19.04.2018 Persönlicher Glaube

Wer einmal lügt ...

Was ist geschehen? Nico Kovac wurde der Frankfurter Eintracht von Bayern München als Trainer abgeworben. Das war möglich, weil Kovac eine Klausel im Vertrag hatte, dass er für eine Summe von wohl 2,2 Mio Euro aus dem laufenden Vertrag aussteigen darf, der noch bis 2019 lief, wenn ihn Bayern München als Trainer engagiert. Soweit so gut. Das kann ja (eigentlich) auch jeder nachvollziehen, der sich in den letzten Jahren mit Fußball beschäftigt hat.

 

Das Seltsame ist allerdings: Auf einer Pressekonferenz am Freitag, den 13. April, verkündete Nico Kovac doch tatsächlich allen Ernstes der versammelten Journaille, er sei erst am Tag zuvor, also am Donnerstag, den 12. April, von Bayern kontaktiert worden und habe sich dann sofort entschieden, das Vertragsangebot von Bayern München anzunehmen.

 

Nun weiß Kovac, wie unrealistisch und unglaubwürdig es ist für jeden, der ein bisschen mit Vertragsverhandlungen (nicht nur im Fußball) zu tun hat, dass man am Donnerstagmorgen angerufen wird und ein Vertrag im Laufe desselben, einen Tages ausverhandelt wird. Es ist überhaupt keine Frage, dass hier über Tage, vermutlich über Wochen, um nicht zu sagen Monate, Vorgespräche usw. stattgefunden haben müssen. Womöglich im Wesentlichen mit einem Manager und Berater (von beiden Seiten). Aber so zu tun, als ob man völlig überraschend am Donnerstagmorgen angerufen wird und dann sofort einen Vertrag vorgelegt bekommt, der in allen Details den eigenen Vorstellungen entspricht, ohne dass man vorher darüber verhandelt hat, ist nicht nur unglaubwürdig, sondern schlicht abwegig.

 

Lügen haben kurze Beine. Lüge ist auch, wenn man nur die halbe Wahrheit sagt oder die halbe Wahrheit verschweigt und damit einen Eindruck vermittelt, der in eine andere Richtung geht, als wie es wirklich ist. Das Seltsame ist, dass wir als Menschen, auch als Christen (und Kovac hat in den vergangenen Jahren sehr auf eine vorbildliche Ethik, auf Ehrlichkeit und sogar auf den christlichen (katholischen) Glauben Wert gelegt. Umso mehr macht er sich jetzt angreifbar durch ein „Bekenntnis", das für viele einem Märchen gleicht. Wer soll ihm künftig noch Glauben schenken?

 

Wie oft ist „ungelogen" gelogen?

Wir dürfen zudem nicht übersehen: „Ungelogen" kann man dennoch lügen - das sollten wir alle nicht vergessen. Denn Nico Kovac ist ja nur ein weiteres Alarmschild für uns selbst, mit der Wahrheit redlich umzugehen.

 

Wie leicht „passiert" es dem Menschen, dass er vorgibt, die Wahrheit zu sagen, obwohl er von sich selbst weiß, wie unwahr seine Wahrheit ist. Und wir - wie oft tun wir so, als würden wir die Wahrheit reden - aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus?

Judas und Petrus sollten uns warnen

In der Bibel finden wir auch eine Reihe von Beispielen dafür! War es nicht eine dreiste Lüge, als Judas nach dem letzten Abendessen mit dem Herrn Jesus die Frage stellte: „Ich bin es doch nicht, Rabbi?" (Lukas 22,25). Er hatte doch das Kopfgeld mit den Pharisäern verhandelt - und stand gerade im Begriff, den Herrn Jesus zu verraten. Kennen wir nicht auch manchmal solch dreiste Lügen?

Wie sah es mit Petrus aus? Wusste er nicht, dass er in schlimmer Weise log, als er den Herrn verleugnete? „Er aber fing an zu fluchen und zu schwören: Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet. Und sogleich krähte der Hahn zum zweiten Mal. Und Petrus erinnerte sich an das Wort, wie Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen" (Markus 14,71.72). Sicher - er musste um sein Leben fürchten. Aber war das ein Grund für diese Lüge? Der Herr hatte ihm diese Lügen sogar vorhergesagt. Wie oft geht es bei uns nicht einmal um unser Leben - bei weitem nicht - nur um eine schwierige Situation. Und wir kneifen, sagen nicht die Wahrheit, sondern lügen und geben dabei vor, die Wahrheit zu sagen.

Ananias und Sapphira zeigen uns den Balken im eigenen Auge

Und wie war es bei Ananias und Sapphira? Ananias sagte noch nicht einmal ein falsches Wort - eine Lüge. Aber er handelte, als ob er den ganzen Verkaufserlös für sein Grundstück zu den Füßen des Apostels niederlegte (Apostelgeschichte 5,1-6). Und das war eine glatte Lüge. Seine Frau hätte noch die Möglichkeit gehabt, ein Bekenntnis abzulegen. Aber sie log dann auch noch mit ihrer Zunge - beide wurden mit dem physischen Tod bestraft (Apg 5,7-11).

Das wird in einem solch unmittelbaren Gericht vermutlich keinem von uns passieren. Aber wie oft tun wir so, als ob wir ungelogen die Wahrheit sagten. Aber in Wirklichkeit haben wir glatt und ohne mit der Wimper zu zucken gelogen - in Worten oder Taten. Wir können leicht Nico Kovac kritisieren und über ihn und herziehen. Aber wie sieht unsere eigene Wirklichkeit aus?

„Was aber siehst du den Splitter, der in dem Auge deines Bruders ist, den Balken aber, der in deinem eigenen Auge ist, nimmst du nicht wahr?" (Lukas 6,41).