersetzung. das vielleicht detaillierteste Vorausbild auf das unermessliche Erlösungswerk Jesu am Kreuz von Golgatha ist. Dieses Werk ist die Grundlage für die Beziehung des Menschen zu Gott. Christus hat durch sein Werk Sühnung für unsere Sünden und für (das heißt im Blick auf) die ganze Welt bewirkt (1. Joh 2,2; 1. Tim 2,6). Er hat am Kreuz stellvertretend die Sünden derer getragen, die Ihn als Retter annehmen (Mk 10,45). Zugleich hat Er Gott vollkommen verherrlicht und im Blick auf die Sünde zufriedengestellt (2. Kor 5,21; Joh 13,31). Das alles drückt Gott in den Sünd- und Brandopfern dieses Tages aus. 2 Ich empfehle jedem, der sich ausführlich mit dem Sühnungstag beschäftigen möchte, die dreiteilige Serie in dieser Monatszeitschrift zu 3. Mose 16 (Juni bis August 2017).  

 

Die Vorschriften des Sühnungstages in 3. Mose 23

Die Artikel dieses Themenheftes zeigen, dass die Feste des Herrn den Ratschluss Gottes für die Gnadenzeit und das Volk Israel behandeln. Mit dem Gedächtnis des Posaunenhalls beginnen drei Feste in zeitlich enger Verbindung, die Gottes künftiges Handeln mit dem Überrest Israels offenbaren. Neun Tage nach dem Posaunenhall wurde die Gemeinde Israel ein weiteres Mal zusammengerufen. Dieses Mal ging es um eine Demütigungsversammlung (V. 27).

Folgende Einzelheiten im Bibeltext fallen auf:

  • Viermal ordnet Gott an, dass das Volk keine Arbeit an diesem Tag tun durfte und dass derjenige, der es doch tat, getötet werden musste.
  • Dreimal wird betont, dass die Israeliten ihre Seele kasteien sollten, das heißt sich demütigen und unter Gottes Urteil beugen sollten. Auch hier musste jeder, der nicht gehorsam war, getötet werden.
  • Ausdrücklich wird betont, dass dieser Tag, der nicht auf einen speziellen Wochentag festgelegt war, ein „Sabbat der Ruhe" sein sollte, und zwar vom Abend bis zum Abend. Diese Zeitbestimmung war für einen Israeliten klar und wurde dennoch herausgestellt.
  • Opfer, die in 3.Mose16 und 4.Mose29 im Vordergrund und die beim Fest der Erstlingsgarbe und dem Wochenfest im Mittelpunkt stehen, werden hier nicht erwähnt. Dasselbe gilt für den Hohenpriester, dessen Handlungen in 3.Mose16 in den Vordergrund gestellt werden.

Diese Einzelheiten zeigen, dass es in unseren Versen nicht darum geht, dass Gott die Grundlage dafür schafft, dass der Mensch eine Beziehung zu Gott haben kann (3. Mo 16). Hier belehrt uns Gott auch nicht darüber, dass sein Volk nur auf der Basis der Erlösungswerkes Christ überhaupt anerkannt werden kann, - sei es in der Welt (Wüste) oder später im 1000-jährigen Reich (4. Mo 29).

 

Die Grundbedeutung

In 3. Mose 23 zeigt uns der Geist Gottes vielmehr, dass sich das Volk Israel mit der Bedeutung dieses in 3. Mose 16 vorgeschatteten Erlösungswerkes Christi beschäftigen muss, wenn es einmal in die Ruhe des 1.000-jährigen Reiches eingeführt werden möchte. Sie müssen erkennen, dass ihr eigener Messias, Jesus Christus, am Kreuz von Gott gerichtet werden und sterben musste, damit sie in den Genuss des Segens Gottes kommen können.

Das Volk Israel musste das Lammfleisch bei der Passahfeier mit bitteren Kräutern essen (2. Mo 12,8). Das ist ein vorbildlicher Hinweis darauf, dass der Erlöste sich bewusst macht, dass seine Sünden für den Herrn Jesus furchtbare Leiden bedeuteten. Genau zu diesem Bewusstsein muss das Volk der Juden in der Zukunft kommen, um innerlich in die Lage versetzt zu werden, den Herrn Jesus als Messias anzunehmen. Das ist die Bedeutung des Sühnungstags in 3. Mose 23.

 

Eine Vorerfüllung in der Zeit Jesu

Eine gewisse Vorerfüllung dieses Festes in seiner prophetisch-typologischen Bedeutung finden wir bereits beim ersten Kommen Jesu, als Er Mensch wurde und zu seinem Volk kam. Gott sandte Johannes den Täufer, der wie mit einem Posaunenhall zum Volk Israel sprach und das Kommen des Herrn ankündigte. Aber das Volk war nicht vorbereitet, seinen Messias aufzunehmen. Es musste jedoch innerlich zubereitet werden, damit Er öffentlich sich mit ihnen verbinden konnte. Daher rief Johannes dem Volk zu: „Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen" (Mt 3,2). Das ist die Bedeutung des Sühnungstages. Das Volk musste sich demütigen, damit der Messias die Herrschaft antreten und wirklich unter ihnen wohnen 3 In Johannes 1,14 benutzt der Geist Gottes für das Wohnen des Herrn Jesus unter seinem Volk den Ausdruck „zelten". Diesen finden wir in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments für das Laubhüttenfest (3. Mo 23,34.42), wo das Volk in Zelten wohnte. konnte.

Wir wissen, dass die Masse des Volkes den Herrn Jesus ablehnte. Sie verwarfen Ihn. Sie riefen: „Er werde gekreuzigt!" (M 27,22.23). Daher warten die drei letzten Feste von 3. Mose 23 weiter auf ihre eigentliche Erfüllung. Gott wird dafür sorgen, dass sie sich einmal erfüllen werden.

 

Buße als Voraussetzung für das Eingehen in das Friedensreich

Zwei alttestamentliche Bibelabschnitte zeigen, dass das Volk Israel Buße tun muss, um in das tausendjährige Reich eingehen zu können. In Sacharja 12,10-14 spricht der Herr davon, dass das Haus David in den Genuss des Geistes der Gnade und des Flehens kommen wird: „Und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen." Der Prophet fährt fort und zeigt, dass Israel sich nicht nur gemeinschaftlich demütigen und seine Sünden bekennen wird. Jede Familie, ja letztlich jeder Einzelne des gläubigen Überrestes wird für sich Buße tun.

Auch Jesaja spricht davon. Gerade seine bekanntesten Worte weisen in einzigartiger Weise auf den Herrn Jesus hin. Jesaja 53 stellt uns dabei die Empfindungen und Worte des gläubigen Überrestes Judas künftiger Tage dar: „Wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt; doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Ungerechtigkeiten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden" (Jes 53,4.5). Besser könnte man die Bedeutung des Sühnungstages in 3. Mose 23 nicht ausdrücken. Das Volk wird Leid tragen über die eigene Schuld. Sie werden anerkennen, dass sie ihren eigenen Messias ans Kreuz gebracht haben und dass nur das Erlösungswerk Jesu ihre Sünden hinwegnehmen kann.

 

Die Scheidung des gläubigen Überrestes vom ungläubigen Israel

Zum Schluss noch ein paar Worte zu den genannten Einzelheiten in 3. Mose 23:

  • Keine Arbeit: Der Mensch hat keinen Anteil am Sühnungswerk des Herrn Jesus - auch das Volk Israel nicht. Das Volk wird seine Schuld bekennen und es wird ausrufen, dass die Rettung allein in Christus ist. Das ist die Bedeutung von „Hosanna" (Mt21,9). Wer meint, sich in eigener Kraft retten zu können, geht verloren.
  • Kasteien: Die Trauer, das Demütigen und das Bekenntnis des Volkes sind nötig, um gerettet zu werden. Der Israelit, der das nicht tun wird, gehört zum ungläubigen Volk; ihn wird das Gericht ereilen. Christus wird ihn mit Feuer taufen, die Worfschaufel in seiner Hand (Mt3,11.12).
  • Sabbat: Das „Kasteien" ist Ausgangspunkt für den „Sabbat der Ruhe", für das Friedensreich, wie es das Laubhüttenfest vorschattet. Nicht von ungefähr finden wir in Hebräer4 einen Zusammenhang zwischen der Sabbatruhe des Volkes Gottes und dem prüfenden Charakter des Wortes Gottes.
  • Keine Opfer: Der Herr Jesus muss kein zweites Mal für sein Volk sterben. Das hat Er ein für alle Mal getan (Heb10,10). Daher werden in 3. Mose 23 keine Opfer genannt, wohl aber das Bewusstsein, was für Leiden Christus erdulden musste und was das Volk für einen Anteil daran hatte.

 

Belehrungen für uns

Der Sühnungstag gehört zu den Festen in Israel und weist im Zusammenhang von 3. Mose 23 auf die künftige Buße des Überrestes Juda hin. Beides steht nicht in direktem Zusammenhang mit den Gläubigen der Gnadenzeit. Allerdings finden wir im Neuen Testament durchaus Hinweise auf Gelegenheiten, wo wir Buße tun müssen. In fünf der sieben Briefe in Offenbarung 2-3 lesen wir, dass örtliche Versammlungen bzw. die, die in ihnen Verantwortung tragen, Buße tun sollten. Wenn sich ein Christ auf einen falschen Weg begibt, muss er umkehren und Buße tun. Im Blick auf das Gedächtnismahl werden wir in 1. Korinther 11,28 aufgefordert, uns zu prüfen. Das ist nichts anderes als Selbstgericht, im Licht des Werkes des Herrn Jesus.

Wenn wir in unserem Leben mehr auf das Kreuz Jesu sehen würden, hätten wir mehr die Ehre und Verherrlichung Christi vor Augen. Er ist es wert, dass sich diese Bedeutung des Sühnungstags auch in unserem Leben widerspiegelt.

Im Glauben leben


Fußnoten:

1 Dreimal finden wir im Alten Testament den Ausdruck „Sühnungstag" (3. Mo 23,27.28; 25,9). Das diesem Ausdruck zugrundeliegende hebräische Wort kaphar bedeutet bedecken, zudecken. Sühnung deckt die Sünde zu, so dass sie für Gott kein Hindernis mehr ist, um Menschen zu segnen. Zugleich deckt sie die Sünden derer zu, die sich vor Gott als Sünder anerkannt und Christus als Retter angenommen haben. Da es in erster Linie um Sühnung und nicht um Versöhnung geht, ist Sühnungstag (nicht Versöhnungstag) die passende Übersetzung.

2 Ich empfehle jedem, der sich ausführlich mit dem Sühnungstag beschäftigen möchte, die dreiteilige Serie in dieser Monatszeitschrift zu 3. Mose 16 (Juni bis August 2017).

3 In Johannes 1,14 benutzt der Geist Gottes für das Wohnen des Herrn Jesus unter seinem Volk den Ausdruck „zelten". Diesen finden wir in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments für das Laubhüttenfest (3. Mo 23,34.42), wo das Volk in Zelten wohnte.