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Paulus hatte den Gläubigen in Rom einen langen Brief geschrieben. In diesem Brief entfaltete er die gesunde Lehre über das Heil Gottes (Röm 1-11) und die praktischen Konsequenzen, die daraus für den Gläubigen hervorgehen (Röm 12-16).

Neben dem Inhalt der Lehre und den praktischen Ermahnungen lässt er zum Ende dieses Briefes persönliche Grüße an die Gläubigen ausrichten. Mit den Grüßen verbindet er deren Hingabe und Dienst an den Herrn Jesus. Darin stellt er ihnen ein gutes Zeugnis aus (Röm 16,1-16).

Paulus' Ermahnungen

Doch dann kommt Paulus auf eine Gefahr zu sprechen, vor der er die Gläubigen schon damals warnen musste. Er ermahnte die Brüder in Rom, auf solche zu achten, die Zwiespalt und Ärgernis anrichteten, entgegen der Lehre, die sie gelernt hatten und solche verführten, die arglos waren (Röm 16,17.18).

Während Paulus also zunächst solche erwähnte, über die er viel Gutes zu sagen hatte (V1-16), gab es offensichtlich auch solche, vor denen er warnen musste (V17.18).

Da die Gefahr auch heute vorhanden ist, sehen wir uns sieben Punkte an, die Paulus in Verbindung mit diesen Versen nennt. Sie zeichnen ein dunkles Bild inmitten dieses Lehrbriefes. Dennoch helfen sie in der heutigen Zeit, uns biblisch und damit zur Ehre Gottes zu verhalten, wenn Menschen auftreten, die einen sektiererischen Geist offenbaren und verführen.

1: Das Motiv - Egoismus

Paulus lässt uns nicht im Unklaren über das Motiv dieser Menschen. Sie dienten ihrem eigenen Bauch. Mit diesem Ausdruck weist Paulus auf ihr egoistisches und selbstsüchtiges Herz hin, das von Ichsucht erfüllt war. Ihre Person stand im Vordergrund, nicht aber Christus. Nicht Ihm dienten sie, sondern sich selbst.

2: Das Ziel - Verführung

Mit ihrem egoistischen Motiv zeichnete sich auch kein gutes Ziel ab. Paulus spricht davon, dass sie die Arglosen zu verführen und hinter sich her zu ziehen suchten. Das Ziel ihres Dienstes war folglich Verführung. Sie beabsichtigten, Gläubige um sich selbst zu scharen, nicht um Christus. Sie wollten diese Personen für sich selbst gewinnen. Natürlich haben sie das nicht gesagt! Vermutlich haben sie sogar das Gegenteil gesagt, so dass sie Gläubige, die nicht wachsam waren, verführen konnten. Das hat schlimme Folgen. Immerhin warnt Paulus vor Zwiespalt und Ärgernis.

3: Das Mittel - süße Worte statt gesunde Lehre

Das Mittel mit dem diese Menschen auftraten und verführten waren süße Worte und schöne Reden. Darunter können Worte verstanden werden, die in den Ohren der Zuhörer lieblich klingen und darin kitzeln und möglicherweise auch ihre Gefühle ansprechen, aber nicht dazu beitragen, dass ihre Herzen in der Wahrheit befestigt, zu Christus gezogen und praktisch miteinander verbunden werden (vgl. 2.Tim 4,3). Das jedoch ist das Ziel jeder gesunden Lehre. Doch hier geschah das Gegenteil. Statt die Gläubigen zu Christus zu führen und sie praktisch miteinander zu verbinden, richteten sie Zwiespalt an. Sie beeindruckten durch ihre Redegewandtheit und ihr Auftreten, führten aber von Christus weg, unabhängig davon, was sie vorgaben zu tun.

Daher ist es nicht denkbar, dass diese süßen Worte und die schönen Reden die gesunde Lehre zum Kerninhalt hatten. Wie der Feind werden sie durchaus auch Wahres gesagt haben. Aber die Richtung ihrer Belehrung war falsch und führte zu Falschem. An dem Prüfstein der gesunden Lehre gemessen war ihr Dienst offensichtlich irreführend.

4: Die Adressaten - Arglose

Die Empfänger waren arglose Christen. Darunter sind Menschen zu verstehen, die gutgläubig sind und dazu neigen, süßen Worten und schönen Reden Vertrauen zu schenken und sie ins Herz aufzunehmen. Dabei merken sie wohl kaum, Opfer von Verführung geworden zu sein. Womöglich fehlt es ihnen auch an Verständnis und Einsicht in die Wahrheit des Wortes Gottes, um mit dem Licht des Wortes die Gefahr beurteilen zu können. Das sind oft junge Gläubige, die nicht befestigt sind in der Lehre, aber aufschauen zu solchen, die in ihrem Dienst beeindrucken. Und es können solche Personen sein – besonders Schwestern – die besonders durch Gefühle geprägt sind.

Aus diesem Grund ermahnte Paulus die Brüder in Rom, auf solche zu achten, die Zwiespalt und Ärgernis anrichteten, damit gerade solche Arglosen nicht durch List süßer Worte und schöner Reden auf einen falschen Weg und auf die Seite derer gezogen wurden, die verführten. Davor sollten sie bewahrt bleiben.

5: Das Ergebnis - Spaltung und Ärgernis

Das Auftreten dieser Menschen war gefährlich. Deshalb musste Paulus die Brüder in Rom warnen. Denn das Ergebnis ihres Handelns hatte nicht nur ausreichend Potenzial zu verführen, sondern brachte Spaltung und Ärgernis hervor. Gerade das wollte Paulus verhindern. Denn eine Spaltung ist zur Unehre Gottes und zum Schaden der Gläubigen.

Das griechische Wort, das Paulus hier für Zwiespalt gebraucht, kommt nur noch ein einziges Mal in Galater 5,20 vor. Dort steht es in der Liste der Werke des Fleisches. Allerdings wird es an dieser Stelle mit Zwietracht übersetzt. Es zeigt uns, dass jede Art eines sektiererischen Geistes aus dem Fleisch kommt und zu verurteilen und zu richten ist.

Zudem stehen Zwiespalt und Ärgernis in völligem Gegensatz zu dem, was Paulus gelehrt hatte. Auch wenn die Einheit des Leibes nicht direkter Gegenstand des Römerbriefes ist, hatte Paulus doch von dem einen Leib geschrieben (Röm 12,5). Dieser eine Leib soll in der Praxis auch in seiner Einheit sichtbar dargestellt werden. Deshalb liegt es Paulus daran, das keine Spaltungen da sind.

Zudem hatte er in den vorigen Kapiteln von Liebe, Frieden, Freude und Gerechtigkeit gesprochen (Röm 12,9; 13,8; 14,17). Doch diese Menschen trieben ein Werk, das weder zur praktischen Darstellung der Einheit des Leibes beitrug, noch zu Liebe, Friede, Freude und Gerechtigkeit führte, sondern vielmehr Zwiespalt und Ärgernis anrichtete. Beides steht im Widerspruch zur Lehre des Apostels und damit im Widerspruch zu Gott.

6: Das Hilfsmittel - Absonderung

Wenn Paulus auf die Gefahr des Zwiespalts und des Ärgernisses hinwies und die Gläubigen davor warnte, ließ er sie nicht ohne Hilfsmittel dastehen. Er zeigte auf, was zu tun war, um sich vor diesen Menschen und ihren verführerischen Intrigen zu schützen.

So weist Paulus die Gläubigen an, sich von ihnen abzuwenden. Sie sollten sich von diesen Menschen trennen. Das ist das göttliche Mittel zur Bewahrung (vgl. 2.Tim 2,19.22).

Leider hat sich häufig erwiesen, dass solche Personen keine Belehrung mehr annehmen, sondern immun gegen die gesunde Lehre des Wortes Gottes geworden sind. Sie mögen noch sagen, dass sie über den „Einspruch“ nachdenken wollen. Aber sie bleiben bei ihrer Auffassung. Biblische Argumente werden kaum noch entgegen genommen und ins Herz gefasst. Daher ist das Abwenden von solchen Menschen oft nur noch der einzige Weg, um vor Schaden und Verunreinigung bewahrt zu bleiben. Leider wird dieser Aufforderung zu wenig nachgekommen.

Es stellt sich die Frage, wie eine praktische Gemeinschaft mit solchen verwirklicht werden kann, die Zwiespalt und Ärgernis anrichten und in ihrer egoistischen Gesinnung sich selbst dienen und nicht dem Herrn Christus? Es ist offensichtlich, dass sie sich dem Herrn nicht als seine Diener unterwerfen, sondern ihr eigenes Werk betreiben, das letztlich nur zu Schaden führt. Deshalb ist es wichtig, auf Paulus zu hören und sich von solchen abzuwenden.

7: Der Gehorsam - Grund zur Freude

Schließlich kommt Paulus auf den Gehorsam der Gläubigen in Rom zu sprechen. Dieser war nicht nur in den Herzen der Gläubigen vorhanden, sondern auch zu allen hingelangt (Röm 16,19). Darüber freute sich der Apostel. Er konnte darauf vertrauen, dass die Brüder seine Ermahnungen beherzigen und auf solche achten würden, die verführten und einen sektiererischen Geist offenbarten. Ihm lag es am Herzen, dass die Geschwister praktisch miteinander verbunden waren, davon sichtbar machten und sich der Gemeinschaft erfreuten, um so ein gemeinsames Zeugnis von Christus zu sein.

Der Gehorsam ist notwendig, um weise zum Guten und einfältig zum Bösen zu sein (Röm 16,19). Nicht auf Böses sollten sie ihre Aufmerksamkeit richten und sich damit beschäftigen, sondern auf das Gute, das von Gott kommt und von den Aposteln gelehrt wurde.

Fazit: Unsere Verantwortung am Ort

Bis heute haben die Worte aus diesem Abschnitt des Römerbriefes ihre Bedeutung nicht verloren. Deshalb sollten auch wir wachsam sein und acht haben auf solche, die Zwiespalt und Ärgernis anrichten. Diese Aufmerksamkeit gilt zunächst dem örtlichen Zusammenkommen. Dort sollen wir offene Augen und offene Ohren haben.

Zugleich sollten wir in der Kraft des Geistes Gottes zu seiner Ehre handeln, die gesunde Lehre verkündigen, zu Christus führen, gute Werke betreiben und darauf achten, dass weder Zwiespalt noch Ärgernis entstehen.

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