Was tun wenn? Angst – Ärger – ausweglose Situationen – eine Buchbesprechung

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Ist es nicht so, dass wir bei Problemen, besonders seelischer Art, sofort nach dem Arzt - hier nach dem Therapeuten - rufen? Wir selbst fühlen uns überfordert, auch als Mitchristen fühlen wir uns überfordert. Der Pastor und auch der örtliche Seelsorger meint, da muss ein Fachmann ran. Und schon hat die Gesundheitsindustrie wieder einen neuen Fall, obwohl der Patient selbst, der Seelsorger oder die Familie sehr viel selbst daran tun könnten.

Viele scheinbar ausweglose Situationen haben schon so viele Christen und Menschen ganz allgemein gemeistert - sollte ich dann nicht dazu in der Lage sein? J. E. Adams gibt mehrere Beispiele. Eine schwere OP wird uns angekündigt. Wir vermuten, dass viel mehr dahintersteckt. Wir sind verzweifelt. Aber dann hören wir von mehreren vertrauten Personen, dass sie dieselbe OP vor Jahren hinter sich gebracht haben - mit guten Ergebnissen. An dem Problem hat sich nichts geändert. Aber durch diese vertrauten Personen haben wir Vertrauen gefasst.

Sehr dezidiert weist Adams darauf hin, dass wir Depressionen nicht so schnell allein in die Schublade einer sogenannten „seelischen Erkrankung" stecken sollten. Natürlich gibt es endogene oder exogene Ursachen, für die der „Patient" nichts kann. Aber nach der Erfahrung des Autors sind das bei weitem nicht die meisten Fälle. Könnte es sein, dass man in seinem Leben eine Schuld, die vorliegt, nicht bereinigt, nicht verarbeitet hat? Dass Dinge, die auf dem Weg liegen, einfach nicht wegräumt? Gibt es vielleicht doch eine Ursache bei mir selbst? Vielleicht ist das etwas überspitzt dargestellt. Aber in einer Zeit, in der die Ursachen immer woanders gesucht werden, gibt dieses kurze Buch hilfreiche Anregungen.

Allerdings sollten wir nicht übersehen, dass medizinische und geistliche Ursachen oft zusammenkommen und daher auch beide behandelt werden müssen. Oftmals ist es zumindest zu Beginn nötig, auch medizinische Hilfestellungen (und Medikation) zu geben, um den Hilfesuchenden überhaupt erreichen zu können. Man sollte also hier nicht in ein schwarz-weiß-Denken kommen.

Besonders widmet sich Jay Adams den Zornes- und Angstgefühlen. Zorn frisst man oft in sich hinein - oder lässt ihn ausbrechen. Adams weist mit Recht darauf hin, dass es einen biblischen, einen göttlichen Zorn gibt, den auch der Herr hatte. Aber der fleischliche überwiegt bei uns bei weitem. Enorme Energie wird freigesetzt, zum Schaden von anderen - oder zu unserem eigenen Schaden. Was ist, wenn in einem Zornesausbruch auf einmal ein wichtiger Kunde anruft - warum sind wir dann in der Lage, plötzlich wieder „ganz normal" zu sein, überaus höflich? Das zeigt, dass es andere Wege gibt, den Zorn in sinnvolle Energie umzuwenden. Warum nicht das Problem des Zorns einmal angehen, zusammen mit dem, um den es geht?

Ähnlich bei der Angst. Letztlich, so der Autor, ist eine ständige Angst nichts anderes als Missrauen gegen Gott. Vielleicht empfindet mancher Leser das als überspitzt dargestellt. So ging es mir auch zunächst. Aber wenn man diese These einmal durchdenkt, steckt doch viel Wahrheit darin.

Auch Angst kann endogene (medizinische) oder exogene (Schocks) Ursachen haben. Und doch wäre es falsch, dann immer sofort und nur an einen Therapeuten zu denken. „Die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus" (1. Joh 4,14) - das ist Gottes Wort. Wenn man Angst durch Liebe ersetzt, dreht sich nicht alles um mich selbst - wie bei der Angst, das ist Egoismus - sondern um den Herrn Jesus, um Gott, um den anderen, dem wir Liebe schenken wollen. Kann es etwas Besseres geben? Und: Liebe ist stärker als Angst. Denn sie ist ein Wesenszug Gottes, den Er in unsere Herzen ausgegossen hat.

Vielleicht sagt jemand: „Ich kann nicht, wie ich will! Das ist ja gerade das Problem: Jedes Mal, wenn ich versuche, das zu tun, was ich tun sollte, hält mich die Angst davon ab!" Die Antwort des Autors: „Moment mal: Die Angst ergreift uns nicht wie ein Ungeheuer, über das wir keine Kontrolle haben. Denn die Angst kommt aus uns selbst. Deshalb sind wir dafür verantwortlich, wenn wir Angst haben, genauso wie wir für die Liebe verantwortlich sind" (S. 53.54).

Wer jetzt meint, die Überwindung der Angst müsste oberste Priorität in seinem Leben bekommen, hat sich aber auch das falsche Ziel gesetzt. Denn damit steht das eigene Ich wieder im Mittelpunkt. Wichtiger ist es, sich darauf zu konzentrieren, Taten der Liebe zu tun, die von Gott ausgehen. Wer die Liebe betont, überwindet die Angst, indem er das Wohl des anderen sucht. Eine andere Möglichkeit, die Angst zu überwinden, gibt es nicht.

Das Buch von Jay E. Adams ist sehr gut zu lesen, umfasst 62 Seiten und ist als Brunnen-Taschen-Buch erschienen. Es ist heute nur noch gebraucht erhältlich.

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