18.03.2006 Persönlicher Glaube | Versammlung / Gemeinde

Die Welt und das Fleisch – zwei Freunde

Warum diese ernste Ermahnung für die Epheser?

„Deshalb, da ihr die Lüge abgelegt habt, redet Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten, denn wir sind Glieder voneinander“ (Epheserbrief, Kapitel 4, Vers 25).

Immer mal wieder habe ich mich gefragt: Warum kommt so - sozusagen - banale Ermahnungen in dem Epheserbrief, der uns die höchsten Aspekte der christlichen Wahrheit vorstellt? Hatten die Epheser solche Ermahnungen eigentlich nötig?

Die Gefahr, das Fleisch zu unterschätzen ...

Wahrscheinlich gibt es keine größere Gefahr, als, nachdem man mit der großartigen Wahrheit von „Christus und seine Versammlung (Gemeinde, Kirche)“ beschäftigt war, wieder praktisch in dieser Welt aufzutauchen. Warum? Weil man vielleicht zu dem falschen Schluss kommen könnte: Jetzt kann mir die Welt nichts mehr anhaben. Ich bin ja mit Christus Jesus verbunden.

Aber das Gegenteil ist der Fall. Denn die Welt hat einen Verbündeten in uns, der gefährlicher nicht sein könnte: das Fleisch. Das Fleisch ist der Teil in dem Gläubigen, der als Folge der Sünde und des Fallens des Menschen, Adam, auch in einem Gläubigen noch vorhanden ist, so lange er auf dieser Erde lebt. „Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt“ (Galaterbrief, Kapitel 5, Vers 17).

Was ist das Fleisch?

Das Fleisch ist der Sitz der Begierden, des eigenen Ichs, der Wünsche, die den Menschen erhöhen und nicht Christus. Und dieses Fleisch werden wir mit uns herumschleppen, bis wir im Himmel sind.

Das Fleisch ändert sich nicht im Gläubigen. Ob man 1 Jahr, 5 Jahre oder 50 Jahre schon neues, ewiges Leben geschenkt bekommen hat - das Fleisch bleibt immer unverbesserlich schlecht. Und wenn wir uns von der bösen Welt zu Gott bekehrt haben, dann auch deshalb, weil wir erkannt haben, dass in uns, das ist in unserem Fleisch, nichts Gutes wohnt.

Was bieten wir dem Fleisch?

Und wenn wir uns mit dem Herrn Jesus und der Wahrheit Gottes beschäftigen, dann bekommt das Fleisch keine Nahrung. Aber wir müssen nur einmal mitten in die Welt hineingehen. Zum Beispiel an Orte, die einfach weltlich sind - das ist nicht nur das Kino und die Disco, das Fußballstadion oder das Konzert. Aber eben auch diese Orte.

Dann werden wir schnell merken (können), wie diese Welt in uns einen Anknüpfungspunkt findet. Wer geht schon freiwillig aus dem Kino, wenn auf einem Bettszenen gezeigt werden? Wer kann sich von der Anziehungskraft der (sagen wir modernen) Musik freisprechen? Und wen lässt die Anspannung und die Stimmung in einem Stadion einfach kalt? Manchmal unmerklich schleichen Welt und Fleisch nebeneinander her und stärken sich auch in einem Gläubigen gegenseitig.

Daher

Daher sind die praktischen Ermahnungen von Paulus im Epheserbrief von solch wesentlicher Bedeutung. Die biblische Lehre, auch die von Christus und der Versammlung, sind nicht praxisfern. Sie muss in der Wirklichkeit unseres Lebens praktiziert werden. Und da ist es hilfreich, nicht zu vergessen, wo man herkam. Und dass man da nicht mehr hingehört!