Buchbesprechung: Wenn plötzlich die Angst kommt (Roger Baker)

Lesezeit: 3 Min.

Vor einiger Zeit hörte ich von einem Therapeuten und Seelsorger folgende Aussage: Seelische Probleme, die nicht endogener Natur sind (also nicht auf körperliche Ursachen zurückzuführen sind), können dadurch überwunden werden, dass man dazulernt.

Der Autor

An diese Aussage wurde ich erinnert, als ich das Buch „Wenn plötzlich die Angst kommt" von Roger Baker las. Der Autor ist klinischer Psychologe und forscht an verschiedenen Universitäten in England. Er schreibt in diesem Buch über ein Thema, das ihn selbst viele Jahre nur durch seine Arbeit betraf, bis er entsprechende Angstzustände selbst erlebte. Das beschreibt er kurz in einem Anhang.

Das Buch

Das Ziel des Buches ist, Panikattacken zu verstehen und zu überwinden. Dazu hat Baker sein Buch in 5 Teile gegliedert. Im ersten Teil erklärt er die Panik und was bei einer Panikattacke passiert. Im zweiten Teil räumt der Autor mit verschiedenen „falschen Glaubenssätzen" auf, also mit Vorstellungen, die Betroffene und vielleicht Nicht-Betroffene haben, die aber schlicht Irrtümer darstellen und dazu führen, dass man weiterhin mit der Angst vor Panikattacken lebt und diese Attacken weiterleben können.

Im dritten Teil zeigt Roger Baker, welche verschiedenen Ursachen es für Panikattacken gibt, ehe er im vierten Teil eine Reihe von praktischen Therapievorschlägen für Betroffene unterbreitet. Im letzten Teil schließlich widmet sich der Autor dem „normalen Panikpatienten" und der Frage, wie man selbst solche Attacken überwinden kann.

Zwangsgedanken

Eine nützliche Ergänzung findet sich in einem „Anhang" ab S. 127. Dort geht Baker auf Zwangsgedanken ein, erklärt sie und zeigt ihren Wirkungsmechanismus. Im 16. Kapitel (Teil der Therapievorschläge) geht er noch auf Zwangshandlungen ein.

Der Nutzen des Buches

Dieses Buch kann Betroffenen durch Wissensvermittlung sehr helfen, den Mechanismus hinter Panikattacken zu verstehen. Die Veränderung des Wissensstandes ist tatsächlich ein wesentlicher Baustein auf dem Weg, solche Attacken zu überwinden. Denn erst dann, wenn man erkennt, dass eine solche Attacke nicht in der Lage ist, mich umzubringen (oder dergleichen), wenn ich verstehe, was da in meinem Organismus passiert, kann ich sei überwinden.

Baker (oder der Übersetzer) hat eine sehr gut verständliche Sprache verwendet, um Angstattacken zu erklären. Auch die Therapievorschläge sind gut geeignet für die praktische Umsetzung. Vieles wird in einfacher Weise veranschaulicht.

Aus meiner Sicht gibt es nur wenige Mankos in diesem Buch. Ich finde es unpassend, wenn man von einer „Art Bibel für Psychotherapeuten" (S. 11). spricht.

Ein christliches Buch?

Die größte Überraschung ist für mich, dass die Bibel so gut wie nicht (wenn überhaupt einmal ...) vorkommt. Und das in einem Buch, das bei einem christlichen Verlag (SCM R. Brockhaus) verlegt worden ist. Aber vielleicht ist gerade das zugleich die gute Nachricht. Dass sich die meisten bei solchen Panikattacken keine Sorgen machen müssen, dass ein geistliches Problem vorliegt.

Nun ja, so ganz stimmt das aber nicht. Denn Roger Baker zeigt, dass gerade in den neun Monaten vor dem ersten Auftreten einer Panikattacke durchaus eine Ursache für dieses „Problem" zu finden ist. Und hier ist der Ansatzpunkt für Freunde, Familienangehörige und Seelsorger, wenn sie einer solchen Person helfen wollen. Natürlich sollte man zunächst abchecken, ob es eine physisch-körperliche Ursache geben könnte. Aber wenn das geschehen ist, kann man in einem vertraulichen und zugleich offenen Gespräch mit dem Betroffenen über den Anlass und die Ursache sprechen. Gerade dann bekommt Gottes Wort eine große Bedeutung, wenn es vielleicht um erfahrene Ereignisse gibt, die es zu überwinden gilt, wo möglicherweise Vergebungsbereitschaft gelernt werden muss.

Und dann kann man an die Überwindung der Attacken gehen. Das muss nicht Jahre dauern, gerade nicht!

Das Buch umfasst 208 gut lesbare Seiten und kostet 9,99 Euro.

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