18.05.2004Jesus Christus / Gott

Jesus Christus – in den Himmel aufgenommen

Es ist allgemein bekannt, dass der Tod und die Auferstehung Jesu die Eckpfeiler des Evangeliums der Gnade sind: „Denn ich habe euch zuerst überliefert, was ich auch empfangen habe: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften; und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften“ (1. Kor 15,3.4). Durch seinen Tod hat der Herr Jesus unsere Sünden gesühnt, uns mit Gott versöhnt und die Grundlage für unsere Beziehung zu Gott gelegt. Auferweckt worden ist Er unserer Rechtfertigung wegen (Röm 4,25): Die Auferweckung ist der sichtbare Beweis dafür, dass Gott das Werk von Jesus Christus angenommen hat als Grundlage für unsere Erlösung. Warum aber ist der Herr Jesus danach nicht auf der Erde geblieben, sondern in den Himmel aufgefahren-

Die Himmelfahrt – die Antwort Gottes auf die Leiden Christi

Natürlich könnte man eine Vielzahl von Gründen dafür angeben. Der sicher wichtigste Grund ist die Antwort Gottes auf die Leiden Christi, auf sein Erlösungswerk – ja auf die ganz persönliche Bitte Jesu an seinen Vater: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte. Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war“ (Joh 17,4.5). Dieses Gebet hat der Vater erhört – Er hat Christus verherrlicht, und der Sohn thront nun auch als Mensch in der Herrlichkeit des Vaterhauses.

Ein weiterer Grund für die Himmelfahrt Jesu ist dieser: Der Herr Jesus hat die Verwerfung durch diese Welt „akzeptiert“. Er war in diese Welt gekommen, die Er selbst geschaffen hatte. Aber die Welt kannte Ihn nicht und wollte Ihn nicht kennen. Sie hat Ihn verworfen. Der Herr Jesus ist zu den Seinen gekommen – dem Volk der Juden. Aber die Seinen haben Christus nicht angenommen, sondern ans Kreuz gebracht (Joh 1,10.11). Das Kreuz ist der Höhepunkt der Verwerfung – und für den ungläubigen Menschen ist dies das letzte Mal gewesen, dass er Jesus leibhaftig sehen konnte. Erst als Richter der Lebendigen und Toten wird Christus den Menschen wieder begegnen. In gewisser Hinsicht hat der Herr Jesus also die Verwerfung durch die Menschen also akzeptiert – zum ewigen Schaden für den, der nicht an Jesus Christus als an seinen persönlichen Retter glauben will.

Aber der Ratschluss Gottes sah etwas noch Größeres vor, als Jesus zum Retter der Welt zu machen. Gott wollte Jesus Christus mit den Gläubigen der heutigen Zeit in einer Weise verbinden, die es vorher nicht gab. Vor Grundlegung der Welt beschloss Gott, die Versammlung (Kirche, Gemeinde) aus allen Menschen zu bilden, die seinen Sohn als persönlichen Retter annehmen würden. Und diese Versammlung – im Bild betrachtet als ein menschlicher Körper – sollte als göttliches Geschenk den im Himmel verherrlichten Herrn Jesus als Haupt, als Kopf, erhalten (Eph 1,22).

Die Himmelfahrt – eine notwendige Voraussetzung zur Bildung der Versammlung

Die Versammlung ist von ihrem Ursprung her himmlisch – der Ratschluss wurde im Himmel vor Grundlegung der Welt gefasst. Da gab es noch kein Universum geschweige denn den Planeten „Erde“. Die Versammlung ist von ihrem Wesen her himmlisch – derjenige, mit dem sie untrennbar verbunden ist, kommt aus dem Himmel (Joh 3,13). Und auch ihr Ziel ist himmlisch – dort wird die Versammlung in Ewigkeit sein (vgl. Off 21,2).

Daher war es nötig, dass vor der Bildung der Versammlung derjenige, mit dem sie von Anfang an verbunden ist, im Himmel ist. Und dazu musste Er von der Erde in den Himmel auffahren. „Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes“ (Mk 16,19).

Schon im Alten Testament gibt es eine Andeutung dieser Verherrlichung: „Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln; er wird erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein“ (Jes 52,13). Dürfen wir das nicht auf die dreifache Verherrlichung des Herrn beziehen- Er ist auferstanden, Er ist in den Himmel aufgefahren, und Er setzte sich zur Rechten Gottes, der Majestät, in der Höhe.

Und das Neue Testament berichtet uns an verschiedenen Stellen von der gewaltigen Erhöhung des Herrn. Den Bericht seiner Himmelfahrt finden wir in Markus 16, Lukas 24 und Apostelgeschichte 1. Aus Hebräer 4,14 lernen wir, dass der Herr Jesus nicht nur in den Himmel aufgefahren ist, sondern sogar „durch die Himmel gegangen ist“. In Hebräer 7,26 findet man, dass seine Himmelfahrt dazu führte, dass Er „höher als die Himmel geworden“ ist. Und Epheser 4,10 beschreibt seine Himmelfahrt als „hinaufgestiegen über alle Himmel, damit er alles erfüllte“.

Wenn wir also von der Himmelfahrt sprechen, meinen wir nie einfach sein Weggehen von dieser Erde in den geschaffenen Wolkenhimmel, wenn die Jünger ihren Meister auch so auffahren sahen. Nein, die Himmelfahrt bedeutete eine Verherrlichung unseres Retters, die wir mit unserem Verstand nicht begreifen können. Denn was ist der Himmel- Er ist die Atmosphäre der Gegenwart Gottes selbst – nicht geschaffen, sondern ewig und damit auch kein physischer, materieller Ort. Und dort thront jetzt der Herr Jesus als Mensch – höher als alles geworden, was jemals geschaffen wurde. Er hat dort als Erstling das Vaterhaus für Menschen „eingeweiht“, die Ihm einmal folgen werden (Joh 14,3).

Zugleich ist Er uns schon jetzt geschenkt worden als Haupt, dessen Fülle (Vervollständigung) wir sind. Aber damit wir keinen Augenblick zu falschen Vorstellungen kommen, fügt Paulus hinzu, dass wir die Fülle dessen sind, „der alles in allem erfüllt“ (Eph 1,23). Er erfüllt alles – den (geschaffenen und den ungeschaffenen) Himmel, das Herz Gottes, einfach alles!

Die Himmelfahrt – Voraussetzung für das Kommen des Heiligen Geistes

Es gilt noch einen weiteren wichtigen Punkt zu bedenken. Für die Entstehung der Versammlung war nicht nur die Himmelfahrt und Verherrlichung des Herrn Jesus nötig. Erst durch das Kommen des Geistes Gottes auf diese Erde wurde sie dann auch tatsächlich ins Leben gerufen (1. Kor 12,13) – und das setzte ebenfalls die Himmelfahrt des Herrn voraus. Das sagte der Herr seinen Jüngern im Obersaal: „Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden“ (Joh 16,7). Der Heilige Geist konnte nur in von Sünde(n) befreiten, erlösten Menschen dauerhaft wohnen; und das war erst nach dem Erlösungswerk möglich – die Verherrlichung des Herrn bildet dabei gewissermaßen den krönenden Abschluss dieses Werkes. Und diese göttliche Person – Gott, der Heilige Geist – wohnt jetzt in der Versammlung (1. Kor 3,16) und in jedem Gläubigen auch persönlich (1. Kor 6,19).

Bist du dir bewusst, was dir fehlte, wenn der Geist Gottes nicht in dir wohnen würde- Wenn dir die Möglichkeit einer ganz persönlichen Führung für jeden Tag nicht zur Verfügung stünde – oder lassen wir uns so wenig vom Heiligen Geist leiten-

So führte die Himmelfahrt Jesu dazu, dass wir mit einem Menschen im Himmel verbunden sind, der zugleich Gott selbst ist. Und eine göttliche Person ist vom Himmel auf die Erde gekommen, um in uns zu wohnen. Diese Geschenke können wir gar nicht genug schätzen!

Und wenn in den nächsten Tagen ein ganzer Tag „frei“ ist, um an die Himmelfahrt Christi zu erinnern, werden wohl viele Menschen nur an Freizeit und Feiern, aber mit keinem Gedanken an Jesus denken. Lasst uns jedoch daran denken, dass derjenige, der sich so unendlich tief erniedrig hat und Mensch geworden ist, nach vollbrachtem Werk verherrlicht und erhöht worden ist. Das war die Antwort Gottes auf seine Leiden. Auch ohne einen speziellen Gedenktag – denn als Gläubige feiern wir ja keine besonderen Feiertage, weil das Neue Testament diese ablehnt (Gal 4,10.11) – sollten diese Gedanken einem Christen wichtig sein.

„Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen gegeben, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters“ (Phil 2,9-11).