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In diesem Zusammenhang ist es das Vorrecht eines jeden Gläubigen anzuerkennen, dass der Herr Jesus ewiger Gott ist und zugleich Mensch geworden ist. Er tat keine Sünde, da diese nicht in ihm war. Allerdings ist Jesus Christus in den drei Stunden der Finsternis am Kreuz von Golgatha für die Sünden anderer gerichtet worden und hat als Lohn der Sünde den Tod für uns erduldet. Aber er ist nicht im Tod geblieben, sondern auferstanden und in den Himmel aufgefahren, um sich zur Rechten Gottes zu setzen und zu warten, bis Gott ihm seine Feinde zum Schemel seiner Füße macht.

Wenn nun ein Gläubiger eine dieser Tatsachen leugnet, dann entehrt er Gott und den Herrn Jesus und entzieht sich das eigene Fundament. Leider sind wir Menschen aufgrund unserer Leichtfertigkeit nicht immer wachsam, die Wurzeln solcher Entwicklungen zu entdecken, so dass sie Fuß fassen und sich weiterentwickeln. Lasst uns immer bedenken, dass der Heilige Geist in dem Gläubigen wohnt und ihn durch das Wort Gottes bewahren möchte, wenn wir uns bewahren lassen.

Besonders gefährlich wird es, wenn jemand in einem Geiste lehrt, der nicht aus Gott ist, wenn jemand, der sich Diener nennt, fundamental Falsches predigt. Wir leben heute in einer Zeit, in der jeder das lehrt, was ihm gerade passt. Dadurch stehen wir in der Gefahr, von der gesunden Lehre des Wortes Gottes weggetrieben zu werden. Gerade der Dienst des Johannes - der Dienst der Ausbesserung der Netze - gibt uns hier göttliche Maßstäbe an die Hand. In dem vierten Kapitel seines Briefes zeigt er, dass Satan viele Propheten ausgesandt hat, um Gläubige in die Irre zu führen und die Person und das Werk Christi anzugreifen. Dazu nennt er drei Prüfsteine, anhand derer eine solche Lehre erkannt und falsche Diener, die im Auftrag Satans kommen, entlarvt werden kann. Entscheidend ist, dass wir ein Verständnis, ein Gefühl für den Geist Gottes bekommen, der die Wahrheit ist. Nur dann werden wir in der Lage sein, in der Vielfalt der Stimmen heutzutage die richtige zu erkennen und falsche von vornherein abzulehnen.

  • Nur der Geist, der Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist aus Gott. (Vers 3)
  • Der Geist, der aus der Welt, d.h. nach dem Grundsatz und Geist der Welt spricht, ist nicht aus Gott. (Vers 4-5)
  • Der Geist, der entsprechend der Lehre der Apostel belehrt, ist aus Gott. (Vers 6)

Diese drei Prüfsteine sind so einfach, dass jeder Gläubige sie benutzen und falsche Lehrer identifizieren kann. Darüber hinaus entsprechen diese drei Aspekte jeweils genau den Aufgaben, von denen wir im Johannesevangelium in den Kap. 14-16 in Verbindung mit dem Sachwalter, dem Geist Gottes, lesen.

Er wird von dem Herrn Jesus zeugen (15,26) und ihn verherrlichen (16,14).

Diese Verherrlichung besteht darin, dass er die Person und das Werk Christi in unseren Augen überragend groß macht. Wir dürfen erkennen, dass der ewige Sohn Mensch geworden ist, um als Mensch Gott vollkommen zu verherrlichen. Nur ein Mensch kann für Menschen sterben, nur Gott selbst kann die Liebe offenbaren, die im Herzen Gottes ist. Weil der Mensch Jesus zugleich Gott ist, kann er alle Charakterzüge Gottes auch für Menschen sichtbar und begreifbar machen. Weil kein Mensch zu Gott kommen kann, kommt Gott selbst zum Menschen.

Weil der Herr Jesus Mensch ist, hat er an den zwei - typisch menschlichen - Lebensabläufen teilgenommen: an Geburt und Tod. Weil er unendlich mehr ist, Gott gepriesen in Ewigkeit, ist er bei beidem so unterschieden von jedem Menschen. Kein Mensch, sondern Gott selbst hat eine Jungfrau überschattet (Lk 1,35), ihn gezeugt. Kein Mensch ist in der Lage, sein Leben selbst aufzulösen. Nur der Herr Jesus konnte sein Leben selbst geben (Joh 10,17), und er hat es getan. Der Herr Jesus ist aber nicht nur ein Mensch geworden, er ist es geblieben und bleibt es in Ewigkeit. In Hebräer 12,2 sehen wir den Menschen Jesum, der im Himmel ist, und nach Lukas 12,37 uns ewig dienen wird, als Mensch. Und doch ist er zugleich der Sohn, Gott, derjenige, der nach Johannes 3,13 immer im Himmel war und ist.

Wenn jemand diese herrlichen Tatsachen bezeugt, dann sind die Herzen glücklich und neigen sich anbetend vor dem Herrn der Herrlichkeit nieder. Wenn aber nicht, so handelt es sich um den Geist des Antichrists, der bereits in dieser Welt ist und Jesum Christum verunehren will. Falls jemand eine falsche Lehre in Bezug auf Christus bringt, dann gilt es, sich sofort von einem solchen abzuwenden, die Lehre zu verurteilen und keine Gemeinschaft zu haben (2. Joh 10-11). Wenn wir denjenigen nicht kennen, mag eine Gelegenheit wahrgenommen werden, ihm kurz die wahre Botschaft vorzustellen, da er sie vielleicht annimmt. Diskussionen jedoch sind zwecklos und führen nur uns in die Irre, nicht aber ihn zum Guten. Und lasst uns die ernsten Ermahnungen des zweiten Johannesbriefes bedenken. Johannes konnte mit einigen anderen Mitteilungen warten, aber damit nicht! Gemeinschaft mit einem Irrlehrer, denn darum handelt es sich, ist beinahe noch schlimmer als die falsche Lehre selbst, denn wir wissen es besser und glauben dennoch, in Gemeinschaft mit einer solchen Person und damit auch mit der Lehre sein zu können. Das bedeutet, dass wir Gott herausfordern; sind wir stärker als Er? Die Liebe Gottes ist in der Lage, auch eine solche Seele wieder von der Irrlehre freizumachen - aber auf anderen Wegen und mit anderen Mitteln, die wir häufig nicht kennen und derer wir uns als Menschen nicht bedienen können.

Der Geist hat die Welt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht überführt (Joh. 16,8).

Wenn das so ist, wie kann eine Lehre, die auf dem Grundsatz und nach dem Geist dieser Welt spricht, aus Gott sein? Unmöglich! Der Geist dieser Welt argumentiert auf Basis der Logik und der Philosophie. Danach ist es unmöglich anzuerkennen, dass der Herr Jesus Gott und Mensch in einer Person ist - menschlich unmöglich. Vielmehr kann ich mir dann das Heil selbst erwerben und erkämpfen. Welcher Irrtum, da Gott uns zeigt, dass Errettung nur im Herrn Jesus, in Christus, zu erlangen ist.

Jede Lehre, deren Charakter irdisch und deren Inhalt und Ziel diese Welt ist, kann nicht von Gott kommen. Alle Gläubigen besitzen den Heiligen Geist, den Geist Gottes. Durch die neue Geburt sind sie eine neue Schöpfung und nicht mehr von dieser Welt (Joh 17,14). Deshalb sind wir in der Lage zu erkennen, ob die Lehre, die an uns herangetragen wird, ebenfalls himmlischen Ursprung hat, oder ob sie irdisch ist. Leider gleichen wir oft den Galatern, die auf einmal wieder rein irdische, d.h. weltliche Anordnungen für göttlich hielten, und diesen Gehör schenkten - zu ihrem Schaden. Gerade der Galaterbrief zeigt uns etwas von der Gefahr, und wir tun gut daran, unsere Vorstellungen anhand dieses Briefes noch einmal zu überprüfen.

Wir sehen diese Gefahr häufig als nicht so groß an und übersehen, dass auch dadurch die Fundamente unseres Lebens angegriffen werden. Letztlich - und das ist bedeutsam - zeigen uns die drei Prüfsteine aus 1. Joh 4 "nur" drei unterschiedliche Seiten der gleichen Lehre, des gleichen Irrtums. Vielleicht erkennen wir die falsche Lehre über die Person Christi als erstes und meinen, die Lehre, die aus der Welt kommt, sei nicht so gefährlich. Im Prinzip greift Satan mit dem zweiten jedoch die gleichen Fundamente an, vielleicht auf subtilere, aber mindestens genauso effektive Art. Lasst uns daher gerade bei diesem Punkt auf der Hut sein.

Der Geist leitet uns in die ganze Wahrheit (Joh. 16,13).

Diese Aussage galt zunächst für die Jünger und Apostel und fügte sich damit zur Lehre der Apostel zusammen, von der wir dann in Apostelgeschichte 2,42 und dem Inhalt nach in den ersten Versen des 1. Johannesbriefes lesen. Genau diese Lehre bringen die falschen Lehrer nicht.

Worin besteht nun diese Lehre? In ihrer Gesamtheit kann man sie sicher auf das ganze Neue Testament beziehen, insbesondere jedoch auf die Botschaft des Apostels Paulus. Wenn man jedoch die Lehre der Apostel bzw. die christliche Lehre mit kurzen Worten beschreiben will, dann kann man von einer Person sprechen. Letztlich wird sie durch die Person unseres Herrn Jesus Christus verkörpert. Er ist der Mittelpunkt und der zentrale Inhalt dieser Lehre. Damit wird bereits deutlich, dass auch hier eine direkte Beziehung zu den ersten beiden Prüfsteinen existiert.

Da Johannes in seinem Brief in der Regel absolut und abstrakt schreibt, werden mit diesem dritten Aspekt nicht einzelne Lehrteile angesprochen. Vielmehr nimmt der Apostel Bezug auf das Grundsätzliche, auf das Fundament des christlichen Glaubens. Natürlich müssen wir unbedingt auf jeden einzelnen Aspekt der Lehre der Apostel Wert legen. In Bezug auf die Konsequenzen, die hier angesprochen werden, scheint jedoch das Fundamentale im Vordergrund zu stehen - und das betrifft wieder die Person unseres Herrn - die Lehre, dass er Gott und Mensch ist und dass dies nötig ist, wenn er Heiland sein sollte. Aber auch für die Ämter, die der Herr Jesus seit seiner Himmelfahrt ausübt, als Hoherpriester, als Sachwalter, als derjenige, der uns die Füße wäscht, auch als zukünftiger Regent und Richter, König und Weltbeherrscher bedarf es dieser Grundlage.

Johannes fasst am Ende des sechsten Verses von 1. Johannes 4 noch einmal zusammen. Es gibt auf dieser Erde zwei diametral entgegenstehende Lehren. Die eine wird durch den Geist der Wahrheit geredet, die andere durch den Geist des Irrtums. Wenn der Geist der Wahrheit, der Heilige Geist, wirksam ist, dann wird die Person des Herrn Jesus in Verbindung mit der herrlichen Tatsache in unseren Herzen groß gemacht, dass er im Fleisch gekommen ist (V 3). Wir verstehen dass dies eine Wahrheit ist, die ihren Ursprung unmöglich auf dieser Erde haben kann, sondern himmlisch ist (V. 5) und in Übereinstimmung mit der ganzen im Neuen Testament offenbarten Wahrheit und Lehre ist (V. 6). Wenn jedoch der Geist des Irrtums, gewirkt durch Satan, seine Propheten aussendet, dann wird eine dieser drei Säulen geleugnet, selbst wenn es auf den ersten Blick nicht offenbar werden mag. Lasst uns dann jedoch immer bedenken, dass das Verlassen einer dieser drei Wahrheiten die Verwerfung der anderen beiden unmittelbar mit sich bringt. Ein Tropfen Gift zerstört nicht nur einen Teil, sondern den ganzen Inhalt eines Getränkes. Daher ist hier größte Wachsamkeit notwendig, damit wir nicht auf einmal feststellen müssen, dass der Geist des Antichrists bereits unter uns erfolgreich wirkt.

In diesem Zusammenhang muss jedoch noch einmal darauf hingewiesen werden, dass nicht jeder Diener, der nicht in absoluter Übereinstimmung mit jeder einzelnen Wahrheit des Neuen Testamentes ist, so wie wir sie verstehen, von dem Geist des Irrtums geleitet wird. Lasst uns vorsichtig mit solchen Äußerungen sein. Genauso absolut und abstrakt wie Johannes von dem Wandel im Licht und in Liebe spricht, weist er hier auf den Irrtum hin. Es geht letztlich um die direkte Leugnung grundlegender Tatsachen in Bezug auf die Person unsres Herrn. Wenn nun jemand in Verbindung mit der Drangsalszeit meint, dass die Versammlung durch diese Nöte muss, oder wenn jemand die Grundsätze des Versammlungslebens nicht unter dem Grundsatz des Einen Leibes versteht, dann belehrt uns die Bibel zweifellos anders und macht diese Dinge eigentlich sehr klar. Dennoch ist ein solcher nicht jemand, der von Johannes als nach dem Geist des Antichristen redend beschrieben wird. Auch wenn es sich in diesen beiden Fällen nicht um unwichtige Aspekte für den Christen handelt, so müssen wir doch hier andere Stellen aus der Schrift wie z.B. Philipper 3,15 heranziehen und Wachstum, das auch wir nötig haben, zulassen.

Wenn es jedoch um die Person unseres Herrn geht, dann gibt es keine Nachsicht. Entweder die Person bekennt ihre falschen Vorstellungen, oder wir müssen uns abwenden. Wir sollten dies mit der Einstellung tun, für einen solchen Menschen zu beten. Übrigens - wenn wir uns wegwenden, dann ist gerade das ein Zeichen der Liebe, nämlich der Liebe zu unserem Heiland, der uns geliebt und sich selber für uns hingegeben hat.

Vielleicht glauben wir, dass wir mit diesen Dingen nichts zu tun haben. Wir dürfen durch Gottes Gnade die gesunde Lehre kennen und werden in den seltensten Fällen mit einer solchen Irrlehre konfrontiert. Aber seien wir auf der Hut: Hochmut kommt vor dem Fall. Johannes hat uns diese Gedanken mit auf den Weg gegeben, damit, wenn ein solcher Irrlehrer kommt, wir gewappnet sind. Der Feind kommt immer gerade dann, und zwar erfolgreich, wenn wir schlafen. Warum ist der moralische Zustand in dieser Welt, in der Christenheit, in dem Volk Gottes, ja "unter uns" so niedrig und so schwach? Ein wesentlicher Grund ist zweifellos, dass wir uns dünken, so viel zu wissen, so treu zu sein, so demütig zu sein, dass wir tatsächlich blind für unseren eigenen Zustand werden. "Ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummer, ein wenig Händefalten, um auszuruhen: und deine Armut wird kommen wie ein rüstig Zuschreitender, und deine Not wie ein gewappneter Mann" (Sprüche 6, 10-11). Geistliche Armut folgt geistlichem Reichtum, weil dieser dem eigenen Wirken und der eigenen Kraft zugeschrieben wird und nicht, wie alles, was wir haben und sind, der unendlichen Gnade Gottes zugerechnet wird. Als Elia seinen größten Triumph vor den Augen Ahabs feierte, da wurde sein "ich" groß und größer (1. Könige 18,22;36) und seine Niederlage bahnte sich an. Lasst uns wachsam sein uns selbst gegenüber, dann werden wir auch in der Lage sein, den Geist des Irrtums erkennen.

Gott will nicht, dass wir in erster Linie damit beschäftigt sind, Irrtum zu suchen und aufzudecken. Er möchte, dass wir die Person des Herrn Jesus anschauen und dadurch erfreut werden. Dann werden wir auch, wenn nötig, den Geist des Antichristen entlarven. Lasst uns daher gegenseitig, einer den anderen ermuntern, die Herrlichkeiten der Person unseres Heilandes neu zu entdecken. Das wird unsere Herzen glücklich machen, dem Wirken des Heiligen Geistes entsprechen und den Vater verherrlichen. Der Herr schenke uns diese Gnade!

 

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