05.05.2003 Persönlicher Glaube

Legenden verbreiten sich

Legenden entstehen...

In den letzten Tagen wurden e-mails verbreitet, die sich angeblich auf einen Flug bezogen, der mit dem Zusammenstoß im World Trade Center endete: Q33NY.

Es handelt sich um eine Legende, die sich mit rasender Geschwindigkeit um die Welt verbreitet. In aller Regel sind diejenigen, die dieses e-mail erreicht, so geschockt, dass sie nur ein "Hast du das schon gesehen?" in die Weiterleitung an ihre Freunde schreiben - und dann kurz erklären, was es mit Q33NY auf sich hat.

· Q33NY sei die Flugnummer eines der entführten Flugzeuge, die bei dem Attentat auf das World Trade Center eingesetzt wurden.
· Nun nehme man Microsoft Word und schreibe diesen fatalen Schriftzug: Q33NY. Probieren Sie es ruhig aus.
· Sodann markiere man die Buchstaben und stelle eine Schriftgröße von 26 ein.
· Dann wähle man als Schrift "Wingdings". Das Ergebnis ist:

Q33NY

...und haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun!

“Kann das Zufall sein?”, fragen zahlreiche Empfänger solcher e-mails. Nein, Zufall ist das nicht, sondern offenbar volle Absicht von jemandem, der bewusst eine Botschaft übermitteln möchte, die zum Schaden von Menschen ist.

Denn den Flug Q33NY hat es nie gegeben.

Wie kommt es, dass auch Christen - häufig sicher unabsichtlich Unwahres weitergeben? Der Apostel Johannes konnte zu Gajus schreiben: ”Du weißt, dass unser Zeugnis wahr ist” (3. Johannes 12). Und Paulus ermahnt die Philipper: ”Alles, was wahr... ist, dies erwägt” (Philipper 4,8). Anstatt den Wahrheitsgehalt von solchen Informationen zu prüfen, neigen wir leicht dazu, sie ungeprüft, aber mit einem eigenen Kommentar weiterzureichen.

Wie viele Legenden hast Du schon verbreitet?

Es gibt viele Beispiele dafür. Ein paar mögen diese ”These” unterstreichen:

· Seit mehr als 20 Jahren kämpft Procter & Gamble, ein amerikanischer Lebensmittel- und Hygieneartikel Hersteller, gegen das Gerücht an, der Präsident des Unternehmens gehöre der Satanskirche an und führe Gewinne an die teuflische ”Glaubens”-Gemeinschaft ab. Ein Satire-Magazin hatte ein Interview mit ihm frei erfunden, aber die Nachricht ”geisterte” sofort um die Welt und setzt sich bis heute im Kopf gerade vieler Christen fest - obwohl sie jeder (!) Grundlage entbehrt. Auch das Ändern des Unternehmenssymbols, das manche im Zuge dieser üblen Nachrede als Bestätigung empfanden, half bis heute nichts.

· Ein ähnliches Gerücht gibt es in bezug auf Joanne K. Rowling, die ”Harry Potter” entwarf. Angeblich soll sie in einem Interview mit der Londoner ”The Times” gesagt haben, dass Kinderbücher dafür gelobt werden sollten, wenn sie Leser zu Satan führen. Kinder würden dann verstehen, dass ein der Herr Jesus, der in einer solchen blasphemischen Weise herabgesetzt wird, dass ich dieses Zitat niemand zumuten möchte, ein ”lebender Schwindel” sei. Es gab jedoch kein derartiges Zeitungsinterview, sondern ”lediglich” einen Artikel in einem amerikanischen Satiremagazin. Durch das Entlarven dieser Fehlinformation geht keine Entwarnung in bezug auf ”Harry Potter” einher, aber ein Aufrütteln, mit angeblichen Informationen nüchtern umzugehen.

· In gleicher Weise gibt es positive Legenden, die jeder Grundlage entbehren. Angeblich soll kurz vor dem Absturz der Alaska Airlines im vergangenen Jahr, bei dem 87 Menschen ums Leben kamen, die Frau eines Pastors im Flugzeug mehrere Minuten lang das Evangelium gepredigt haben. Das sei auf dem Aufzeichnungsgerät der Maschine dokumentiert. Aber außer der Tatsache, dass diese Frau tatsächlich am Bord befand, lässt sich überhaupt nichts über den Vorgang nachweisen. Und das Aufnahmegerät zeichnet den Funkverkehr der Piloten auf.

Wie vielen falsche Legenden hast Du schon geglaubt?

Es gibt noch eine ganze Reihe an weiteren Legenden, wie z.B. die, dass Charles Darwin auf seinem Totenbett Christ geworden sei, oder dass im 19. Jahrhundert ein Matrose im Bauch eines Wals über mehrere Tage hinweg überlebt habe.

Warum können sich solche Legenden in unserer ”aufgeklärten” Zeit verbreiten?

Manchmal liegt es an den scheinbar zuverlässigen Quellen wie der hochgeschätzten Times bzw. dem Fernsehen - da haben ja dann Millionen Menschen zugesehen. Oder jetzt denkt man: Wenn es den Flug Q33NY nicht gegeben hätte, dann würde mir das Mail ja nicht weitergeleitet.

Hinzu kommt, dass das Wirken des Teufels derart mystisch und unbekannt erscheint, dass man ihn in solchen Beispielen geradezu ”anfassbar” zu erleben meint - und das gefällt uns Menschen, und kommt leider auch uns Christen zuweilen entgegen.

Christen sollen die Wahrheit reden!

Christen sollten aber die Wahrheit reden. Immer! Manche Weiterverbreitung hat dazu geführt, dass einem ”unschuldigen” Unternehmen ein echter wirtschaftlicher Schaden entsteht, weil Christen dort nicht mehr einkaufen. Und wie vielen gläubigen Christen und Dienern sind Dinge nachgesagt worden, die nicht wahr sind, aber ihrem Ruf geschadet und manchen Dienst für sie - zu Unrecht - unmöglich gemacht haben? Wir müssen nicht nur an die "großen" Legenden denken. Schon vermeintlich kleine Geschichten können zu einer üblen Nachrede werden. Und schlechte Nachrichten verbreiten sich nachweisbar achtmal so schnell wie gute! Für uns sollte zutreffend sein, was der Körnig Xerxes tat: ”Und die Sache wurde untersucht und wahr gefunden” (Esther 2,23).

Vor allem aber sollten wir uns nicht vor den Karren von solchen spannen lassen, die mit psychologischen Methoden Ziele zu erreichen suchen, die nicht das Ziel von Christen sein können. Unser Ziel sollte sein, den Herrn Jesus durch unser Leben zu verherrlichen und andere auf die Notwendigkeit der Buße und Umkehr aufmerksam zu machen.

Damit haben wir ausreichend zu tun!