25.12.2013 Persönlicher Glaube

Warum ich Weihnachten nicht feiere

Umso eigenartiger muss der Titel dieses Artikels anmuten: Kann es eigentlich sein, dass ein Christ Weihnachten eigentlich nicht feiert? Das ist eine Frage, der ich mich immer wieder ausgesetzt sehe, wenn ich jemandem sage: Ich feiere Weihnachten nicht. Wie auch bei anderen Themen werde ich an dieser Stelle keine Vorschriften erlassen. Ich will allerdings deutlich machen, warum ich mit dem sogenannten Weihnachtsfest nichts zu tun haben möchte. Mir ist dieses Thema so wichtig, dass ich einen Artikel darüber geschrieben habe ...

„Weihnachten wollen wir nicht mehr feiern - es geht ja nur noch um Geld und Geschenke." So hört und liest man immer öfter. Vor einiger Zeit fiel mir dann in einer ausführlichen Analyse eines Frankfurter Soziologen auf, dass die Realität ganz anders aussieht. Vielmehr seien die Rituale um Weihnachten - nämlich wann zu Hause gefeiert wird, wer dann an welchem Weihnachtstag zu besuchen ist - regelrecht in Marmor gemeißelt worden. Kann es dennoch Gründe geben, Weihnachten nicht zu feiern?

Gott wurde Mensch

Zuerst wollen wir einmal vor der Tatsache, die mit Weihnachten verbunden wird, anbetend stille stehen: Der ewige, unfassbare und nicht zu erkennende, zu sehende Gott ist Mensch geworden und damit für Menschen sichtbar und anfassbar geworden. Tausende von Jahren haben Menschen gelebt, ohne Gott so anschauen zu können.

„Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die, die unter Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen. Weil ihr aber Söhne seid, so hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der da ruft: Abba Vater! Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott" (Galater 4,4-7).

Wenn ich also sage, dass meine Familie und ich Weihnachten nicht feiern, dann geht es nicht darum, dass wir diese einzigartige Tatsache der Menschwerdung Jesu nicht ehrfurchtsvoll bewundern. Es geht auch nicht darum zu sagen: „Nein, wir feiern Weihnachten nicht!", de facto findet jedoch in vielleicht schlichterem Rahmen doch eine solche Feier statt, vielleicht ohne verkleideten Nikolaus (Weihnachtsmann), aber doch in diesem Sinn. Nein, ich möchte mit diesem Weihnachten unserer Mitmenschen und der Römisch-Katholischen Kirche, die es ihr Hochfest nennt,  nichts zu tun haben. Warum?

Christus ist nicht an Weihnachten geboren.

  1. Jesus Christus wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht an „Weihnachten" geboren, sondern in Verbindung mit dem Laubhüttenfest im September/Oktober. „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte [wörtlich: zeltete - wie man beim Laubhüttenfest zeltete] unter uns (und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater) voller Gnade und Wahrheit" (Joh 1,14). Wer sich die Argumente über die zeitliche Einordnung der Geburt Jesu einmal ansehen möchte, kann diese im Artikel finden: Wann war Weihnachten?

  2. Das Weihnachtsfest wird immer „glänzender" begangen, obwohl die Welt immer weniger mit Jesus Christus zu tun haben möchte. Wenn sich eine christuslose Christenheit mit diesem Fest schmücken möchte, kann etwas mit Weihnachten nicht stimmen.

    Ein Fest heidnischen Ursprungs

  3. Es kann recht leicht nachgewiesen werden, dass das „Weihnachtsfest" auf das heidnische Sonnenwendfest zurückgeht, auch wenn in den letzten Jahren zunehmend Anstrengungen unternommen werden, das Gegenteil zu bezeugen. Katholische Päpste haben den strategischen Schachzug unternommen, auch Heiden in ein „christliches" Fest einzubinden, indem sie einfach deren Fest ins Christentum überführten. Nur so glaubte man, die Heiden fürs Christentum gewinnen zu können. Man kann sicher nicht grundsätzlich sagen, dass ein böser Ursprung dazu führt, dass man mit der betroffenen Sache nichts zu tun haben möchte (vgl. den Bau einer Stadt, 1. Mo 4,17; Musikinstrumente, Vers  21; Handwerk, Vers 22). Aber ist nicht Weihnachten nach wie vor in ökonomischer und kultureller Hinsicht ein Götze geblieben? Wenn man sich allein anschaut, was für sogenannte Engelgestalten, Weihnachtsmänner und sonstige Dinge mit Weihnachten verbunden werden - in dieser Welt und auch unter Christen - dann hat sich ein mystischer Hintergrund offenbar bis heute halten können. Mit einem solchen heidnischen Götzenkult möchte ich nichts zu tun haben.

  4. Die „christliche Geschichte" während der Zeit des Neuen Testaments umfasst sicher mehr als 50 Jahre. Man nimmt an, dass Johannes die Offenbarung um die Jahrhundertwende - ungefähr im Jahr 100 - geschrieben hat. Wir finden keinen einzigen Hinweis auf eine Feier zur Ehren der Geburt unseres Herrn. Wir finden jedoch die Warnung davor, bestimmte Festzeiten zu halten (Galater 4,10.11).

    Die Geburt bringt nahe - der Tod des Herrn verurteilt den Menschen!

  5. Das gewaltige Wunder der Menschwerdung des ewigen Gottes ist unfassbar. Aber es hätte keinen Menschen erretten können. Im Gegenteil - es erhöhte die Verantwortung des Menschen und machte ihn umso schuldiger, weil jetzt bewiesen worden war, dass ein Mensch Gott in allem gehorsam war - der Eine, Jesus Christus. Um uns von der Knechtschaft des Teufels loszukaufen, musste Christus sterben. Das - und das allein - ist unser Rettungsmittel. Dass Gott Mensch wurde, bringt Ihn uns nahe - macht Ihn für viele Menschen jedenfalls für einige Tage „liebenswert". Genau das ist die Verführung Satans, der den Menschen das „Christkind" nahe bringt - einen Menschen, der in größter Bescheidenheit auf diese Erde kam. Dadurch kann man sich emotional beeindrucken lassen. Aber den Tod des Herrn versucht Satan, so weit wie möglich vor den Augen der Menschen zu verbergen, ja zu leugnen. Denn die Tatsache, dass der Mensch Christus Jesus sterben musste, verurteilt jeden einzelnen Menschen. Das aber wollen die meisten nicht akzeptieren. Weihachten ja - das Kreuz: nein!

  6. Wir werden im Neuen Testament nicht aufgefordert, die Geburt Jesu zu begehen. Wir werden jedoch aufgefordert, an den Tod des Herrn zu denken (1. Kor 11,24.25). Daher möchte ich jeden ersten Tag der Woche durch das Abendmahl den Tod des Herrn verkündigen - etwas, was in vielen Versammlungen (Gemeinden) nur noch spärlich geschieht. Die Geburt Jesu war Voraussetzung für seinen Tod, ist aber nicht Gegenstand der christlichen Verkündigung (vgl. 1. Kor 15,3).

  7. Viele Menschen, die nach der römisch-katholischen Kirche Wichtiges vollbracht haben - die sogenannten Heiligen -, werden mit einem Namenstag geehrt. Jesus bekam sogar zwei davon - den ersten und zweiten Weihnachtstag. Er ist ein besonderer Mensch - das hat man wohl schon erkannt. Aber ist das nicht ein Herabwürdigen dessen, der allein Erretter ist, der weit erhaben ist über jeden anderen Menschen? Petrus wollte einmal wirkliche Heilige, Elia und Mose, auf die Stufe des Herrn stellen und musste erkennen, dass er damit auf einem Irrweg war. Mit einem solchen Irrweg möchte ich mich durch das Feiern von Weihnachten nicht einsmachen. Es ist nicht von ungefähr, dass gerade die eben genannte Kirche sich bis heute anmaßt, mehr als alle anderen mit Christus auf einer Stufe zu stehen. Noch in der letzten Weihnachtsansprache erklärte der amtierende Herrscher dieser Kirche, Benedikt XVI.: „Der Apostel betont, dass die Gnade Gottes für alle Menschen erschienen ist [Tit 2,11]: Ich würde sagen, dass darin auch die Sendung der Kirche und speziell die des Nachfolgers Petri sowie seiner Mitarbeiter aufscheint ..." - kann man sich etwas Anmaßenderes vorstellen? 

    Auch die eherne Schlange wurde verehrt - bis Hiskia sie zermalmte

  8. Wenn man in die Erweckungszeit des 19. Jahrhundert zurückblickt, stellt man fest, dass die Geschwister mit Weihnachten, das sie als ein Götzenfest ansahen, nichts zu tun haben wollten. Sie lehnten es ausdrücklich ab und stellten verwundert nach einer gewissen Zeit fest, dass dieses aus ihrer Sicht weltliche Fest auch unter den Christen, mit denen sie sich verbunden fühlten, wieder Einzug gehalten hatte. Hiskia war es übrigens, der die eherne Schlange - die von Gott gegebene Rettung für das Volk Israel - zermalmen musste, da sie zu einem Götzeninstrument geworden war: „Er tat die Höhen weg und zerschlug die Bildsäulen und rottete die Aschera aus und zertrümmerte die Schlange aus Kupfer, die Mose gemacht hatte; denn bis zu jenen Tagen hatten die Kinder Israel ihr geräuchert, und man nannte sie Nechustan [Kupfernes]" (2. Kön 18,4). Ich fürchte, Weihnachten ist auch zu einem solchen Instrument geworden ...

Abschließend füge ich noch an: Natürlich steht jeder von uns persönlich (für sich und für seine Familie) vor seinem Herrn! Aber es ist der Herr: „Und der König wird deine Schönheit begehren, denn er ist dein Herr: So huldige ihm" (Psalm 45,12).