31.01.2017Persönlicher Glaube | Menschliches Zusammenleben

Freunde-Freundschaft

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„Die Süßigkeit eines Freundes kommt aus dem Rat der Seele. Verlass nicht deinen Freund und deines Vaters Freund … Eisen wird scharf durch Eisen, und ein Mann schärft das Angesicht des anderen“ (Spr 27,9.10.17).


Jemand hat einmal gesagt: Freunde sind jene seltenen Menschen, die einen fragen, wie es einem geht, und dann auch die Antwort abwarten. Das ist großartig. Es sind Menschen, denen an uns liegt – und uns liegt an ihnen. Denn eine Freundschaft ist nicht einseitig, sondern gegenseitig.


Ein Freund redet nicht einfach daher. Er spricht überlegt. Aber er öffnet sich auch, um vertrauensvoll und vertraulich zu reden. Er gibt, wenn er Ratschläge erteilt, immer etwas von sich selbst preis. Denn offen ausgesprochene Ratschläge machen einen selbst angreifbar. Von echten Freunden wird ein solches Vertrauen jedoch belohnt.

Wir haben Freunde nötig

Wir alle haben Freunde nötig. Denn wir brauchen Ratschläge, wir brauchen ein Korrektiv in unserem Leben – auch in unserem geistlichen Leben! Es bleibt auch wahr, dass „Eisen durch Eisen scharf“ wird. Wenn man alleine über manche Dinge nachdenkt – auch in der Ehe –, so besieht man Fragen doch in der Regel nur von einer bestimmten Seite. Ein Freund hat jedoch einen anderen, ergänzenden Blickwinkel, den er mit einbringen kann. Und zuweilen ist es so, dass ein solch neuer Blickwinkel auch zu anderen Einsichten führt.

Daher wird durch einen Freund das Verständnis „angespitzt“. Man durchdenkt Vorstellungen und Lebenswege stärker – und man ist in der Lage, Schwachstellen der eigenen Überlegungen zumindest klarer zu sehen oder ihnen sogar zu begegnen. Aber auch dazu ist es nötig, dass man gegenseitiges Vertrauen hat. Das ist das Kennzeichen von Freunden. Wenn sie sich vielleicht auch länger nicht gesehen haben, so verstehen sie sich doch auf Anhieb wieder. Und sie sind in der Lage, auch einmal kritische Worte weiterzugeben.

Freunde können sich auch Kritik sagen

„Treu gemeint sind die Wunden dessen, der liebt“ (Spr 27,6). Freunde haben sich immer etwas zu sagen. Aber es sind eben keine schmeichlerischen Worte, die sie austauschen. Sie können sich auch klar die Meinung sagen, wenn es um bestimmte Fragen und Punkte geht. Ihr gutes Verhältnis wird von solchen unterschiedlichen Standpunkten nicht getrübt. Im Gegenteil, da man versucht, die Kritik des anderen gut zu verstehen, vertieft sich das Verhältnis sogar.

Eine Freundschaft ist daher auch in der Lage, Wunden auszuhalten. Wunden tun immer weh. Da sind Freundschaften keine Ausnahmen. Aber wenn es sich um wirkliche Freunde handelt, weiß man, dass diese Wunden aus Liebe entstehen. Diesen Beweggrund wird man bei einem Freund immer unterstellen. Daraus schließt man, dass es nötig ist, einmal über bestimmte Dinge neu und stärker nachzudenken.

Freunde wie David und Jonathan

Wir alle brauchen Freunde – Freunde in der Not und Freunde in guten Zeiten. Solche Freundschaften sind auch in der Lage, manche schwierige Zeit auszuhalten. Das sehen wir an der Freundschaft zwischen David und Jonathan. Aber solche Beziehungen benötigen „Investitionen“. Das sind Zeit, Energie und Ausdauer.

Wer echte und tiefe Freunde hat – davon kann man nicht zehn parallel haben, weil man so viel Energie und Zeit gar nicht aufbringen kann –, der wünscht auch anderen, dass sie etwas von dieser Freude erleben.