15.09.2017 Persönlicher Glaube

Fliehen – streben

Das Verhalten der Gläubigen im Haus Gottes ist ein wichtiger Aspekt unsere Verantwortung, da Gott selbst in diesem Haus wohnt. Dabei handelt es sich um ein geistliches Haus, in dem der Gläubige sich nicht nur in den Zusammenkünften, sondern in jedem Augenblick seines Lebens befindet. Weil diesem Haus Heiligkeit geziemt (Ps 93,5) und weil Gott die Ordnung darin festlegt, teilt Er durch den Apostel Paulus dem jungen Diener Timotheus Seine Gedanken bezüglich dieser Ordnung und des Verhaltens mit. Das beinhaltet auch, ein Leben in Gottseligkeit und in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes zu führen und von den Dingen zu fliehen, die eine Gefahr darstellen.

 

Fliehen

„Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge; strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Ausharren, Sanftmut des Geistes. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens" (1. Tim 6,11.12).

 

Der Vers beginnt mit den Worten „Du aber". Das ist das erste Mal in diesem Brief, dass Timotheus damit angesprochen wird. Durch das „Du aber" wird Timotheus zum einen persönlich angesprochen und zum anderen wird durch das Wort „aber" nun eine Gegenüberstellung zum vorherigen Abschnitt eingeleitet, die mit der Geldliebe, die eine Wurzel alles Bösen ist, endet. Timotheus' Verhalten sollte nun im Gegensatz zu dem Verhalten derer sein, die durch die Geldliebe „von dem Glauben abgeirrt sind und sich mit vielen Schmerzen durchbohrt haben" (1. Tim 6,10). In dieser persönlichen Ansprache erkennen wir, dass der einzelne Gläubige angesprochen wird, der ein völlig anderes Bestreben haben soll, als diejenigen, die durch die Geldliebe geprägt sind. Timotheus sollte sich als Mensch Gottes von Dingen wie der Geldliebe, des irdischen Gewinndenkens, der Habsucht ... distanzieren und göttlichen Dingen nachstreben.

 

Die Distanzierung wird durch das „Fliehen" erreicht und führt dazu, dass er nicht durch diese bösen Dinge von der wahren Gottseligkeit eingenommen und abgehalten wird. Die bewusste Handlung des Fliehens ist also ein Mittel, um vor einer Gefahr für das geistliche Leben bewahrt zu werden. Als Kinder Gottes werden wir an drei weiteren Stellen aufgefordert, vor etwas zu fliehen:

 

1.)   „die Hurerei" (1. Kor 6,18)

2.)   „den Götzendienst" (1. Kor 10,14)

3.)   „die jugendlichen Begierden" (2. Tim 2,22)

 

Gott gibt uns damit eine wichtige Belehrung, wie wir im Hinblick auf diese Gefahren entsprechend handeln müssen. Damit verfolgt Er das Ziel, dass wir nicht diesen Gefahren erliegen, sondern einen Wandel führen können, durch den Er, durch Seinen Diener, verherrlicht und geehrt wird. Es ist also wichtig, im Hinblick auf diese vier Gefahren nur eins zu tun: zu fliehen!

 

Streben

Neben dieser Handlung des Fliehens fordert Gott Timotheus und jeden einzelnen Gläubigen auf, nach etwas zu streben. So fliehen wir auf der einen Seite von etwas weg und streben auf der anderen Seite zu etwas hin. Die Handlung des Strebens ist ein bewusster Akt des Gläubigen, der anhaltend, in einem Charakter des „Jagens" oder „Eilens", geschehen soll. Das bedeutet, dass wir nicht müde werden sollen, nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Ausharren und der Sanftmut des Geistes zu streben, um diese dann mehr und mehr zu verwirklichen und zum Ausdruck zu bringen.

 

Diese sechs Stücke wollen wir uns nun im Einzelnen anschauen:

 

Gerechtigkeit

Gerechtigkeit: Die in diesem Brief erwähnte Gerechtigkeit ist nicht dieselbe wie in den anderen Briefen des Apostels Paulus, in denen Gott uns die Gerechtigkeit aus Glauben vorstellt.

 

An dieser Stelle ist die praktische Gerechtigkeit gemeint, nach der wir streben sollen. Sie beinhaltet, dass wir einen Lebenswandel führen, der dem Wesen und Willen Gottes gerecht wird. Gott möchte, dass wir sein Wesen des Lichts und der Liebe mehr und mehr auf dieser Erde darstellen und seinen Willen tun.

 

Gottseligkeit

Gottseligkeit: Gott hat uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit durch seine göttliche Kraft geschenkt (2. Pet 1,3). Er gibt uns damit alles Nötige zur Gottseligkeit, um sie praktisch zu verwirklichen und danach zu streben. Dabei richten wir unsere Seele auf Gott aus, sind mit Ihm in Gemeinschaft und führen ein Leben in Gottesfurcht. Im ersten Timotheusbrief finden wir den Begriff „Gottseligkeit" mehrfach, sodass sie neben anderen wichtigen Inhalten des Briefes einen nicht geringen Stellenwert einnimmt.

 

Zudem beinhaltet sie Verheißungen und ist für den, der danach strebt, ein großer Gewinn.

 

Glaube

Glauben: Der Glaube vertraut auf das, was Gott sagt und handelt danach. Der natürliche Mensch vertraut auf das Sichtbare - vielleicht auf seinen Reichtum -, aber der Gläubige kann durch den Glauben auf das Unsichtbare vertrauen und sich auf Gottes Verheißungen und Aussagen stützen.

 

Liebe

Liebe: „... denn Gott ist Liebe" (1. Joh 4,8). Jeder wahrhaft Gläubige kann mit göttlicher Liebe lieben, da er aus Gott geboren ist. Auch ist die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen worden (Röm 5,5). Das in unserem Vers verwendete Wort für Liebe beschreibt gerade diese göttliche Liebe, welche lieben kann, ohne eine Gegenliebe erfahren zu müssen und trägt damit die Qualitäten der Liebe, wie sie uns auch in 1. Korinther 13,4 - 8 vorgestellt werden. Es ist die göttliche Liebe, mit der wir lieben können und nach der wir streben sollen.

 

Ausharren

Ausharren: Nachdem wir uns die ersten vier Stücke angesehen haben, kommen wir zum vorletzten - dem Ausharren. Es bezieht sich auf die Umstände, in denen wir uns befinden oder hineinkommen können und aus denen wir natürlicherweise fliehen möchten. Doch wir sollen danach streben, auch in Prüfungen standhaft zu sein und unter diesen Umständen zu bleiben und sie zu ertragen.

 

Sanftmut des Geistes

Sanftmut des Geistes: Das letzte Stück ist die Sanftmut des Geistes. Damit endet die Reihe von sechs Tugenden, nach denen wir streben sollen. In dieser letzten Tugend wird uns die Haltung unserer Gesinnung vorgestellt, die sich in der Weise ausdrückt, dass sie ohne Widerstand Gottes Wege annimmt.

 

Die Gläubigen in Kreta sollten daran erinnert werden, „alle Sanftmut zu erweisen gegen alle Menschen" (Tit 3,2). So kann die Sanftmut auch in dieser Gesinnungshaltung nach außen hin, den Menschen gegenüber, erwiesen werden.

 

Konsequenz

Wenn wir persönlich und bewusst mit Gottes Hilfe nach diesen Stücken streben, wird es einen Widerstand geben, weil der Teufel nicht will, dass Gott durch den einzelnen Gläubigen, wenn auch mit Schwachheit verbunden, vor der Welt dargestellt, verherrlicht und geehrt wird. Auch will er nicht, dass der Gläubige die Wahrheit des Wortes Gottes praktisch verwirklicht.

 

Somit bedeutet es für jeden Gläubigen, der diese Stücke praktiziert, einen Kampf des Glaubens zu führen. Diesen Kampf bezeichnet die Bibel als einen guten Kampf, der nicht mit „Kriegskämpfen" oder anderweitigen körperlichen Kämpfen verwechselt werden darf.