03.04.2006Ehe & Familie

Bloß weg?

Er hatte den Vater lange gedrängt, ihm schon zu Lebzeiten sein Erbe auszuzahlen. Nach langem Zögern hatte der Vater ihm dann das ersehnte Geld vor einigen Tagen endlich gegeben. Daraufhin hatte er die Katze aus dem Sack gelassen und den Vater über sein Vorhaben aufgeklärt: Er würde das Elternhaus verlassen und sein eigenes Leben leben. Bloß weg!!

Die Geschichte kommt dir vielleicht bekannt vor. Man kann sie in Lukas 15 nachlesen. Dann weißt du aber sicher auch, wie sie ausging. Dass der junge Mann nämlich in Lumpen wieder nach Hause kam, nachdem er das ganze Vermögen in der Welt verschleudert hatte. Doch dar-um soll es heute nicht gehen, sondern um die Vorgeschichte, die ihn vielleicht zum Weglau-fen veranlasst hat.

Du auch?

Weißt du, es gibt vielleicht manche Jugendliche, die ihrem Elternhaus liebend gerne sofort den Rücken kehren würden. Nein, nicht dass sie es tatsächlich auch sogleich täten, denn nor-malerweise fehlt das Geld dazu, und die Eltern lassen sich in der Regel nicht so leicht überre-den, ein Erbe vor der Zeit auszuzahlen wie der Vater in Lukas 15. Aber hast du so vielleicht auch schon einmal gewünscht, endlich aus der „Enge“ des Elternhauses herauszukommen? Dass doch endlich die ständigen Predigten der Eltern aufhören würden und du deine Ruhe haben könntest!? Vielleicht war das auch der Auslöser zur „Flucht“ bei dem jungen Mann aus Lukas 15.

Dabei kann es durchaus sein, dass gläubige Eltern es ihren jugendlichen Kindern wirklich schwer machen, indem sie wenig Verständnis für sie und ihre Probleme aufbringen, sie sogar oft noch wie kleine Kinder behandeln, ihr ganzes Leben mit Vorschriften überschütten und jede Kleinigkeit reglementieren. Vielleicht stellen sie sogar Regeln für ihre Kinder auf, die über die Gebote des Wortes Gottes hinausgehen und „schärfer“ sind, als Gott es wirklich ge-sagt hat. Und tatsächlich: Keine Eltern sind ohne Fehler.

Gehorchen und ehren

Dennoch gilt Epheser 6,1–3: Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern im Herrn, denn das ist recht. „Ehre deinen Vater und deine Mutter“, welches das erste Gebot mit Verheißung ist, „damit es dir wohl ergehe und du lange lebest auf der Erde“ (vgl. 2. Mo 20,12; 5. Mo 5,16). Diese Verse haben zwei Teile, die es in sich haben ...

1. Gehorchen


Zunächst sagt der Heilige Geist durch Paulus, dass die Kinder den Eltern gehorchen sollen, weil das „recht“, das heißt richtig, ist. So entspricht es den Gedanken Gottes, der Ordnung in seiner Schöpfung. In Kolosser 3,20 drückt Paulus es ähnlich aus: „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem, denn dies ist wohlgefällig im Herrn.“ Dass das Gehorchen „recht“ und „wohlgefällig“ ist, zeigt, dass es dem Herrn Jesus gefällt, wenn Kinder gehorchen. Er möchte nicht, dass sie gehorchen, um einer Strafe der Eltern zu entgehen, sondern weil sie wissen, dass es Ihm gefällt.

Gehorchen bedeutet ganz allgemein, auf das zu hören und das zu beachten, was andere, in diesem Fall die Eltern, sagen. Vielleicht hilft dir das, diese unmoderne Vokabel nicht einfach in die Kleinkinder-Zeit zu verbannen, denn deine Eltern sind dir auch weit darüber hinaus gottgewollter Maßstab für dein Leben – in Wort und Tat.

Nur nebenbei: Dass Kinder ihren Eltern ungehorsam sind, ist leider auch eines der Zeichen der letzten Tage der Christenheit (vgl. 2. Tim 3,2). Lass dir das als Ansporn dienen, gegen den Strom zu schwimmen!

Gottes Wort gibt allerdings auch noch eine Einschränkung für den Gehorsam. Sowohl Ephe-ser 6,1 als auch Kolosser 3,20 beschränken den Gehorsam auf einen Gehorsam „im Herrn“. Dieses „im Herrn“ bedeutet, dass das Gebot des Gehorsams nicht gilt, wenn Gottes Wort aus-drücklich etwas anderes sagt. Die bekannte Stelle aus Apostelgeschichte 5,29 sagt: „Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen.“ Dieser Satz darf allerdings nicht zu einer Recht-fertigung für x-beliebigen Ungehorsam werden!

2. Ehren


Gott sagt im zweiten Teil von Epheser 6,1-3 dann aber auch, dass man Vater und Mutter eh-ren soll. Dieser zweite Teil wird sogar als ein „Gebot“ bezeichnet. Und dieses Gebot gilt über die eigentliche Kindheit hinaus letztlich ein Leben lang. Wenn das Gehorchen sich eher auf ein bestimmtes Gebot oder Verbot bezieht, dann geht das Ehren der Eltern viel weiter. Der Gehorsam den Eltern gegenüber bezieht sich auf die Zeit der Erziehung im Elternhaus, aber das Ehren der Eltern geht sogar über deren Tod hinaus!

Natürlich haben Eltern auch ihre eigene Verantwortung, wie sie sich weise gegenüber ihren Kindern verhalten und mit der ihnen von Gott gegebenen Autorität umgehen. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Und wenn es schwierig wird?

Die Belehrung von Epheser 6,1-3 gilt nicht nur für Kinder von Eltern, mit denen man immer gut auskommt. Nochmals – unter Umständen können es Eltern ihren Kindern nicht leicht ma-chen zu gehorchen und die Eltern zu ehren. Aber auch wenn deine Eltern ständig und – wie du vielleicht meinst – kleinlich auf irgendwelchen altmodischen Vorschriften bestehen (übri-gens, nur damit wir uns richtig verstehen: Gebote aus Gottes Wort sind nie „altmodisch“!), hat dieser Vers Gültigkeit. Vielleicht erhält gerade dann die Verheißung, die Gott hier gibt, eine besondere Bedeutung. Denn manche Kinder haben sich ihren Eltern auch untergeordnet, als diese sich ihnen gegenüber nicht gut verhalten haben – und mit welchem Segen! Denn im Beobachten von Gottes Anweisungen liegt großer Lohn (vgl. Ps 19,12; Jer 35,18-19). Auf der anderen Seite haben sich auch manche Kinder den elterlichen Geboten standhaft widersetzt und bereuen es heute bitter. Dabei müssen sie nicht einmal so weit gegangen sein, dass sie – wie der Sohn in Lukas 15 – das Elternhaus verlassen haben und in die Welt gegangen sind. Es können zum Beispiel auch schlechte Kontakte oder falscher Umgang mit Medien gewesen sein, die zu einem langen Weg ohne den Herrn Jesus führten und vielleicht sogar zu einem ungläubigen Ehepartner ...

An die eigene Nase packen

Liegt das Problem wirklich nur bei den Eltern? Sicher, sie machen Fehler, verbieten vielleicht mehr als nötig, es kann sogar sein, dass sie noch nicht einmal selbst alles tun, was sie predi-gen. Aber: Liegt das Problem, das du mit ihnen hast, nicht viel tiefer? Oder die Gründe, die dich schon einmal dazu veranlasst haben, dich vom Elternhaus fortzuwünschen? Wie steht es denn mit deinem Glaubensleben? Mit dem Gebetsleben? Mit der Freude am Bibellesen, am Herrn Jesus? Hast du vielleicht einfach keinen Bock“ mehr auf das „fromme Getue“ und die Zusammenkünfte, und deswegen auch kein Ohr mehr für das, was die Eltern sagen?

Das vollkommende Beispiel

Doch hören wir an dieser Stelle besser mit der Fragerei auf und schauen einfach, was wir von dem Herrn Jesus lernen können. Denn wie immer ist es am besten und lehrreichsten, wenn man auf Ihn schaut und von Ihm lernt – auch als Jugendliche.

Gottes Wort schweigt bis auf einen kurzen Bericht in Lukas 2,41–52 über das Leben des Herrn Jesus als Kind oder Jugendlicher. Aber gerade diese einzige Erwähnung der Kindheit und Jugend des Herrn zeigt ganz deutlich, dass Er seinen Eltern untergeordnet war – obwohl er der Sohn Gottes und ihr Schöpfer war! Ich bin davon überzeugt, dass Gott uns diese Ge-schichte aus der Kindheit des Herrn auch mitgeteilt hat, um Kindern und Jugendlichen ein Vorbild für das richtige Verhalten gegenüber den Eltern zu geben. Denn ein Gebot ist schön und gut, aber wie füllt es sich erst einmal mit Leben, wenn man ein vollkommenes Beispiel hat – und dieses Beispiel ist kein geringeres als das Vorbild des Herrn Jesus selbst.

Er war als Mensch – auch als Kind und Jugendlicher – vollkommen. Vollkommen heißt, dass Er ohne Sünde war und nichts als nur den Willen Gottes getan hat. Dieser Wille beinhaltete, sich seinen irdischen Eltern unterzuordnen. Seine Eltern aber waren nicht vollkommen – wie alle Eltern. Sie waren sündige Menschen. Und dennoch – Er hat sich diesen unvollkommenen Eltern untergeordnet.

Lektion für uns – versprochener Segen!

Eigentlich könnten wir hiermit schon aufhören. Denn ein Blick auf den Herrn Jesus macht alles klar, und uns wird ganz deutlich, wie wir uns nach seinem Wunsch verhalten sollen. Auch gegenüber den Eltern.

Obwohl wir ja mit der Fragerei aufhören wollten, ist vielleicht doch noch eine Frage erlaubt: Liebst du den Herrn Jesus? In Johannes 14,21 sagt der Herr Jesus: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt“... In Epheser 6,1 ist ja direkt von einem Gebot die Rede. Der Herr Jesus selbst wird uns die Kraft geben, dieses Gebot zu erfüllen. Wir müssen nur wollen und am besten gleich damit anfangen. Erstens wird es Freude machen, und zweitens wird der Herr Jesus es segnen – ganz bestimmt, denn Er hat es versprochen.


(aus: Folge mir nach - Heft 3/2006)